15.03.2007 · Die Mobilfunk-Sprachtarife sind schon im Keller, jetzt knöpfen sich die Netzbetreiber die Datentarife vor. Ein Megabyte Datenvolumen fürs Handy kostete früher bis zu 20 Euro, jetzt nur noch Cent-Beträge.
Von Johannes Winkelhage, HannoverIm gesättigten deutschen Mobilfunkmarkt setzt sich der Preiskampf fort. Die meisten Einwohner haben schon ein Handy, und so unterbieten sich die Netzbetreiber im Verdrängungswettbewerb um die Kunden seit Monaten mit ihren Preisen. Während sich die Sprachtarife schon auf einem niedrigen Niveau eingependelt haben, knöpfen sich die Netzbetreiber jetzt die Datentarife vor. So sinken die Preise für das Surfen mit dem Laptop oder für den Empfang von E-Mails auf dem Handy deutlich.
Die besondere Aufmerksamkeit, die sich inzwischen auf Datendienste richtet, hat einen guten Grund: Sie gelten derzeit als einer der wenigen Wachstumsfelder im Mobilfunk. So hat der Preisverfall für die Sprachminuten, der allein im vergangenen Jahr bei rund 12 Prozent gelegen hat, zwar dafür gesorgt, dass die Kunden öfter zum Handy greifen. Die Nutzung anderer Angebote kompensiert die Einbußen aus den sinkenden Minutenpreisen für Gespräche bei den Netzbetreibern aber noch nicht. Diese Tendenz wird sich auch 2007 fortsetzen: „12 bis 15 Prozent Preisverfall sind bei uns in diesem Jahr einkalkuliert“, sagte Rudi Gröger, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Netzbetreibers O2 in Hannover.
Das Megabyte kostet nur einen Cent
Um dem Kunden die bisher oft sündhaft teure Datennutzung im Mobilfunk schmackhaft zu machen, setzen die Anbieter inzwischen vor allem auf Pauschalpreise, mit denen eine nahezu unbegrenzte Nutzung abgegolten ist. Auch drängen verstärkt Angebote mit einem Zeit- oder Volumenkontingent auf den Markt. „Auf der Welt werden jeden Tag 30 bis 40 Milliarden E-Mails verschickt. Nur ein Prozent davon von mobilen Geräten“, sagte René Obermann, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, in Hannover. „Da gibt es noch Potential für den Mobilfunk.“
So kündigte T-Mobile in Hannover ein Pauschalangebot an, mit dem der Kunde für 50 Euro ein Datenvolumen von 5 Gigabyte übertragen kann. Dies entspricht einem Preis von 1 Cent je Megabyte - für das früher bis zu 20 Euro gezahlt werden mussten. Ein Verbrauch von 5 Gigabyte wird selbst bei DSL-Anschlüssen im Festnetz nur selten erreicht. Für 20 Euro kann der Kunde künftig 200 Megabyte im Monat mobil auf seinen Rechner laden, was für das gelegentliche Surfen im Internet durchaus reicht. Der mobile E-Mail-Abruf per Handy ist bei T-Mobile künftig für 3,95 Euro im Monat pauschal zu haben.
Wettbewerber gehen in die Offensive
Ob der Pauschalpreis von 50 Euro allerdings lange bestehen kann, ist fraglich. Denn der Preiskampf in diesem Markt ist schon programmiert. So kündigte O2 in Hannover an, die 5 Gigabyte für den mobilen Datenverkehr im Inland schon für 25 Euro und damit zur Hälfte des von der Telekom verlangten Preises anzubieten; genauso, wie für das 200-Megabyte-Paket nur halb soviel berechnet wird.
Auch der Wettbewerber Vodafone bietet einen Tarif für 50 Euro an und geht jetzt bei den Preisen für die Datennutzung im Ausland in die Offensive. Wie Fritz Joussen, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Vodafone Deutschland, ankündigte, werden die Kosten für die Datennutzung in den Vodafone-Netzen in Europa um bis zu 50 Prozent gesenkt. So bietet der Konzern künftig für einen Pauschalpreis von 14,95 Euro für 24 Stunden die unbegrenzte mobile Datennutzung an. Bisher lagen diese Preise bei knapp 29 Euro.
Allein beim Preis machen die Mobilfunkanbieter allerdings nicht halt. Auch mit neuen Geschwindigkeiten sollen die Kunden in die Mobilfunknetze gelockt werden. Während die Daten dort früher nur im Schneckentempo übertragen wurden, bieten die neuen UMTS-Netze jetzt Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 7,2 Megabit in der Sekunde und sind damit schneller als die meisten DSL-Anschlüsse. Diese auch HSDPA genannte Technik ist in den Netzen von Vodafone und T-Mobile inzwischen verfügbar und steht vor allem in den Großstädten und Ballungszentren zur Verfügung. O2 wartet noch ab, ob auf HSDPA aufgerüstet werden soll.