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„Ja zu Spielen“ Alle Europäer in Peking am Start

06.04.2008 ·  Die 49 Nationalen Olympischen Komitees Europas haben geschlossen ihren Start bei den Sommerspielen im August angekündigt. Die deutsche Athletensprecherin Claudia Bokel forderte: „Wir wollen wissen, was erlaubt ist und was nicht.“

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Die 49 Nationalen Olympischen Komitees Europas (ENOC) haben am Sonntag in Peking geschlossen ihren Start bei den Sommerspielen im August angekündigt und gleichzeitig vom Internationalen Olympischen Komitee eine klare Leitlinie zum Thema Menschenrechte und Meinungsfreiheit der Athleten gefordert. Dies waren für IOC-Vize und DOSB-Präsident Thomas Bach „die zwei Kernbotschaften“ im Vorfeld der ANOC-Generalversammlung in der chinesischen Hauptstadt. Dort kommen ab Montag alle weltweit anerkannten 205 NOKs zusammen.

Laut Bach stehe der Vorschlag einer gemeinsamen Resolution von IOC und NOKs im Raum. Dazu könne es am Donnerstag kommen, wenn IOC-Exekutive und ANOC gemeinsam tagen. „Die Athleten wollen wissen, was erlaubt ist und was nicht“, meinte ENOC-Athletensprecherin Claudia Bokel (Tauberbischofsheim). „Sie sind in der Tibet-Frage beunruhigt und wollen dies auch zeigen, ohne dabei gegen die Olympische Charta zu verstoßen.“ Diese verbietet politische und religiöse Demonstrationen an den Stätten der Spiele, lässt aber Interpretationsspielraum.

„Wir sagen Ja zu den Spielen und Nein zum Boykott“

„Wir brauchen deshalb eine eindeutige Position vom IOC für den Umgang mit Menschenrechtsfragen und in der Tibet-Frage“, erklärte ENOC-Präsident Patrick Hickey nach der Sitzung. Die Unsicherheit bei Sportlern und NOKs zur Behandlung des Themas sei groß. IOC-Präsident Jacques Rogge, der am Sonntag von Singapur aus im „China World Hotel“ eintraf, hatte schon zuvor angekündigt, einen Bericht von Amnesty International diskutieren zu wollen. Dieser spricht von deutlicher Verschlechterung der Menschenrechtssituation in China in den vergangenen Wochen.

Dennoch bezeichnete der Belgier die Vergabe der Spiele an Peking einmal mehr als „richtig“. ANOC-Präsident Mario Vazquez Rana bekräftigte, ein von Politik und Nicht-Regierungsorganisationen diskutierter Boykott der Spiele, ob teilweise oder ganz, sei „völlig ausgeschlossen“: „Wir sagen Ja zu den Spielen und Nein zum Boykott.“ Man wolle den Sportlern die „größtmöglichen Freiheiten“ geben und die freie Meinungsäußerung zulassen, erklärte der Mexikaner. „Aber immer nur im Rahmen unserer Regeln.“ Jeder Bruch werde Sanktionen nach sich ziehen.

Vesper setzt auf „allseitigen Erkenntnisgewinn“

Der Deutsche Olympische Sportbund hatte seinen Teilnehmern ausdrücklich das Recht zugestanden, ihre Meinung auch während der Spiele in Interviews oder Pressekonferenzen von sich zu geben. Die DOSB-Entschließung vom Ostermontag habe viel Zustimmung gefunden, sagte Bach. In ihr waren die Menschenrechtslage in China als „unzureichend“ bezeichnet und alle Beteiligten zum Dialog und Gewaltverzicht aufgerufen worden.

„Ich hoffe, dass wir auch darüber mit den Chinesen reden können“, meinte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, der bei den Sommerspielen deutscher Chef de Mission sein wird. Er setze auf einen „allseitigen Erkenntnisgewinn“ in dieser Woche. Das zweite deutsche IOC-Mitglied Walther Tröger zeigte sich im Deutschlandfunk davon überzeugt, dass sich das IOC für Gefangene einsetzen werde, die wegen ihrer Kritik im Zusammenhang mit den Spielen in China in Haft sitzen.

Vordergründig geht es beim Vorbereitungstreffen um „technische Fragen“ wie den Zustand der Sportstätten oder des Athletendorfes, den Transsport zu Wettkampf- und Trainingsplätzen. Hier hatte Hein Verbruggen, Chef der IOC-Koordinierungskommission, schon unter der Woche China ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. „Man ist auf dem Weg zu einer goldmedaillenreifen Leistung.“ Doch dieser Aspekt ist vier Monate vor den Spielen (8. bis 24. August) unter dem Eindruck der jüngsten Ereignisse in Tibet weit in den Hintergrund getreten.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen beim Lauf durch London

Das Olympische Feuer ist am Sonntag in leichtem Schneetreiben und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen durch London getragen worden, den Schauplatz der Sommerspiele 2012. Einige Demonstranten, die sich der Flamme nähern wollten, wurden von der Polizei abgefangen und abgeführt. (Siehe: Olympisches Feuer in London: Protest mit dem Feuerlöscher). Ansonsten waren die Proteste gegen die Menschenrechtsverletzungen in China und dessen Tibet-Politik friedlich geblieben.

Erster der 80 Fackelträger war der fünfmalige Ruder-Olympiasieger Steve Redgrave, der dazu aufrief, „Sport und Sportler nicht für politische Zwecke zu missbrauchen“. Der Weg führte auch am Amtssitz des britischen Premiers Gordon Brown in der Downing Street vorbei, der seine Teilnahme an der Eröffnungsfeier am 8. August in Peking erneut bekräftigte. Nächste Station der internationalen Route ist am Montag Paris, von dort aus geht es weiter nach San Francisco.

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