27.07.2008 · Tennisprofi Nicolas Kiefer hat kurz vor Olympia erstmals das Endspiel eines Master-Series-Turniers erreicht. „Es war vergleichbar mit einem Boxkampf. Beide waren am Taumeln. Der, der länger steht, schafft es“, sagte Kiefer nach dem Coup gegen Simon.
Voller Vorfreude auf seine dritte Olympia-Teilnahme hat Tennisprofi Nicolas Kiefer erstmals das Endspiel eines Master-Series-Turniers erreicht. Der deutsche Davis-Cup-Spieler ließ sich im kanadischen Toronto auch von Federer-Bezwinger Gilles Simon nicht stoppen und steht in seinem ersten Endspiel auf der ATP-Tour seit fast drei Jahren. „Das ist das Größte überhaupt, in so einem Finale zu stehen“, sagte Kiefer nach seinem 6:7 (4:7), 6:3, 7:6 (7:5)-Erfolg gegen den Franzosen Simon.
Als Belohnung für seinen Höhenflug nach langer Verletzungspause darf sich der Hannoveraner im Finale am Sonntag (19:30 MESZ / Live-Ticker: Rafael Nadal gegen Nicolas Kiefer) mit French-Open- und Wimbledon-Sieger Rafael Nadal aus Spanien messen. „Es ist egal, ob es irgendwo zwickt. Da muss man den Schweinehund überwinden und auf die Zähne beißen“, meinte Kiefer nach seinem dreistündigen Match gegen Indianapolis-Sieger Simon, der in Runde zwei den wankenden Weltranglisten-Ersten Roger Federer bezwungen hatte.
Auch die Oma hat sich gefreut
„Es war vergleichbar mit einem Boxkampf. Beide waren am Taumeln. Der, der länger steht, schafft es“, sagte Kiefer nach dem Coup gegen Simon. „Ich wusste, dass er müde ist und ich wusste, dass ich auch müde bin“, sagte der 31-Jährige. Auf dem Weg ins Endspiel hatte Kiefer, der im vergangenen Jahr nach 373 Tagen Verletzungspause in den Tennis-Zirkus zurückgekehrt war und ein beachtliches Comeback gefeiert hatte, unter anderem die Russen Michail Juschni und Nikolai Dawidenko sowie den Amerikaner James Blake aus dem Turnier geworfen.
Bei den am 8. August in Peking beginnenden Sommerspielen wird Kiefer im Einzel und im Doppel voraussichtlich mit Philipp Kohlschreiber (Augsburg) antreten. „Olympia ist ein absolutes Highlight, ich freue mich riesig darauf“, sagte Kiefer. „Im Moment sieht es so aus, als würde ich mit Kohlschreiber spielen“, meinte Kiefer. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) kämpft allerdings weiterhin darum, Wimbledon-Halbfinalist Rainer Schüttler vier Jahre nach Silber im Doppel mit Kiefer noch ins Team zu bekommen. „Dann würde es wohl ein Gespräch geben und (Bundestrainer) Patrik (Kühnen) müsste entscheiden“, erklärte Kiefer. Das erste Gespräch nach dem Finaleinzug führte der 31-Jährige aber mit seiner aus Frankreich stammenden 95 Jahre alten Oma. „Sie hat sich gefreut, obwohl ich einen Franzosen bezwungen habe“, erzählte Kiefer.