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Nordische Ski-WM Schmitt reicht ein Sprung für Silber

27.02.2009 ·  Martin Schmitt hat die erste WM-Einzelmedaille für die deutschen Skispringer seit 2001 erkämpft. In Liberec gewann Schmitt Silber von der Großschanze. Aufgrund des Abbruchs des Springens reichte sein 133-Meter-Sprung im ersten Durchgang zum zweiten Platz hinter dem Schweizer Überraschungssieger Andreas Küttel.

Von Christiane Moravetz, Liberec
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Der Regen tropfte ihm vom lila Helm auf die Nasenspitze, bei jeder Bewegung rannen kleine Bäche über das Gesicht auf den hellblauen Springeranzug. Seine Füße standen in Pfützen aus altem Schnee. Aber Martin Schmitt schien das nicht zu spüren. Mochte die Kulisse noch so unfreundlich sein, so gar nichts Feierliches haben: ihm muss sie vorgekommen sein wie ein Märchenschloss.

Ein wenig war es wie ein Märchen, als am Freitagabend das Skispringen von der Großschanze bei den nordischen Weltmeisterschaften in Liberec (Reichenberg) abrupt zu Ende ging und Martin Schmitt die Silbermedaille gewonnen hatte. Sie saßen alle noch oben im Schanzenturm, in dem Raum, aus dem sie sich aufmachen zu den großen Sprüngen, als auf dem Bildschirm die Nachricht erschien, ganz unspektakulär. „Es war einfach eingeblendet, dass nur der erste Durchgang zählt“, sagte Schmitt. Nach einer kurzen Geste des Jubels umarmte er den Weltmeister, Andreas Küttel aus der Schweiz, gratulierte dem Norweger Anders Jacobsen zu Bronze.

Immer wieder Unterbrechungen

Sie hatten dort oben lange gewartet. Heftiger Schneefall hatte eingesetzt, der die Springer in der Anlaufspur hemmte. Immer wieder war der zweite Durchgang unterbrochen, schließlich abgebrochen und neu gestartet worden. Nach 16 Springern entschied die Jury dann endgültig, den neuen Weltmeister, die Medaillengewinner mit nur einem Sprung zu küren. Küttel hatte im ersten Durchgang, bei durchaus fairen und gleichen Bedingungen für die Besten, mit 133,5 Metern den weitesten Sprung gemacht, Schmitt war nur einen halben Meter kürzer gesprungen, wieder einen halben Meter weniger hatte Jacobsen erreicht. „Da kommen sie schon manchmal, die Gedanken über einen Abbruch“, sagte Schmitt. „Aber ich habe versucht, sie abzublocken. Nein, habe ich mir gesagt, konzentriere dich auf das Wesentliche.“

Er hat eine Weile gebraucht, „bis ich es realisiert habe, dass es wirklich vorbei ist, dass ich die Ski heute nicht mehr anschnallen werde“ - dass er endlich wieder da steht, wo er immer hinwollte. Er hatte gewusst, dass er es wieder würde schaffen können. „Es war schon eine lange Zeit.“ Als Martin Schmitt das scheinbar lapidar dahinsagte nach dem Erfolg, müssen in ihm Bilder aufgestiegen sein von höchsten Höhen und tiefsten Tiefen seines Sportlerlebens. Weltmeister war er vor zehn Jahren, noch einmal 2001, ebenfalls auf der Großschanze, und gewann Silber dazu auf der kleinen Anlage.

Medaillenlose Österreicher hadern mit der Entscheidung

Doch dann folgten Jahre der Misserfolge, des Zweifels, der Kritik. Immer wieder einmal blitzte die Klasse des Martin Schmitt auf, doch aus dem Tal konnte er sich nicht befreien. Als in diesem Frühjahr der Österreicher Werner Schuster die deutschen Skispringer als Bundestrainer übernahm, schien das auch für Schmitt wie ein Signal zum Aufbruch, zu einem Neuanfang. Schon mit seinem Heimtrainer Stefan Horngacher hatte er sich im Jahr zuvor auf dem richtigen Weg gefühlt, er wusste, dass er noch nicht alles erreicht hatte. „Nein“, sagte er jetzt in Liberec, „ein Happy End ist das nicht - denn dann wäre der Film ja zu Ende“.

Er will weiter springen, jetzt erst recht. Denn: „Ich beschreibe meine Gefühle normalerweise nicht in Superlativen, aber Triumph kann man das schon nennen.“ Es war ein langer Tag, sagte Schmitt, angesprochen auf die Feier, die so heftig nicht ausfallen dürfe, da an diesem Samstag das Teamspringen ansteht, „aber ich kann den Abend trotzdem genießen“. Er fühlt auch nicht etwa einen Makel, mit nur einem Sprung die Medaille gewonnen zu haben. Zumal es nicht das erste Mal war: Jens Weißflog erreichte 1989 den Titel auch in einem Durchgang. „Wir verdienen es, es war nicht nur Glück“, sagte Andreas Küttel.

Vor allem die Österreicher haderten aber mit der Entscheidung der Jury. Gregor Schlierenzauer, ihr Überflieger, habe im ersten Durchgang eine Windböe erwischt, und man wisse ja, dass man mit einem zweiten Sprung manches Missgeschick ausgleichen könne, sagten sie. Schlierenzauer wurde Vierter, Wolfgang Loitzl, der Weltmeister auf der Normalschanze, kam auf Platz sechs. Einer sah das ganz anders: Michael Neumayer, 28. nach einem Sprung, fühlte an diesem Abend ganz selbstlos. „Die sollen abbrechen“, sagte er schon lange bevor die Jury entschied. „Das ist zwar schlecht für mich, aber für uns alle doch gut.“ Als es dann wirklich so weit war und die drei Besten am Fuße der Schanze ihre Blumen überreicht bekamen, stand Neumayer ein paar Meter entfernt und fotografierte den Mannschaftskameraden. „Ja“, sagte er, „es ist richtig gut so“.

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