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Lleyton Hewitt In einer Reihe mit Connors und McEnroe

27.06.2009 ·  Auf dem Höhepunkt seiner Karriere wurde er geachtet, aber nicht besonders geschätzt. Nun erfährt Lleyton Hewitt, der einzige Australier im Hauptfeld von Wimbledon, von den Rängen späte Zuneigung.

Von Peter Penders, Wimbledon
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Es gehört zu den Eigenarten des Sports, dass manche Stars die ungeteilte Zuneigung des Publikums erst dann bekommen, wenn entweder ihre Dominanz längst Vergangenheit ist oder sich ihre Karriere schon im Spätherbst befindet. Dann freuen sich viele plötzlich mit dem Protagonisten, als gelte es, noch einmal einen letzten Blick von ihm zu erhaschen, bevor er endgültig verschwindet.

Je mehr einer einst polarisierte, desto mehr scheinen ihm die Sympathien plötzlich zuzufliegen, die ihm früher immer verwehrt blieben. Bei Jimmy Connors war das so, bei John McEnroe kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, dass ihn einst nicht alle mochten, und auch bei Lleyton Hewitt ist das nicht anders. Als er am Donnerstag den Weltranglistenfünften Martin Del Potro glatt in drei Sätzen besiegte, wurde er auf dem Centre Court mehr gefeiert als bei seinem Wimbledon-Sieg 2002.

Für den bösen Buben Hewitt war kein Platz

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere wurde der Australier geachtet, aber nicht besonders geschätzt - zu sehr hatte er sich wie ein Straßenkämpfer hochgearbeitet in der Weltrangliste, und jeder traute ihm zu, dass er auf dem Platz alles, wirklich alles tun würde, um ein Spiel zu gewinnen. Mit seinem „C'mon“, mit dem er sich nach gelungenen Ballwechseln nicht nur anfeuerte, sondern es mit weit aufgerissenen Augen und geballten Fäusten dem Gegner ins Gesicht schrie, und mit seinem sehr rigiden Umgang mit der Öffentlichkeit sorgte er dafür, dass er selbst daheim in Australien nicht besonders beliebt war. Die Australier liebten den „nice guy“ Patrick Rafter, den zweifachen US-Open-Champion, Kurzzeit-Weltranglistenersten und Wimbledon-Finalisten von 2001, für den bösen Buben Hewitt war da kein Platz mehr.

Doch der zornige junge Mann machte Karriere. Mit 15 Jahren und 11 Monaten hatte er sich 1997 als jüngster Spieler überhaupt für die Australian Open qualifiziert, ein Jahr später in seiner Heimatstadt Adelaide den ersten Profi-Titel auf der ATP-Tour gewonnen. Drei Jahre später, im November 2001, war er kurz nach dem Gewinn seines ersten Grand-Slam-Titels in New York im Alter von nur zwanzig Jahren der jüngste Spieler, der bislang an der Spitze der Weltrangliste stand, und er blieb dort 80 Wochen.

Hewitt leitete nur den Übergang ein

Als er im Sommer 2002 in Wimbledon triumphierte, prophezeite Boris Becker, dass man dies noch öfter erleben würde. „Es gibt keinen Grund, warum er nicht wie Björn Borg hier fünfmal oder die US Open fünfmal gewinnen sollte.“ Vielleicht hätte man da schon gewarnt sein können - Becker irrte nämlich gewaltig. Der Name Hewitt stand nicht stellvertretend für eine neue Ära, er leitete nur den Übergang ein.

2001 endete in Wimbledon die Erfolgsgeschichte von Pete Sampras im Londoner Südwesten, 2003 begann die Dominanz von Roger Federer, dazwischen war Hewitt. Seine Art, Tennis zu spielen, reichte nicht mehr für weitere große Triumphe, mochte er auch weiterhin um jeden Zentimeter Boden kämpfen und mitunter auch die unerreichbaren Bälle noch erlaufen. Auf der anderen Seite aber stand der Name Hewitt immer für die australischen Hoffnungen, dass einer ihrer Landsleute endlich in Melbourne gewinnen könnte. Denn es gab nach Rafters Abschied keinen anderen, und es gibt immer noch keinen anderen.

Der Kämpfer kehrte zurück

In Wimbledon ist Hewitt der einzige australische Vertreter überhaupt im Hauptfeld - eine desaströse Bilanz für die einst stolze Tennisnation, die in den sechziger und siebziger Jahren im Durchschnitt 42 Prozent der gesetzten Spieler in Wimbledon stellte. Im vergangenen Jahr gewann erstmals seit der Open-Ära, dem Beginn der Profizeit im Tennis 1968, kein Australier einen Titel auf der ATP-Tour. Hewitt hatte sich im August einer Hüftoperation unterziehen müssen, und lange Zeit schien fraglich, ob er seine Karriere würde fortsetzen können.

Aber der Kämpfer kehrte zurück, nahm die Mühlen der Teilnahme an den kleinen Turnieren auf sich, weil er erstmals seit mehr als zehn Jahren nicht mehr zu den besten 100 Spielern der Welt zählte. Mittlerweile ist Hewitt, schon seit einer Ewigkeit dabei und doch immer noch erst 28 Jahre jung, wieder auf Rang 56 angelangt, Tendenz steigend. „Es ist wunderbar, endlich wieder ohne Schmerzen spielen zu können“, sagt der Vater von zwei Kindern, dessen Partie gegen Del Potro viele beeindruckte. „So gut habe ich ihn seit 2002 nicht mehr spielen sehen“, sagte John McEnroe, und selbst das „C'mon“ stört niemanden mehr (siehe: Wimbledon kompakt: Petzschner weiter - Becker ausgeschieden - Federer besorgt).

Hewitt, der in der nächsten Runde gegen den Deutschen Philipp Petzschner antritt, wurde mit Ovationen verabschiedet, und selbst in Wimbledon, wo die alten Champions niemals so ganz vergessen werden, war so viel Zuneigung ungewöhnlich. Damit wird es im Fall der Fälle erst im Halbfinale ein drastisches Ende haben - wenn er dort tatsächlich auf den Briten Andy Murray treffen würde (siehe: Wimbledon: Die Hoffnung der Engländer).

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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