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Doping im Handball „Wir wollen keine Kiffer haben“

23.01.2008 ·  Bisher ist der Handball von großen Doping-Skandalen verschont geblieben. Die Zunft ist trotzdem in Sorge: Das größte Problem ist der weitverbreitete Cannabis-Missbrauch. Bei der EM sollen die Spieler aufgeklärt werden.

Von Rainer Seele, Trondheim
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David van Bolderen wird so schnell nicht mehr als Handballspieler aktiv sein. Der Sportsfreund aus den Niederlanden wurde der Leistungsmanipulation überführt und mit einer zweijährigen Sperre belegt. In seinem Körper waren Spuren von Amphetaminen gefunden worden. Die Italiener Salvatore Ioppoli und Walter Giacalone kamen deutlich glimpflicher davon - sie müssen mit dem Handball jeweils drei Monate aussetzen. Das ist in der Branche die Standardsanktion für Cannabis-Konsum. Diese drei Fälle wurden gerade vom Internationalen Handballverband (IHF) veröffentlicht.

Ein Zeichen dafür, dass auch der Handball mehr und mehr von Doping-Affären erschüttert werden könnte? Die Funktionäre wiegeln ab. Der Handball, sagt Hans Holdhaus, habe kein wirkliches Doping-Problem. Der Österreicher ist Vorsitzender der medizinischen Kommission der IHF, er steuert auch die Doping-Tests bei der Europameisterschaft in Norwegen. Dort hatte es in der Vorrunde 32 Doping-Kontrollen gegeben, Auffälligkeiten wurden nicht gemeldet. Ein einziger Spieler hatte angegeben, dass er das Schmerzmittel Voltaren verwendet habe. „Das war legitim“, sagt Holdhaus.

Weitverbreiteter Hang, sich mit Cannabis zu berauschen

Tatsächlich ist der Handball bisher von großen Doping-Skandalen verschont geblieben. Holdhaus findet auch, dass dieser Sport sehr komplex sei - die speziellen Anforderungen des Handballs, glaubt der Österreicher, „lassen sinnvolles Doping fast nicht zu“. Die Zunft ist trotzdem in Sorge: Das hat mit dem offensichtlich weitverbreiteten Hang zu tun, sich mit Cannabis zu berauschen. Dabei werden vor allem französische Athleten ertappt, allerdings ist dies bisher noch nie bei internationalen Turnieren wie einer EM oder einer Weltmeisterschaft der Fall gewesen.

So groß ist die Zahl der Täter gleichwohl, dass Holdhaus jetzt einschreiten will. Er hat darüber unlängst auch mit den Verantwortlichen des französischen Handballverbandes gesprochen. In Frankreich soll nach Vorstellung von Holdhaus eine Aufklärungskampagne gestartet werden. In Broschüren, die allen Klubs zur Verfügung gestellt werden, soll dargestellt werden, dass auch Cannabis zu den verbotenen Produkten zählt. Viele Spieler, vermutet Holdhaus, beschäftigten sich gar nicht mit dem Doping-Reglement - „das ist gefährlich“. Zwar gehört Cannabis nicht zu den „klassischen“ Doping-Substanzen, es wird als soziale Droge betrachtet. Holdhaus, offenbar sehr verschnupft über die zahlreichen positiven Proben, möchte dieses Übel dennoch eindämmen: „Wir wollen keine Kiffer haben.“

„Wir dürfen nicht nachlässig werden“

Grundsätzlich plant der Handball, sein Engagement im Anti-Doping-Kampf zu verstärken. „Wir gehen jetzt rigoros vor“, hatte Frank Birkefeld, der bis 2007 Geschäftsführer der IHF war, bereits während der vergangenen Weltmeisterschaft auf deutschem Boden angekündigt. Im Bemühen um einen sauberen Handball wird in Lillehammer, wo am Wochenende die Finalrunde der EM stattfindet, eine Art Werbestand eingerichtet. Den Sportlern soll damit die Gelegenheit gegeben werden, sich über die Doping-Problematik, über Risiken und Nebenwirkungen des Missbrauchs zu informieren. Holdhaus wähnt den Handball zwar grundsätzlich „auf der sicheren Seite“, und er sieht auch keinen Anlass, stärker als bisher nach möglichen Sündern zu fahnden. Der Österreicher sagt aber auch: „Wir dürfen nicht nachlässig werden.“

Kürzlich hatte auch Bundestrainer Heiner Brand gefordert, dass der Handball - obwohl nicht besonders belastet - energisch gegen Doping vorgehen müsse. Mit Blick auf den Radsport sagte er: „Bei uns sollte mit gleicher Konsequenz in diesem Bereich gearbeitet werden.“ Der Handball möchte nun auch den biologischen Pass einführen, der im Profiradsport als wesentlicher Fortschritt in dem Bestreben gilt, den Betrügern auf die Spur zu kommen. „Irgendwann kommt er sicher“, sagt Holdhaus. Er hält dieses Dokument für vernünftig. Und Sportler mit reinem Gewissen, sagt er, dürften auch keine Schwierigkeiten haben, sich diesem System der Überwachung zu unterwerfen.

Der Handball will, um sein Wohl zu sichern, noch weitere Maßnahmen ergreifen: Holdhaus möchte beispielsweise kardiologische Untersuchungen bei Spielern vor Großereignissen zur Pflicht erheben. Das ist eine Konsequenz aus tragischen Vorkommnissen im Fußball: Der plötzliche Tod von Profis auf dem Spielfeld, angeblich herbeigeführt durch akutes Herzversagen, hat auch die Handballszene aufgeschreckt - und Holdhaus wäre es am liebsten, könnte er mit seiner Gesundheitsinitiative bereits nach den Olympischen Spielen in Peking beginnen. In den Handball ist mithin Bewegung gekommen - auch wenn dort über Doping nur als Randerscheinung geredet wird.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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