Home
http://www.faz.net/-ga9-u964
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Cebit 2007 Der Datenspeicher lebt im Keller

19.03.2007 ·  Es funkt, und zwar heftig. Wer auf der Cebit das Notebook zückt, findet vor lauter drahtlosen Netzen seinen Nebenmann nicht. Heimnetzwerk, Datenhaushalt, Familien-Server, Anwendungen und Betriebssysteme: Das waren die Themen der Cebit.

Von Raymond Wiseman
Artikel Bilder (6) Video (1) Lesermeinungen (0)

Es funkt, und zwar heftig. Wer auf der Cebit den Notebook zückt, findet vor lauter drahtlosen Netzen seinen Nebenmann nicht. Der nachbarliche Datentransfer klappt besser mit Kabel oder USB-Speicher. Davon abgesehen, hat sich Wireless-Lan als Netzwerk-Standard etabliert. Geräte mit dem kommenden Protokoll 802.11n bringen höhere Reichweite und eine vielfach schnellere Datenübertragung. Noch ist der Standard nicht verabschiedet, sondern im Entwurfsstadium. Daher heißen die Geräte "N-Draft" und sollen später durch Firmware-Updates aktualisiert werden.

Auch AVM bringt die Fritzbox 7270 als N-Draft-Router auf den Markt, ausgestattet mit ADSL2+- und VDSL-Modem. Wie bei den Produkten des Berliner Herstellers üblich, sorgt eine eingebaute Telefonanlage dafür, dass Gespräche übers Internet, aber auch über ISDN- oder Analoganschlüsse geführt werden können. Dass sie zugleich eine Dect-Basisstation für bis zu 6 Mobilteile darstellt, macht sie in Sachen Telefonie flexibel. Außerdem "streamt" die integrierte Fritz-Musikbox Songs vom USB-Speicher oder MP3-Player ins gesamte Netzwerk.

Und diese Funktion nutzt das zugehörige Fritz-Mini: Das W-Lan-Mobiltelefon steht mit Ohrhörern auch als Audioplayer zur Verfügung, beherrscht überdies den Empfang von Internetradio und den Abruf von Internetdiensten wie RSS und Podcasts. Ans Audio-Equipment lässt sich das Allround-Telefon über die gleichen Systemstecker anschließen, die beim iPod-Zubehör Verwendung finden, und es dient dann als Empfänger sowie als Fernbedienung bei der Titelwahl.

Wachsende Flut der Daten

Daten und Musik im Heimnetzwerk lassen sich auch über die Stromleitung verteilen. Der Vorteil: Die Kabel liegen schon im ganzen Haus. Devolo, Spezialist für die sogenannte Homeplug-Technik, präsentiert mit dem Audio Extender einen Steckdosenadapter mit Klinken- und Cinchbuchsen, mit dem sich Audio-Daten vom PC zu Audiogeräten übertragen lassen.

Die wachsende Flut der Daten macht die zentrale Speicherung auch daheim zum Thema: Dokumente, Musik, Fotos und Videos sollen möglichst jederzeit von jedem beliebigen Gerät zum Zugriff bereitstehen. Da liegt es nahe, den Datenhaushalt vom Einzel-PC zu trennen. Die einfachste Lösung besteht darin, eine separate Festplatte mit dem Netzwerk zu verbinden.

Angebote solcher Ethernet-Platten finden sich bei Herstellern von Festplatten ebenso wie Produzenten von Netzwerk-Equipment. Im Homeplug-Portfolio will Devolo unter dem Namen D-Lan NAS Ende des Jahres eine besonders einfache Lösung anbieten: eine netzwerkfähige Festplatte, die einfach nur mit der nächsten Steckdose verbunden werden muss. Dann steht der gespeicherte Datenbestand direkt übers Stromnetz-Netzwerk zur Verfügung.

Netzwerkspeicher sorgen für erhöhte Datensicherheit

Die Trennung von Daten und ausführendem PC bietet im Home Entertainment große Vorteile: Der Datenspeicher ist für alle Netzwerkgeräte verfügbar und kann dort stehen, wo er nicht stört, beispielsweise im Keller. Je nach Ausstattung sorgen Netzwerkspeicher auch noch für erhöhte Datensicherheit und automatische Backups. Solche Ausstattungsmerkmale zeichnen beispielsweise das NSA-220 von Zyxel aus, das als Raid-System die Daten auch redundant auf zwei Sata-Festplatten speichern kann.

Für die Verbindung ins Netzwerk sorgt eine Gigabit-Ethernet-Schnittstelle. Externe Datenträger und Medienspeicher lassen sich zudem über zwei USB-Schnittstellen anschließen. Neben der Datendistribution beherrscht der integrierte Media Server des NSA-220 auch das Streaming von Audio- und Video-Dateien, die sich dann von verschiedenen Endgeräten im Netzwerk wiedergeben lassen.

Die Innovation erschöpft sich in Optik und Haptik

Dem Thema Home Server widmet Microsoft gar ein neues Betriebssystem, das nicht als Software-Paket, sondern nur vorinstalliert auf speziellen PCs vertrieben werden soll. Die vorkonfigurierten Rechner haben weder Tastatur- noch Bildschirmbuchsen, lediglich Netzwerkschnittstelle und USB-Ports. Verwaltet wird der Home Server - passwortgeschützt - von den verbundenen Windows-PCs und auf Wunsch auch über das Internet. Seine Aufgabe konzentriert sich auf die familiäre Datenhaltung und das sichernde Backup.

Bei der Hardware ist die Vista-Sideshow die augenfälligste Neuerung. Der kleine Bildschirm für Minianwendungen ist beispielsweise bei Asus zu sehen, der mit dem Notebook "W5Fe Vista" ein erstes Sideshow-Gerät präsentiert: Außen auf Deckel zeigt ein Display Mails, Termine und andere Informationen. Doch Vista zeichnet omnipotent auch Produkte, bei denen wir es kaum erwartet hätten: Beispielsweise Tastaturen. Die Vista-Taste ersetzt im geänderten Design und mit genormter Mulde die alte Windows-Taste.

Die Innovation erschöpft sich in Optik und Haptik; unverändert bleibt die Funktion der Taste. Dennoch sollen alle Tastaturhersteller bis Juli 2007 Windows- gegen Vista-Tasten tauschen, um die Windows-Zulassung zu erhalten. So ziert der neue Knopf auch Cherrys Vario-Key. Eine echte Bereicherung der Cherry-Tastatur ist jedoch, dass sie zusätzlich zu Vista-, Funktions- und Multimedia-Tasten über zehn weitere Tasten verfügt, die sich individuell belegen und entsprechend beschriften lassen, abriebfest dank aufklappbaren Tastenkappen. So aktiviert ein Fingertipp Textbausteine, Makros oder Tastenkombinationen, übrigens auch unter Linux.

Auf einem Rechner gleich mehrere Betriebssysteme

In der Linux-Ecke gibt es nach wie vor standhaften Mitbewerb bei den Betriebssystemen. Red Hat liefert mit seinem Enterprise Linux 5 Desktop unter anderem AIGLX aus, das ebenso wie Vista mit transparenten optischen Effekten arbeitet. Attraktiv ist Linux auch unter dem Aspekt Sicherheit und legt nach Aussage von Red Hat mit der neuesten Version noch einmal nach. Zudem verfügt die Desktop-Version über eine integrierte Virtualisierung. Hierbei können auf einem Computer gleichzeitig mehrere Betriebssysteme parallel laufen.

Das bringt mehr Flexibilität bei der Auslastung und zudem die Möglichkeit, geschützte Umgebungen für Test und Anwendungen zu schaffen. Vmware - Spezialist für Virtualisierung - präsentiert unter anderem die Version 6 der Vmware Workstation, die inzwischen auch in virtuellen Umgebungen schnelle USB-2-Geräte unterstützt. Außerdem kann sie nun auf Windows Vista installiert werden.

In der virtuellen Maschine, die Vmware schafft, lassen sich andere Betriebssysteme installieren. Das macht auch Anwendungen lauffähig, die vom installierten Betriebssystem des PC nicht (mehr) unterstützt werden. Und in solch guter Nachbarschaft lassen sich dann gar alte Programme von Windows 98 starten.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen