30.06.2009 · Sabine Lisicki ist im Viertelfinale der 123. All England Championships in Wimbledon an Dinara Safina und auch an ihren eigenen Nerven gescheitert. Die Berlinerin unterlag nach hartem Kampf der Weltranglisten-Ersten Dinara Safina mit 7:6 (7:5), 4:6, 1:6.
Von Peter Penders, LondonDie große Chance war da, die Tür zum Halbfinale war schon mehr als nur einen Spalt geöffnet, aber dann ist sie plötzlich doch wieder zugefallen. Sabine Lisicki war am Dienstag drauf und dran, mit einem Erfolg über die Weltranglistenerste Dinara Safina tatsächlich ins Halbfinale von Wimbledon einzuziehen - aber irgendwie hat es die Russin doch noch geschafft, diese Partie zu drehen. 7:6 hatte Sabine Lisicki den ersten Satz gewonnen, sie schien auch die wesentlich stabilere Spielerin im zweiten Satz zu sein, aber dann gelang Dinara Safina ein Break, das alles änderte.
Plötzlich wurde das Spiel der Deutschen fehlerhaft, und das reichte der vermeintlich besten Spielerin der Welt, um letztlich doch noch 6:7, 6:4 und 6:1 zu gewinnen. „Ich habe viel Glück gehabt, dass Sabine ihre Chancen im zweiten Satz nicht genutzt hat“, sagte Dinara Safina, die nun im Halbfinale auf die Titelverteidigerin Venus Williams treffen wird. Sabine Lisicki wiederum wird nach dem Erreichen des Viertelfinales, dem bislang größten Erfolg ihrer Karriere, nahe zu den besten zwanzig Spielern der Welt aufrücken.
War es die Erfahrung, der große Anlass, die plötzliche Angst des Außenseiters vor dem Sieg oder die Hitze? Es gibt viele Gründe, warum man ein Tennisspiel verlieren kann, in dem man lange in der besseren Position war. Das frühe Break im ersten Durchgang zum 3:1 hatte Sabine Lisicki zwar nicht zum Satzgewinn nutzen können, weil sie im letzten Moment noch ein Rebreak zum 5:5 hatte hinnehmen müssen. Im Tiebreak aber bewies die junge Deutsche wieder einmal, dass sie offenbar nicht unter besonderer Nervenschwäche leidet. Im Gegenteil - die Fehler in diesem Viertelfinale auf eher mäßigem Niveau leistete sich vor allem Dinara Safina, die nicht nur mit ihrem mangelhaften Aufschlag haderte. Der aber führte zum Satzverlust - einer ihrer insgesamt 14 Doppelfehler an diesem Tag brachte Sabine Lisicki die 1:0-Satzführung.
Der Kampfgeist half nicht mehr
Die Nerven der besorgten Russin beruhigte dieser Rückstand natürlich keineswegs, zumal ihre Gegnerin zunächst wie aufgedreht zu Werke ging. Sabine Lisicki schlug in ihrem ersten Aufschlagspiel gleich drei Asse, sie gewann auch ihr zweites Aufschlagspiel zu null - da schien sich großes Ungemach für die Branchenführerin anzudeuten, die gegen die noch vierzig Plätze schlechter in der Weltrangliste plazierte Deutsche immer kurz davor stand, selber Breakbälle abwehren zu müssen. Ein Aufschlagverlust der Russin schien nur eine Frage der Zeit - aber als sich stattdessen ihr plötzlich die unverhoffte Chance bot, griff Dinara Safina entschlossen zu. Sie schaffte das überraschende Break zum 3: 4, das ihr Sabine Lisicki ebenfalls mit einem Doppelfehler schenkte. Auch das letzte Aufbäumen ihrer Gegnerin konnte Dinara Safina danach unterbinden - beim Stand von 4:5 erspielte sich Sabine Lisicki noch einen Breakball im zweiten Satz, den sie aber nicht nutzen konnte.
Ihr Kampfgeist ist neben dem Aufschlag die große Stärke der Deutschen, sie gibt niemals auf - das hilft aber nicht, wenn der Ball nicht mehr dorthin fliegt, wo er hin sollte. Das schnelle Break im letzten Satz konterte sie zwar noch mit einem Rebreak zum 1:1, aber ihre eigene Aufschlagstärke war plötzlich dahin und kam nicht mehr zurück. Dinara Safina nahm ihrer Gegnerin noch zweimal den Aufschlag ab, ihre Grundschläge waren nun etwas präziser geworden, auch wenn ihr Spiel weiterhin weit davon entfernt war, an eine Weltklassespielerin zu erinnern. Auch eine Verletzungspause, die sich Sabine Lisicki wegen einer schmerzenden Wade nahm, brachte die Russin nicht mehr aus dem Rhythmus. Sie muss sich allerdings erheblich steigern, wenn sie ein Manko ablegen will: Sie ist Weltranglistenerste geworden, ohne ein Grand-Slam-Turnier gewonnen zu haben - nach Lage der Dinge wird das sich auch in Wimbledon nicht ändern.