19.02.2009 · Bei der ersten WM-Entscheidung in Liberec hatten die deutschen Langläuferinnen keine Chance: Katrin Zeller wurde 18., Steffi Böhler 32. Hinter den Kulissen schwelt der Streit zwischen Bundestrainer Behle und dem „Frauenbeauftragten“ Hämäläinen.
Weltmeisterin Aino Kaisa Saarinen vergoss im Ziel Tränen, und auch den deutschen Damen war zum Heulen zumute. Während die Finnin vor Freude über ihren ersten großen Einzel-Titel selten zu sehende Emotionen zeigte, wirkten Katrin Zeller (Oberstdorf) und Stefanie Böhler (Ibach) nach dem 10-Kilometer-Klassikrennen bei den nordischen Skiweltmeisterschaften in Liberec ebenso ratlos wie Damen-Trainer Ismo Hämäläinen.
Die Plätze 18 und 32 und vor allem Mega-Rückstände machten am Donnerstag einen völlig misslungenen WM-Auftakt der Langläuferinnen perfekt. „Ich brauche nicht herumzureden: Ich hatte mir mehr erwartet“, sagte Böhler, die sich in dieser Saison zur deutschen Läuferin Nummer eins entwickelt hatte. Eine Krankheit vor drei Wochen hatte die Schwarzwälderin zu einer Zwangspause verurteilt. In der Kürze der Zeit konnte sie den Trainingsausfall nicht kompensieren.
Hämäläinen hatte beide unter den besten Zehn erwartet
„Den Körper kann man nicht überlisten. Es wäre ein Wunder gewesen, wenn ich gleich topfit hier aufgelaufen wäre. Mit Gewalt ist eben nichts zu machen“, betonte Böhler, die vor allem über ihren Rückstand erschrocken war. 2:41 Minuten waren des Guten zu viel. „Das war brutal viel Rückstand. Die Zeit hat nach der Krankheit einfach nicht gereicht“, versuchte Hämäläinen den Einbruch zu erklären.
Er selbst, noch am Tag zuvor von Bundestrainer Jochen Behle wegen seines Saisonaufbaus und die Form der Damen kritisiert, hatte höhere Ziele. „Ich hatte beide unter den besten Zehn erwartet. Es war nicht unser Tag. Auch Katrin hat mit 1:41 Minuten mindestens 40 Sekunden zu viel Rückstand“, meinte der Coach.
Pfüller erteilt einen Maulkorb für Behle
Unterdessen hat Sportdirektor Thomas Pfüller ein Machtwort gesprochen und Behle einen Maulkorb im Langlauf-Trainerstreit verpasst. „Ich möchte nicht, dass bei der WM über Personaldinge gesprochen wird. Das habe ich Jochen Behle auch klar gesagt“, sagte Pfüller. Behle hatte Hämäläinen als zu weich kritisiert. (Siehe: Nordische Ski-WM: Mit „gerader Zunge“ vor den Athleten).
Hämäläinen war nach der WM 2007 in Sapporo als Frauen-Cheftrainer installiert worden, weil das Team Probleme mit Behle hatte. Sachenbacher-Stehle (Reit im Winkl) schwärmt von Hämäläinen: „Ismo ist einer, der die Frauen versteht. Es macht einfach Spaß, mit ihm zu trainieren. Wir haben super trainiert und sind eine tolle Gruppe. Wir müssen es nur noch zeigen.“
Hämäläinen wehrt sich gegen Behle
Behle glaubt allerdings nicht an Hämäläinen und will offenbar dessen Ablösung forcieren: „Der Trainer muss die Athleten leiten und mal eingreifen, wenn die Leistungen nicht stimmen. Ich habe selbst in diesem Winter schon dazwischengehauen, man kann ja nicht immer alles laufen lassen.“
Hämäläinen sagte dazu: „Jede Sportlerin motiviert sich doch selbst am besten. Ich als Trainer kann sie dabei nur unterstützen. Vielleicht sind die Grenzen meiner Gutmütigkeit weiter ausgelegt als die anderer Trainer“, sagte der Finne, der die Nichtnominierung von Claudia Nystad (Oberwiesenthal) und Evi Sachenbacher-Stehle verteidigte. „Beide sollen sich voll auf die Doppelverfolgung am Samstag konzentrieren. Zudem haben die Ergebnisse im klassischen Bereich bei Claudia Nystad in diesem Winter nicht gestimmt. Da brauchte ich sie hier auch nicht einzusetzen“, sagte Hämäläinen.
„Jetzt heißt es: abhaken und nach vorn schauen“
Sowohl Böhler als auch Zeller wollen den WM-Auftakt schnell vergessen. „Jetzt heißt es: abhaken und nach vorn schauen“, meinte Zeller, und Böhler kündigte an: „Wir müssen jetzt locker bleiben und beim nächsten Rennen wieder richtig Gas geben. Man kann ja nicht immer so herumschleichen.“
Derweil jubelte Saarinen. Die Weltcup-Spitzenreiterin war von Beginn an vorn und lief gleichmäßig durch. Damit verwies sie die Italienerin Marianna Longa und die Polin Justyna Kowalczyk auf die weiteren Medaillenplätze. Erste Gratulantin war ihre am Ende viertplatzierte Teamkollegin Virpi Kuitunen, die sie bei der Tour de Ski noch schlagen konnte.