Home
http://www.faz.net/-gab-whbf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Handball-Kommentar Weckruf für den Weltmeister

28.01.2008 ·  Brands Entscheidung, erst einmal auf das Lemgoer Trio um den Hallodri Kraus zu verzichten, ist als Weckruf zu verstehen. Handball-Deutschland steckt nach der großen Sause von 2007 wieder im Alltag, es muss seinen Ruf bestätigen.

Von Rainer Seele
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Nun hat Heiner Brand doch noch einmal Christian Schwarzer ins Spiel gebracht. Nicht als möglichen Rückkehrer in die Handball-Nationalmannschaft, aber doch – selbst im Alter von fast 40 Jahren – als leuchtendes Beispiel für Arbeitsethos.

In Männern wie Schwarzer erkennt Brand sich ja auch selbst. Er schätzt solche Kämpfernaturen: Spieler, die sich nicht schonen im Hochgeschwindigkeitssport Handball, die im zähen Ringen um den Ball nicht klein beigeben, die stehend oder liegend die Auseinandersetzung mit dem Gegner suchen. Als der Bundestrainer, einst ein Abwehrrecke, nun über die jüngsten Mängel im Spiel des Weltmeisters sprach und über die disziplinarischen Maßnahmen gegen Michael Kraus, Lars Kaufmann und Rolf Hermann, erwähnte er auch die hervorstechenden Eigenschaften des Sportsfreundes Schwarzer.

Schallende Ohrfeige

Der bullige Kreisläufer hatte vor einem Jahr maßgeblichen Anteil daran, dass die Deutschen sich krönen lassen konnten in Köln. Einen wie ihn hätte er nun wohl gern in Norwegen in seinem Team gesehen – das Desaster gegen Frankreich, das Brand offensichtlich wie eine schallende Ohrfeige für den deutschen Handball vorkam, hätte damit vielleicht vermieden werden können.

Die Deutschen waren zum Schluss stark gehandicapt, keine Frage, sie mussten den enormen Strapazen der Europameisterschaft Tribut zollen. Dennoch hatte Brand ein letztes Aufbäumen erwartet, gerade von Kaufmann oder Hermann, die von der Bank kamen. Dass sie diese Herausforderung nicht mit Verve annahmen, registrierte Brand mit großer Verbitterung.

Alltag nach der großen Sause

Seine Entscheidung, erst einmal auf das Lemgoer Trio um den Hallodri Kraus zu verzichten, ist als Weckruf für den Weltmeister zu verstehen. Handball-Deutschland steckt nach der großen Sause von 2007 wieder im Alltag, es muss seinen Ruf bestätigen. Das ist bei der Qualität von Rivalen wie Dänemark, Kroatien oder Frankreich nur mit hohem Einsatz möglich. Dass die Deutschen in Norwegen insgesamt verloren, verdeutlicht, wie schlagkräftig ihre Konkurrenz ist.

Da es Schlag auf Schlag weitergeht auf hohem Niveau, mit Olympia im August und der Weltmeisterschaft Anfang 2009 in Kroatien, müssen die deutschen Handwerker sich schleunigst wieder sammeln. Und sich darauf besinnen, was sie zu einer Großmacht im Handball hat werden lassen, welche Verantwortung sie im deutschen Sport tragen. Das kann auch durch die rauhen Töne, die nun im deutschen Handball herrschen, gefördert werden.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1957, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge