16.03.2007 · Navigationsgeräte für weniger als 300 Euro waren im vergangenen Jahr noch die Ausnahme. Jetzt erwartet die Branche einen Preisrutsch auf weniger als 100 Euro. Längst machen Handys den etablierten Herstellern Konkurrenz.
Von Johannes Winkelhage, HannoverAuf dem Markt für mobile Navigationsgeräte wird der harte Wettbewerb in den kommenden Monaten abermals zu einem deutlichen Preisverfall führen. „Wir werden im zweiten Halbjahr Angebote für 99 Euro in den Läden sehen“, sagte Christian Bubenheim, Vice President Product Marketing beim Gerätehersteller Magellan, auf der Computermesse Cebit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Noch im Jahr 2006 kosteten die Geräte selten unter 299 Euro.
Der Preisverfall trägt auch dazu bei, dass der Absatz in Europa erheblich zulegt. Nach Berechnungen des britischen Marktforschungsunternehmens Canalys wurden im vergangenen Jahr fast 13 Millionen Navigationssysteme verkauft. Das entspricht fast einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr.
Für das Jahr 2007 geht die Branche von einem Absatzplus auf bis zu 20 Millionen Einheiten in Europa aus. Der Umsatz legte von knapp 3 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 4,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr zu. Allein in Deutschland gaben die Verbraucher nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung 2006 rund eine Milliarde Euro für die mobilen Navigationshilfen aus.
Die kleinen Helfer werden immer tüchtiger
Neben den sinkenden Preisen ist auch der gestiegene Funktionsumfang der Geräte ein Grund für das rasante Absatzplus: Die kleinen Helfer werden immer tüchtiger, die angebotenen Dienste immer komfortabler. Längst geht es nicht mehr nur um die einigermaßen kürzeste Route von A nach B. Die Navigationssysteme werden vielmehr zum Staupiloten, zum Warner vor Radarfallen und zum Reiseführer mit umfangreichen Informationen über die Umgebung, in der sich der Nutzer aufhält.
Die Branche spricht von Location Based Services oder lokalen Diensten, wenn sie diese auf den Standort des Nutzers bezogenen Informationen meint. Dabei verliert die statisch im Gerät gespeicherte Information zunehmend an Bedeutung, da sie schnell nicht mehr aktuell ist. Das gilt auch für die Straßenkarten. Rund 15 Prozent der Informationen allein über das deutsche Straßennetz veralten jedes Jahr, erklärte Menno Harms, der Vizepräsident des Branchenverbandes Bitkom in Hannover.
Daher setzt die Branche auf Systeme, die permanent aktualisiert werden, was entweder über integrierte Mobilfunkmodule oder andere Funktechnik erledigt werden soll. „Alle Systeme, die im Premiumbereich in den nächsten 18 Monaten auf den Markt kommen, müssen diese Möglichkeit zur Aktualisierung der Daten mitbringen, um weiter attraktiv zu sein“, sagte Christian Bubenheim.
Das Handy als Navigationsgerät
Die Notwendigkeit zur permanenten Aktualisierung der Datenbestände wird durch eine weitere Entwicklung noch deutlich verschärft. Die Handyhersteller - und dort allen voran Nokia - integrieren inzwischen die für die Navigation notwendigen Chips in ihre Geräte und machen die Handys damit zu Navigationssystemen, die permanent auf die Satellitendaten des Global Positioning System (GPS) zugreifen können. In Verbindung mit einer entweder aktuell aus dem Netz geladenen oder aber auf dem Handy installierten Karte wird das Gerät damit navigationsfähig.
Der Vorteil: Es können nahezu unbegrenzt aktuelle und standortbezogene Informationen aus dem Mobilfunknetz nachgeladen werden. Das regt die Phantasie der Branche an: So wird daran gearbeitet, dem Kunden - mit seiner Einwilligung - zum Beispiel individuelle Werbung von Geschäften oder Restaurants auf das Handy zu spielen, wenn er sich in der Nähe aufhält.
Zwei Dimensionen reichen nicht mehr
Nokia hat vor einigen Wochen einen eigenen Dienst mit dem Titel „Smart 2 Go“ gestartet, der den Nutzern die - sonst recht teuren - Karten kostenlos zur Verfügung stellt. Marktbeobachter sehen den Nokia-Vorstoß durchaus als Bedrohung für die etablierten Anbieter. Die Hersteller wie Tom Tom, Garmin oder Navigon versuchen inzwischen mit einer immer besseren Darstellung und neuen Anwendungsmöglichkeiten zu kontern. So warten die in Hannover vorgestellten ersten eigenen Geräte der Hamburger Navigon mit einer quasi-dreidimensionalen Darstellung der Umgebung auf und geben zum Beispiel bei Autobahnfahrten die richtige Fahrspur vor. Marktführer Tom Tom kündigte die ersten Geräte mit eingebautem Mobilfunk an, die ebenfalls schnell aktuelle Daten nachladen können.
Navigon geht allerdings noch einen Schritt weiter und will sich den Markt der Handynavigation nicht entgehen lassen. Das Unternehmen kündigte auf der Cebit an, seine eigene Navigationssoftware, die auf vielen Mobiltelefonen funktioniert, ab sofort kostenlos ins Internet zu stellen. Damit reagiert Navigon als erstes Unternehmen auf den Vorstoß von Nokia. „Wir lassen uns das nicht gefallen“, sagte Navigon-Sprecher Ingo Becker.
Inkompetenz der Witschaftwissenschaftler bewiesen
Senta Wollheim (Wollheim)
- 17.03.2007, 01:03 Uhr
Kosten sind kein Argument!! Aber Qualität1
Senta Wollheim (Wollheim)
- 17.03.2007, 01:14 Uhr