25.01.2008 · Obwohl Weltmeister, ist die deutsche Mannschaft keine Ausnahmeerscheinung im Handball. Sie hat sich alles hart erarbeiten müssen. Was mit Teamgeist als Grundlage entstehen kann, wurde gegen Schweden wieder einmal deutlich.
Von Rainer SeeleDer Motivator von gestern ist immer noch da, er begleitet den Handball-Weltmeister auch in Norwegen, allerdings nur als Mitarbeiter des Fernsehens. Christian Schwarzer war Gold wert für Deutschland im Januar und Februar 2007. Der bullige Kreisläufer riss seine Kollegen mit, er trieb sie an, der Triumph von Köln war nicht zuletzt ihm zuzuschreiben.
Über eine solche Kraft verfügen die Deutschen nicht mehr, mancher sieht darin ein Manko. Einer wie Schwarzer würde der Mannschaft selbstredend auch bei der Europameisterschaft gut tun, aber immerhin bewies sie nun, dass sie doch stabil genug ist, um sich auch so aus einer prekären Lage zu befreien. Rechtzeitig noch hat das Team zu sich selbst gefunden und zu einer Stärke, die ihr den Weg in das EM-Halbfinale ebnete. Vermutlich halfen den Deutschen dabei auch die Erfahrungen von 2007, als sie ebenfalls heikle Momente zu überstehen hatten.
Solide Handwerker in Normalform
In Norwegen bestätigte sich auch, was Heiner Brand unlängst realistisch anmerkte: Deutschland ist, obwohl es im eigenen Land den Gipfel erklomm, keine Ausnahmeerscheinung im Handball. Brand sagte, dass sein Team sich immer alles hart erarbeiten müsse – mit einem harmonischen Miteinander als Grundlage. Brand misst deshalb einem engen Zusammenhalt große Bedeutung zu. Was auf dieser Basis entstehen kann, wurde am Donnerstag gegen Schweden wieder einmal deutlich.
Die deutschen Handwerker – in ihrer Besetzung nahezu unverändert gegenüber der WM – sind auch darauf angewiesen, dass ihre Stützen wenigstens Normalform erreichen. Bleiben sie darunter, kann das Gefüge empfindlich gestört werden, da es Brand an personellen Alternativen mangelt. Das hatte sich, zumindest bis Donnerstag, vor allem im deutschen Rückraum offenbart. Brand muss jetzt hoffen, dass Pascal Hens und Holger Glandorf, die Schützen vom Dienst gegen Schweden, nichts von ihrem neuen Schwung einbüßen.
Am Donnerstag auf alle Fälle inszenierte das Team wieder ein begeisterndes, ein packendes Spektakel. Es nährte die Hoffnung, die Erfolgsgeschichte des deutschen Handballs doch fortsetzen zu können. Dabei hätte ihn auch ein vorzeitiges Scheitern keineswegs schwer erschüttert; zu fest ist das Fundament, das Brand seit 1997 gelegt hat. Und es gibt in diesem Jahr, bei den Olympischen Spielen in Peking, ja noch eine weitere Chance, sich zu bewähren. In Norwegen – das steht fest – hat Deutschland nichts mehr zu verlieren.