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Handball-EM Kleine Befreiung vor dem großen Duell

23.01.2008 ·  Nach dem Sieg gegen Island stehen die deutschen Handballer nun vor der höchsten Hürde der Hauptrunde. Am Mittwoch wartet Frankreich auf das Team von Heiner Brand. Der Bundestrainer geht die schwere Aufgabe mit Humor an.

Von Rainer Seele, Trondheim
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Es hatte Augenblicke des Bangens, des Zitterns gegeben, doch schließlich war es doch ein angenehmer Abend für den Handball-Weltmeister. So konnte sich auch Heiner Brand entspannt zurücklehnen. Nicht alles hatte dem Bundestrainer zwar gefallen beim 35:27 der deutschen Nationalmannschaft über Island.

Doch auch Brand musste dieses Ergebnis nach der hohen Niederlage im letzten Vorrundenspiel gegen Spanien wie eine kleine Befreiung vorgekommen sein. „Wir haben die Isländer enorm unter Druck gesetzt und zu Fehlern gezwungen. Die ersten 25 Minuten waren sehr stark“, bilanzierte Brand. „Nach der Halbzeit ist es noch einmal eng geworden. Es hat noch nicht alles gepasst.“

„Man kann durchaus versuchen, sie zu schlagen“

Die Deutschen, deren Rückraum wesentlich effektiver als zuletzt agierte, wähnen sich nun auch gerüstet für den zweiten Teil der Hauptrunde der Europameisterschaft, für den Schlagabtausch an diesem Mittwoch mit Frankreich. Brand verweist immer wieder auf die besonderen Qualitäten der Franzosen. Sie seien vielleicht das beste Team der Welt, sagte der Gummersbacher am Dienstag in Trondheim. In seinem speziellen Humor fügte Brand gleichwohl hinzu: „Man kann durchaus versuchen, sie zu schlagen.“

Manches im Sport ist bisweilen schwer zu erklären, zum Beispiel das Tief eines Athleten. So hatte beispielsweise Pascal Hens zuletzt behauptet, sich selbst ein Rätsel zu sein. Weil er sich doch gut fühle, wie der lange Hamburger sagte, und trotzdem den Erwartungen nicht gerecht wurde. Hens konnte das nicht begründen, er sagte: „Ich habe keine Ahnung.“ Am Dienstag hielt Hens sich als Schütze auf alle Fälle erst einmal zurück, man konnte das als Zeichen der Verunsicherung betrachten.

Gegenüber dem spanischen Desaster wie verwandelt

Es dauerte bis zur siebten Minute, ehe Hens aus dem Rückraum erstmals Maß nahm - und er hatte prompt Erfolg damit. Dieses Tor, das das 5:0 für die Deutschen bedeutete, dürfte ihm wieder ein bisschen Selbstvertrauen gegeben haben. Hens, der häufig hart attackiert wurde von den Isländern, traf später zwar keineswegs mit jedem Wurf ins Schwarze. Er lässt sich jedoch nicht alleine an dieser Kunst messen, er verfügt über weitere Fähigkeiten: Hens kann etwa auch seine Mitstreiter geschickt in Szene setzen. Einige Male gelang ihm dies auch gegen die Isländer.

Überhaupt waren die Deutschen zunächst fast wie aus einem Guss aufgetreten, sie hatten das Geschehen sozusagen von der ersten Sekunde an unter Kontrolle. Und sie schienen ihrem Widersacher bereits früh den Nerv zu rauben mit ihrer Treffsicherheit und ihrem energischen Zupacken in der Abwehr, der diesmal wieder der Hamburger Torhüter Johannes Bitter Halt gab. Brand konnte zumindest da sehr zufrieden sein mit seinem Team, das sich gegenüber dem Desaster gegen Spanien wie verwandelt zeigte. Und Handball endlich auch wieder als Bewegungsspiel interpretierte - Brand hatte sich ja zuletzt vor allem über den fehlenden läuferischen Einsatz beschwert.

Nach einem Kopftreffer hält Bitter kaum einen Ball

Brand baute im rechten Rückraum wieder auf Holger Glandorf und Christian Zeitz. Der Kieler, der den Anschein erweckt, nicht ganz fit zu sein, kam jedoch zunächst kaum zum Zuge - der Nordhorner Glandorf erfüllte seine Aufgabe schließlich zufriedenstellend. Er brachte es auf insgesamt neun Tore, damit war er der erfolgreichste Werfer auf deutscher Seite.

Nachdem der Weltmeister sich erst eindrucksvoll zurückgemeldet hatte, verfiel er später doch wieder ein bisschen in den alten Trott. Die Deutschen spielten in der Offensive nicht mehr ganz so elanvoll wie in der Anfangsphase des Duells mit Island, sie vergaben mehrere Tormöglichkeiten, und so schmolz der Vorsprung. Beim Stand von 21:18 machte Bitter, der zu Beginn der zweiten Halbzeit einen Kopftreffer hatte hinnehmen müssen, Platz für seinen Kollegen Henning Fritz - Bitter hatte zuvor kaum noch einen Ball parieren können.

„Wir konnten den Hebel rechtzeitig wieder umlegen“

Mit einem Mal waren die stark aufkommenden Isländer nur noch 20:22 im Rückstand. Womöglich hatten die Deutschen sich nach ihrem exzellenten Start ein bisschen zu sicher gefühlt und in ihrer Konzentration nachgelassen. Doch sie waren gefestigt genug, um die heiklen Momente zu überstehen und sich noch einmal zu einer beherzten Darbietung aufzuraffen. Hens formulierte das später so: „Wir konnten den Hebel rechtzeitig wieder umlegen.“

Brand hatte auch Markus Baur vom Feld geholt, Michael Kraus sorgte für neuen Antrieb. Und Zeitz erzielte in der brenzligen Situation zwei Tore; auch das brachte die Deutschen wieder voran. Damit sprang letztlich doch ein deutlicher Sieg heraus. Und frischer Mut für den weiteren Kampf um die Halbfinalteilnahme - und für eine vermutlich emotionsgeladene Begegnung mit Frankreich.

Deutschland - Island 35:27 (17:12)
Spieler und Tore für Deutschland:
Glandorf (9), Kehrmann (6), Hens (5), Preiß (4), Baur (3/2), Klimovets (2), Jansen (2), Zeitz (2), Klein (2), Kraus, Kaufmann, Roggisch, Fritz, Bitter
Tore für Island: Stefansson (8/4), Sigurdsson, G. (6), Petersson (4), Svavarsson (4), Gudjonsson (2), Geirsson (1), Hallgrimsson (1), Jonsson (1)
Schiedsrichter: Abrahamsen/Kristiansen
Zeitstrafen: 4-3
Siebenmeter: 2/2-4/4
Zuschauer: 1380 in Trondheim

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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