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Roboking-Schülerwettbewerb Für den König in die Schlucht

16.03.2007 ·  Der Roboking-Schülerwettbewerb ist einzigartig. An diesem Samstag werden auf der Cebit die Sieger ermittelt. Der Wettbewerb verlangt technisches Wissen und hohen Aufwand, dabei ist der jüngste Teilnehmer erst zwölf Jahre alt.

Von Robert von Lucius, Hannover
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Der König soll den schaurigen Ort mit den zwielichtigen Gestalten möglichst schnell wieder verlassen können. Aber es war „Steinschlag im Gebirge“, und erst müssen die Felsbrocken - sprich: die Tischtennisbälle - weggeräumt werden. Das ist die Aufgabe, vor der die Schüler bei der Cebit, der Computermesse in Hannover, stehen. Dafür mussten sie nicht nur Roboter bauen und programmieren, sondern auch noch eine 71 Seiten lange Einführung lesen. Sie gibt die Regeln vor in dem auf der Welt einzigartigen Schülerwettbewerb. Sie hilft auch bei der Auswahl der Antriebskonzepte, der Steuerung der Motoren, bei den Mikrocontrollern und Radencodern (Sensoren zur Wegmessung).

Wer über zwanzig, fünfundzwanzig ist, wird schon hier aufgeben - nicht aber Zwölfjährige wie Nils, der jüngste Teilnehmer bei „Roboking“. Nils hat mit seiner Gruppe aus Buxtehude immerhin den dritten Platz in der Qualifikation geschafft. Seine Mitschüler sind ähnlich jung. Folkmar begann vor drei Jahren als Zehnjähriger mit Roboterwettbewerben und nahm im Vorjahr an der Robocup-Weltmeisterschaft in Bremen teil. Louise hat schon mit neun Jahren angefangen. Sie ziehen von Wettbewerb zu Wettbewerb und streichen Preisgeld ein. Das ist auch gut so, denn Material, Fahrt und Unterkunft kosten nicht wenig. So gewandt die jungen Leute im Erfinden und Bauen sind, so wortkarg sind sie. Das sei auch „ganz in Ordnung“, sagt Nils immerhin.

Möglichst viele Bälle in die „Schlucht“ befördern

Auch Helge löst lieber Probleme, als zu reden. Er ist der Antreiber der Hamburger, die im Vorjahr mit großem Abstand gewannen und auch diesmal gute Aussichten haben, am Sonntag, wenn das Turnier endet, von der „Dame am Hofe“ als Roboking ausgezeichnet zu werden. Am Donnerstag konnten sie auf der Cebit zunächst ihre Roboter unter Wettbewerbsbedingungen ausprobieren, am Freitag dann auch spielerisch gegeneinander antreten. Die 16 Teams, die sich aus anfangs 67 Gruppen mit 280 Mitgliedern für die Finalrunde in Halle 19 qualifizierten, müssen beim Ritterspiel strategisch denken, improvisieren und schnell sein.

Drei Minuten dauert das Spiel, in dem zwei Mannschaften mit ihrem Roboter - er ist programmiert und läuft beim Spiel selbständig ohne Fernbedienung - möglichst viele Tischtennisbälle in die eigene „Schlucht“ oder auf die gegnerische Hälfte des Spielfelds befördern müssen. Die Bälle werden dabei von Tennisbällen angestoßen, was bedeutet, dass der Roboter die Bälle unterscheiden können muss. Am Ende gewinnt die Gruppe, deren Roboter am wenigsten Steine auf seiner Spielfeldhälfte liegen hat.

Teilnahme beim Roboking nur unter 20 Jahren

Für den Erfolg entscheidend ist die Qualität des Roboters mit seinen Lichtsensoren. Die meisten Roboter der Schüler bestehen aus Lego-Steinen. Auch Helge und Julian aus Hamburg bauten ihren Roboter im vergangenen Jahr noch aus Lego, aber diesmal haben sie auf teureres und aufwendigeres Plexiglas gesetzt. Ihr Roboter hat Klettverschlüsse und einen Einsaugmechanismus. In der Vorrunde stand er damit noch fast allein, in der Endrunde hatten andere die Bauweise der Hamburger Schüler übernommen. Das gilt nicht als anrüchig. Die Schüler helfen einander, auch wenn sie Rivalen sind. Man kennt sich ja auch schon aus den Vorjahren. Und auch auf der Roboking-Website bleiben die Fragen von Andi, Krabb, Hacktick oder Robopija nicht ohne Antwort.

An dem Wettbewerb, den es seit vier Jahren gibt, dürfen nur Schüler sowie Wehr- und Zivildienstleistende unter 20 Jahren teilnehmen. Sie sollen über den Spaß an der Sache und den Mannschaftsgeist für Technik begeistert werden. Roboking ist anspruchsvoll - der Wettbewerb erfordert Kenntnisse in Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik zugleich. Diese Studienfächer werden die Schüler denn auch wählen und so den Mangel an Ingenieuren in Deutschland lindern, hofft der Erfinder des Wettbewerbs, der Chemnitzer Hochschullehrer für Prozessautomatisierung Peter Protzell.

Neues Unterrichtsfach „Messen, Steuern, Regeln“

Er verweist auf das zunehmende Interesse von Mädchen wie Louise, die nicht nur bei technischen Fragen mithalten, sondern ihre Gruppen auch gut zusammenhalten und motivieren. Eine Studentin der Technischen Universität Chemnitz, die ehrenamtlich bei der Organisation des Wettbewerbs hilft, berichtet, dass viele frühere Wettbewerbsteilnehmer jetzt in Chemnitz studieren. An den Schulen der Stadt würden jetzt nicht mehr nur Arbeitsgemeinschaften für Schach oder Theater gegründet, sondern auch solche für Technik. In Sachsen gibt es im neuen Lehrplan sogar ein Unterrichtsfach „Messen, Steuern, Regeln“. Die Chemnitzer haben mit ihrem Wettbewerb also schon manches erreicht.

Von der Teilnehmergruppe aus Hamburg will Helge Informatik studieren, Julian Ingenieurwissenschaften. Für die Nacht zur Finalrunde an diesem Samstag hatten sie am Freitag noch ein ordentliches Programm: Der Roboter musste auf das Spielfeld feinprogrammiert werden und auf den Lichteinfall in Halle 19.

Quelle: F.A.Z., 17.03.2007, Nr. 65 / Seite 7
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Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

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