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Cebit Diesmal doch nicht?

13.03.2007 ·  Die Messe in Hannover steckt in einer tiefen Identitätskrise. Wenn sie noch eine Chance haben will, muss sie zu den Anfängen zurück: Die Optimierung von Geschäftsprozessen durch Informationstechnik. Ein Kommentar von Hans-Heinrich Pardey.

Von Hans-Heinrich Pardey
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„Sie Glücklicher!“ Mit dieser Floskel verabschiedet man im Februar, März einen, der trotzig bekannt hat, er komme diesmal nicht zur Cebit. Solches Frühjahrsbrauchtum, so fleißig es dieser Tage wieder gepflegt wird, kennt man freilich schon ein wenig länger.

Das fröhliche Versteckspiel mit Absage und demonstrativem Fernbleiben, dem dann ein Dochdabeisein in einem Laatzener Hinterzimmer oder unter der Tarnkappe ambulanten Prospekteverteilens folgt. Das dauert fast schon so lange an, wie es die Cebit gibt.

Routinierte Glätte und schiere Hilflosigkeit

Trotzdem, in diesem Jahr stellt sich die Frage mit aller Eindringlichkeit: Muss man zur Cebit? Die Megamesse in Hannover steckt offensichtlich in einer tiefen Identitätskrise, die sich schon vor mehr als zwölf Monaten abzeichnete. Das diesjährige Motto der Veranstalter - „The leading business event for the digital world“ - beschreibt mit ebenso viel routinierter Glätte wie schierer Hilflosigkeit genau das, was man gern sein möchte, aber nicht mehr ist: die Leitmesse alles Digitalen.

An der Nabelschau einer ungeteilten elektronischen Welt vorbei weisen längst etliche kleinere Ereignisse in andere Richtungen. Die 3GSM versammelte im Februar die Telekommunikationsbranche in Barcelona. Nokia, Motorola, LG Electronics und andere präsentierten ihre Neuheiten für 2007 - und strichen Hannover.

Die CES in Las Vegas als früher im Jahr liegende Leitmesse der Computerwelt war für Microsoft selbstverständlicher Premierenort des neuen Betriebssystems Vista. Die Fotobranche arbeitet noch die Versprechen der Kölner photokina ab und zeigte das Allerneueste auf der PMA der amerikanischen Photo Marketing Association. Unterhaltungselektronik? Die Internationale Funkausstellung in Berlin findet nun jährlich statt. Und bei Computerspielen hat die Games Convention in Leipzig neuerdings die Nase vorn.

Globaler Marktplatz hinterm Maschsee

Das Großereignis in Hannover schrumpft dagegen - inhaltlich wohl noch schneller als dem äußeren Rahmen nach - zu seinen Anfängen zurück. Nicht der Glamour der digitalen Schaustellerei, sondern die Optimierung von Geschäftsprozessen der Bürowelt durch Informationstechnik - da liegen die Wurzeln der Ausgründung der Hannovermesse Industrie.

Wenn es dorthin zurückgeht, erscheint das sinnvoll. Und für die Massen der Cebit-Besucher, die kamen, um sich gut zu unterhalten, wird das zu verschmerzen sein. Denn der Mythos vom globalen Marktplatz hinterm Maschsee hat ja längst in ganz anderer Gestalt Verwirklichung gefunden.

Leute, die wissen, wo es langgeht, trifft man dort nicht

Wer als privater Entscheider konkrete Fragen, sagen wir mal, zur Modellpolitik eines japanischen Kameraherstellers in den kommenden sechs Monaten hat, dem ist doch nicht damit geholfen, dass er von einer attraktiven Braunschweiger Messehostess die aktuelle Modellpalette für ein Minütchen in die Hand gedrückt bekommt. Und er wird sich allenfalls amüsieren, wie ihn die Messegesellschaft in diesem Jahr über die Abwesenheit der großen Namen trösten will: „Wer sich als Besucher für digitale Fotografie interessiert, braucht sich nicht auf lange Wege einzustellen.“

Wie denn das? Produkte von Canon, Nikon, Fujifilm oder Sigma sieht man auf einem Sonderstand eines Arbeitskreises für Digitale Fotografie. In den Entwicklungsdepartments der Hersteller ist das ein Nicht-Termin; Leute, die wissen, wo es langgehen wird, aber trifft man nicht im hannoverschen Gewühl, sondern in den einschlägigen Foren und Groups des Internets.

Für viel Geld in einer langweiligen Stadt übernachten

Jahrelang hat man darüber gewitzelt, wie verrückt es sei, sich über verstopfte Straßen zu quälen, seine Lebenszeit beim Warten auf schlechtes und teures Essen zu verplempern und für horrendes Geld in einer langweiligen Stadt zu übernachten - bloß um zu erfahren, wie viel schöner das Dasein durch die Segnungen der Digitalelektronik werden könne.

All das lasse sich doch mit ebendieser Technik ganz bequem vom heimischen Sessel aus erfahren. Ja, und jetzt ist sie da, die Chance: die Cebit denen zu überlassen, die wirklich hinmüssen.

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Jahrgang 1949, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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