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Handball-EM Der deutsche Traum platzt in letzter Sekunde

27.01.2008 ·  Das Spiel war an Dramatik kaum zu überbieten. Am Ende sicherte sich Dänemark in letzter Sekunde mit einem Siebenmeter den Einzug ins Finale der Handball-EM. Die Deutschen sammeln nun die letzten Kräfte für den letzten Auftritt.

Von Rainer Seele, Lillehammer
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Wieder Spannung pur, wieder nervenaufreibende Augenblicke, doch diesmal stand das Glück nicht auf der Seite der Deutschen: In letzter Sekunde unterlag der Handball-Weltmeister am Samstag bei der Europameisterschaft Dänemark, er kämpft nach dem 25:26 an diesem Sonntag in Lillehammer um Platz drei (13.30 Uhr / Live im ZDF / FAZ.NET-Liveticker).

Deutschland trifft dabei auf Frankreich, das sich zuvor Kroatien 23:24 hatte beugen müssen. Trotz der Enttäuschung darüber, in den Dänen ihren Meister gefunden zu haben, wollen die Deutschen noch einmal alle Kräfte mobilisieren, um in Norwegen doch noch einen Rang mit Auszeichnung zu ergattern. So sagte Torhüter Johannes Bitter, dass man das Turnier noch optimal beenden wolle - „das kann nur die Bronzemedaille sein“.

Bestätigung für Arbeit im deutschen Handball

Es waren exakt 59:57 Minuten vergangen in Lillehammer, für beide Teams standen 25 Treffer zu Buche - da nutzte Lars Christiansen von der SG Flensburg-Handewitt die letzte Chance für Dänemark, er verwandelte einen Siebenmeter gegen Torwart Henning Fritz. Der Lemgoer Sebastian Preiß hatte zuvor ein Foul begangen, das die Schiedsrichter, wie Bundestrainer Heiner Brand sagte, zu Recht ahndeten.

Handball: Der Traum vom EM-Finale platzt in letzter Sekunde

Auch Brand wirkte niedergeschlagen, bei der Pressekonferenz ging sein Blick bisweilen ins Leere. Trotzdem zog er schon vor der deutschen Abschiedsvorstellung in Norwegen ein positives Fazit. Schon die Teilnahme am Halbfinale, behauptete er, sei eine Bestätigung der Arbeit im deutschen Handball gewesen.

Von Behren: Erst nicht stabil, dann eine Stütze

Auf Oliver Roggisch, durch einen Muskelfaserriss in der Wade außer Gefecht gesetzt, hatten die Deutschen zwar verzichten müssen. Dafür aber konnte Brand auf Michael Kraus und auch auf Preiß zurückgreifen, die im Duell mit den Schweden ebenfalls Blessuren erlitten hatten. Wegen Roggischs Ausfall hatte der Bundestrainer flugs Frank von Behren nachnominiert, der am Freitagabend in Lillehammer eingetroffen war.

Der Mindener war ursprünglich nicht als stabil genug für die EM betrachtet worden - jetzt sollte er helfen, der Deckung des Weltmeisters Halt zu geben. Brand griff auch umgehend auf die Dienste von Behrens zurück. Der Nachrücker bildete zusammen mit Andrej Klimovets - oder mit Preiß - den neuen Mittelblock in der hinteren Reihe. Brand sagte, dass von Behrens vor allem in der ersten Halbzeit seine Sache sehr gut gemacht habe. Später unterliefen ihm, wie seinen Mitstreitern auch, einige Fehler.

Ein Weltmeister lässt sich nicht beeindrucken

Unmittelbar vor der EM hatte sich der Weltmeister in Kiel klar gegen die Dänen durchgesetzt. Für Brand war dies jedoch nun kein Maßstab mehr. Und natürlich präsentierten sich die Skandinavier auch anders als damals in Kiel. Wie die Deutschen verfügen die Dänen, die mit einigen Stars in der Bundesliga vertreten sind, über eine sehr energisch zupackende Verteidigung. Und in Kasper Hvidt über einen exzellenten Torhüter. Das bekam etwa Kapitän Markus Baur zu spüren, der mit dem ersten Siebenmeter dieses Spiels an Hvidt scheiterte. Trotz der Treffsicherheit des Nordhorners Holger Glandorf gerieten die Deutschen immer wieder in Rückstand, in der 18. Minute erstmals mit zwei Toren. Da hieß es 5:7.

Ein Weltmeister aber lässt sich dadurch nicht beeindrucken - die Antwort der Deutschen folgte prompt: mit sieben Toren in Serie, ohne dabei selbst einen Treffer hinzunehmen. Es war eine beeindruckende Darbietung der Deutschen, die dabei in dem Hamburger Torhüter Bitter wieder eine große Stütze hatten. Aus gelungenen Paraden von Bitter resultierten manche Gegenstöße, bei denen sich etwa der Lemgoer Florian Kehrmann auszeichnete.

Starkes Aufbäumen der dänischen Mannschaft

Allerdings hatten die Deutschen auch am Samstag wieder Verletzungspech. Der Kieler Christian Zeitz, der Kehrmann kurzzeitig auf Rechtsaußen ersetzt hatte, zog sich eine Blessur am Rücken zu und musste am Spielfeldrand behandelt werden. Zeitz konnte jedoch später wieder in das Geschehen eingreifen. Kehrmann hatte, weil körperlich angeschlagen, dann in der Schlussphase aussetzen müssen.

Die Deutschen hatten sich einen kleinen Vorsprung erarbeitet, aber es kostete einige Mühe, ihn zu verteidigen. Und mit einem Mal war er sogar verspielt - „leichtfertig“, wie der Bundestrainer später lamentierte. Brands Team nutzte einige gute Tormöglichkeiten nicht, und so kam es, dass die Dänen in der 38. Minute erstmals wieder den Gleichstand herstellten - 15:15. Eine heikle Phase für den Weltmeister, der ein starkes dänisches Aufbäumen erlebte.

Markus Baur: „Wir haben uns nichts vorzuwerfen“

Die Deutschen mussten, wie zuletzt auch gegen Schweden, wieder besondere Kämpferqualitäten offenbaren und selbstredend auch Nervenstärke. Und sie schafften das für eine gewisse Zeit auch noch einmal: Baur drückte, nachdem er in der 50. Minute das 21:20 erzielt hatte, mit seiner Mimik und seiner Gestik den großen Willen der Deutschen aus. Doch die Dänen schlugen ein weiteres Mal zurück - und die zunehmend erschöpften Deutschen hatten kein Mittel mehr, die Niederlage abzuwenden.

„Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Wir haben alles versucht, aber es hat nicht ganz gereicht. Jetzt wollen wir Bronze holen“, sagte Kapitän Baur. Gegen den WM-Vierten Frankreich kommt es nun zu einer Neuauflage der Hauptrundenpartie, in der Deutschland mit 23:26 unterlag.

Deutschland - Dänemark 25:26 (13:10)
Spieler und Tore für Deutschland:
Kehrmann (6), Baur (4), Glandorf (4), Hens (3), Kraus (3), Jansen (2), Preiß (1), Zeitz (1), Klimovets (1), Klein, von Behren, Kaufmann, Fritz, Bitter
Tore für Dänemark: Christiansen (6/3), Knudsen (4), Boesen (3), Boldsen (3), Nielsen (3), Jensen (2), Spellerberg (2), Jorgensen (1), Noddesbo (1), Sondergaard (1)
Schiedsrichter: Poladenko/Tschernega (Russland)
Zeitstrafen: 2-0
Siebenmeter: 3/3-0/1
Zuschauer: 6000 in Lillehammer.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27.01.2008, Nr. 4 / Seite 15
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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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