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Auto-Machtkampf VW will Porsche angeblich komplett schlucken

18.07.2009 ·  Im Kampf zwischen Porsche und VW bleibt die Lage undurchsichtig: Nach einem Medienbericht will der VW-Konzern Porsche komplett schlucken. Demnach soll Porsche in zwei Schritten an VW verkauft werden.

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Im Kampf zwischen Porsche und VW verschieben sich die Machtverhältnisse offenbar immer deutlicher in Richtung VW: Wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ berichtet, will der Volkswagen-Konzern Porsche nun komplett übernehmen. Demnach soll Porsche in zwei Schritten an VW verkauft werden. Die Wolfsburger übernehmen zuerst 49,9 Prozent und zu einem späteren Zeitpunkt die übrigen Anteile, heißt es in dem Bericht. Die Porsche Automobil Holding dürfte dafür rund acht Milliarden Euro bekommen und könnte ihre Schulden weitgehend tilgen.

Möglicherweise übernehme VW auch das Autohandelshaus der Porsche- Eigentümerfamilien Porsche und Piëch in Salzburg. Die Porsche Holding Salzburg ist Europas größter Händler von VW-Konzernmarken und Porsche-Modellen. Im Gegenzug halten die Familien laut „Spiegel“ dann mehr als 50 Prozent an einem vereinten VW-Porsche-Konzern. Niedersachsen solle weiterhin mit 20 Prozent beteiligt sein, das Emirat Katar künftig mit einem Paket zwischen 14,9 und 19,9 Prozent. Zuletzt hatte es geheißen, dass Volkswagen knapp die Hälfte an Porsche übernimmt und der Sportwagenbauer als zehnte Marke in den Konzern integriert werde.

Michael Macht als Wiedeking-Nachfolger?

Auch um die Person von Porsche-Chef Wolfgang Wiedeking halten die Spekulationen an: Schon jetzt werden Namen für mögliche Nachfolger bei Porsche genannt - obwohl Wiedeking am Donnerstagabend beim 100-Jahr-Jubiläum von Audi noch freundlich lächelnd verkündete, sein Vertrag laufe bis 2012, und er fühle sich pudelwohl als Vorstandsvorsitzender von Porsche. „Michael Macht, bisher Produktionsvorstand, soll künftig die Porsche AG führen“, meldete der „Spiegel“ auf seiner Internetseite - und das Dementi, das man im Falle einer Falschmeldung sofort hätte erwarten können, ließ drei Stunden auf sich warten. „Ich weise diese Spekulationen entschieden zurück“, zitierte ein Porsche-Sprecher Wolfgang Porsche, den Vorsitzenden des Aufsichtsrats und Sprecher der Familie, am Freitagabend. Die Meldung sei falsch. Weitergehende Aussagen zur Zukunft Wiedekings wurden nicht getroffen.

Der 48 Jahre alte Michael Macht, den die Eigentümerfamilien als Nachfolger für Wiedeking auserkoren hätten, gelte als hochqualifizierter Fertigungsexperte, der als Porsche-Produktionsvorstand jährlich große Effizienzsteigerungen erreicht habe, berichtet der „Spiegel“ nachmittags schon, als gäbe es keinen Zweifel an der Personalie. Wer Wiedeking im Amt als Vorstandschef der bisher noch wichtigeren Porsche Holding SE ablöse, sei noch offen, heißt es weiter. Eine Quelle für die Nachricht wird nicht genannt. Die Information wird aber auch keineswegs als Gerücht oder Spekulation gekennzeichnet.

„Jetzt wird die nächste Raketenstufe gezündet“

Bei Porsche ist man auf solche Nachrichten offenbar nicht vorbereitet: „Ich kann das nicht dementieren, weil ich nicht der Sprecher derjenigen bin, die diese Information verbreiten“, sagt ein Porsche-Sprecher und verweist damit auf den Ursprung der Nachricht - tendenziell im Umfeld von VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigner Ferdinand Piech. „Sie kennen doch den Masterplan der anderen Seite“, fügt der Sprecher noch hinzu: „Jetzt wird die nächste Raketenstufe gezündet.“

Zumindest formal muss Wiedeking am Freitagabend noch im Amt gewesen sein. Für seine Abberufung wäre eine Sitzung des Präsidialausschusses des Porsche-Aufsichtsrats notwendig, und eine solche gibt es bis zu dem Zeitpunkt nicht. Kursrelevant wäre eine solche Mitteilung allemal. Eine Ad-hoc-Mitteilung, wie sie dann gesetzlich vorgeschrieben wäre, lag aber auch bei Börsenschluss am Freitag noch nicht vor.

Noch bevor aus dem Eigentümerkreis ein Dementi kam, meldete sich Uwe Hück am frühen Freitagabend in seiner Funktion als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche AG zu Wort. Er weise auch im Namen der anderen Arbeitnehmervertreter der AG „die gezielten Falschmeldungen aufs Schärfste zurück“. Der Betriebsratschef äußerte seinen Unmut darüber, dass seit Wochen versucht werde, „einen Menschen zu zerstören“. Dass Wiedeking von sich aus zurücktritt, hält der Porsche-Sprecher für unwahrscheinlich: „Ich glaube nicht, dass er zurücktritt. Wendelin Wiedeking lässt seine Leute nicht alleine.“ Tatsächlich wäre die Frage Rücktritt oder Ablösung wohl auch eine Frage der Abfindung. Da Wiedekings Vertrag noch bis 2012 läuft und er zuletzt fast 80 Millionen Euro Jahressalär hatte, dürfte die Abfindung im Falle seiner unfreiwilligen Ablösung einen dreistelligen Millionenbetrag ausmachen. Dem Vernehmen nach wird Wiedeking schon seit längerem von dem Arbeitsrechtler Jobst-Hubertus Bauer beraten. Der Stuttgarter Jurist habe schon für mehrere Spitzenmanager millionenschwere Abfindungen herausgehandelt, schreibt die Deutsche Presseagentur.

Focus: VW will Wiedeking aus Aufsichtsratspräsidium drängen

Michael Macht, der seit 1990 bei Porsche arbeitet und seit 1998 im Vorstand ist, soll nach „Spiegel“-Angaben lediglich die Porsche AG führen, also das Sportwagengeschäft verantworten. Über die mögliche Nachfolge Wiedekings an der Spitze der Porsche Holding SE kursieren gerüchteweise verschiedene Namen, vom ehemaligen ENBW-Chef und einstigen Seat-Manager Utz Claassen über Audi-Chef Rupert Stadler bis hin zu Peter Schwarzenbauer, der früher das Nordamerika-Geschäft von Porsche leitete und jetzt den Vertrieb von Audi verantwortet.

Auch über Wiedekings Position im Präsidium des VW-Aufsichtsrats gibt es weiter heftige Spekulationen. Wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ am Samstag meldete, will der Aufsichtsrat Wiedeking aus dem Gremium drängen. Demnach steht die Mehrheit gegen Wiedeking in dem sechsköpfigen Gremium bereits fest. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), VW-Betriebsratsboss Bernd Osterloh, sein Stellvertreter Bernd Wehlauer sowie Ex-IG-Metall-Chef Jürgen Peters wollen demnach für Wiedekings Entlassung stimmen. „Focus“ zitiert einen VW-Aufsichtsrat mit den Worten: „Wiedeking kann sich jetzt überlegen, ob er freiwillig geht oder ob wir ihn unsanft entfernen.“

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