29.01.2008 · Handball-Bundestrainer Heiner Brand hatte die Ausmusterung von Michael Kraus damit begründet, dass Kraus derzeit nicht mal 30 Prozent seines Könnens zeige. „Und damit hat er auch recht“, sagte der Spielmacher jetzt.
Handball-Star Michael Kraus zeigt Verständnis für seinen Rauswurf aus der deutschen Nationalmannschaft und gelobt Besserung. Bundestrainer Heiner Brand hatte die Ausmusterung damit begründet, dass Kraus derzeit nicht mal 30 Prozent seines Könnens zeige. „Und damit hat er auch recht“, sagte der Spielmacher des Bundesligisten TBV Lemgo in einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten selbstkritisch.
Dass er plötzlich keine Rolle im Team des Weltmeisters mehr spielen soll, habe er in der Abschlussbesprechung nach dem Debakel gegen Frankreich (26:36) im Spiel um Platz drei erfahren. Kraus: „Der Bundestrainer hat es mir vor versammelter Mannschaft mitgeteilt.“ Entschieden widersprach der 24-Jährige Gerüchten, dass ein angeblicher Disco-Besuch nachts um drei Uhr der Auslöser für den Rausschmiss gewesen sei. „Um Gottes willen, es ist garantiert nichts außerhalb des Handballfeldes vorgefallen. Ich war weder unpünktlich, noch bin ich ausgebüxt und habe in der Disco abgefeiert“, sagte der Lemgoer. Was Pünktlichkeit betreffe, habe er seine Lektionen gelernt.
Das Ziel ist immer noch: Bei den Spielen dabei sein
Natürlich sei er enttäuscht, wie die EM in Norwegen gelaufen sei und erst recht über die Denkpause, meinte Kraus: „Aber wer mich kennt, weiß, dass ich nicht der Typ bin, der in so einer Situation resigniert. Im Gegenteil: Für mich ist das Motivation pur. Jetzt erst recht, heißt mein Motto.“ Neben Kraus hatte der Bundestrainer dessen Lemgoer Mannschaftskollegen Lars Kaufmann und Rolf Hermann aussortiert. Dafür war Brand heftig kritisiert worden. „Ich bin konsterniert darüber, dass da drei Sündenböcke ausgesucht und an den Pranger gestellt werden“, hatte Lemgos Manager Volker Zerbe gesagt.
Kraus selbst zeigte sich sehr einsichtig: „Der Bundestrainer hat so viel Erfahrung, er wird wissen, was gut für mich ist. Ich weiß selbst, dass ich konstanter werden muss.“ Sein Lernprozess sei noch nicht zu Ende, zumal die Position des Spielmachers sehr anspruchsvoll sei. Er werde jetzt alles hinten anstellen, um im Sommer bei den Olympischen Spielen in Peking am Start zu sein. Kraus: „Es war schon immer der große Traum von mir und meinem Bruder Christian, der als Säbelfechter starten will, dort teilnehmen zu können.“