27.02.2009 · Die nordischen Ski-Weltmeisterschaften 2009 gehen in ihr finales Wochenende, und nicht viele sind traurig, dass sie bald Geschichte sein werden. Es waren eine Aneinanderreihung von Weltcups ohne Flair, ohne besonderen Reiz.
Von Christiane MoravetzDas Wintermärchen hat Schmutz angesetzt, die weiße Pracht, die tagelang Liberec und die Umgebung einhüllte, ist im Regen zusammengesackt, braun-graue Haufen säumen den Straßenrand. Die drei Schneemänner, die Tag für Tag am Verkehrskreisel ein paar Fahrzeugen die Richtung zum WM-Hauptquartier wiesen, sind nur noch von trauriger Gestalt.
Die nordischen Ski-Weltmeisterschaften 2009 gehen in ihr finales Wochenende, und nicht viele sind traurig, dass sie bald Geschichte sein werden. Schon seit Tagen herrscht Schlussverkauf in Liberec. Die Eintrittskarten mit Preisen bis 110 Euro gibt es mittlerweile im Sonderangebot: Beim Kauf eines Tickets bekommt man das zweite für eine Krone dazu. Wer zwei Fanartikel ersteht, erhält den dritten gratis. Die Hotels, die ihre Zimmer zum Dreifachen des normalen Preises nicht loswurden, sind zu alten Tarifen zurückgekehrt.
„Man denkt halt an Oberstdorf“
Im Kopf sind Bilder aus der Vergangenheit, von Volksfesten in nordischen Wäldern, von einem Allgäuer Ort voller WM-Begeisterter und italienischer Fröhlichkeit. In Liberec hängen Plakate: „Die Stadt der Champions“ – doch so richtig hat niemand Kenntnis davon genommen. Gäbe es nicht jene große Gruppe von Norwegern, die alle zwei Jahre mit Fahnen, Lärminstrumenten und vor allem einer riesigen Portion guter Laune an WM-Schauplätzen auftauchen, müsste sich der Stadionsprecher beim Langlauf in Vesec vergeblich mühen, den Funken zu zünden.
Machten sich nicht ein paar Österreicher und Deutsche an den Sprungschanzen von Jested lautstark bemerkbar, käme ein bisschen Stimmung höchstens auf, wenn Tschechen in die Anlaufspur gehen. Das Feuerwerk, das Abend für Abend die Siegerehrung auf der „Medal Plaza“ vor dem altehrwürdigen Rathaus beschließt, löste wie zum Hohn die Alarmanlage einer benachbarten Bank aus.
Eine Aneinanderreihung von Weltcups
Die Wege sind weit in Liberec von einer Sportstätte zur nächsten. Der Zeitplan tut ein Übriges, dass sich Zuschauer entscheiden müssen: entweder Langlauf oder Skispringen. So ist aus den Weltmeisterschaften eine Aneinanderreihung von Weltcups des Internationalen Skiverbandes geworden, ohne Flair, ohne den besonderen Reiz eines alle zwei Jahre stattfindenden Großereignisses. Das Wetter tat ein Übriges. Gesenkte Köpfe – um den nassen Schnee nicht ständig ins Gesicht zu bekommen – signalisieren keinen Optimismus. Nur ein einziges Mal in den anderthalb WM-Wochen bisher ließ sich für einige Minuten die Sonne sehen.
Die Organisatoren haben sich an den Titelkämpfen in Deutschland 2005 orientiert, haben Streckenanlagen und andere Einrichtungen kopiert. Die Stimmung konnten sie nicht aus dem Allgäu übernehmen. Und so mag der Satz von Björn Kircheisen nach dem Team-Silber in der Nordischen Kombination auch für viele andere gelten: „Man denkt halt an Oberstdorf“, sagte er. Liberec möchte dagegen mancher einfach schnell vergessen.