Sie spielten ein Spielchen, der Norweger Petter Northug und der Deusche Axel Teichmann: „Willst du oder willst du nicht?“ Nur ein paar hundert Meter noch waren es bis zum Ziel, und die beiden Langläufer waren die Schlussläufer ihrer Mannschaften im Staffelwettbewerb über viermal zehn Kilometer bei den nordischen Skiweltmeisterschaften in Liberec.
Teichmann war mit 14,5 Sekunden Vorsprung auf seine drei Runden gegangen, schnell hatte Northug - in Liberec schon Weltmeister in der Verfolgung - die Lücke geschlossen. „Man weiß ja, dass er nicht vorne läuft“, sagte Bundestrainer Jochen Behle. Als der erst 23 Jahre alte Norweger dann doch führte, ahnten die Deutschen, dass sie dieses Rennen noch verlieren würden.
Dreißig Sekunden Vorsprung hätte Teichmann gebraucht
„Im Moment“, sagte Axel Teichmann danach, „ist die Enttäuschung über Silber größer als die Freude“. Er setzte darauf, dass irgendwann seine Empfindungen sich denen der Mannschaftskollegen und Trainer angleichen würden. „Der Mann ist eine Welt für sich, gegen den ist kein Kraut gewachsen“, sagte Cuno Schreyl, in Oberhof Stützpunkttrainer Teichmanns, über Northug.
Dreißig Sekunden Vorsprung hätte Teichmann gebraucht, so Behle, um dieses „Tier“, wie sie ihn nennen, bezwingen zu können. Teichmann versuchte zwar immer wieder, die ihm zugerufenen Tipps der Trainer zu befolgen und kürzere Schritte zu laufen, doch die gute Absicht versank im „Mus“ (so Teichmann), im aufgeweichten, schweren Schnee.
„Normales Rennen laufen ist leichter gesagt als getan“
So blieb für die deutschen Langläufer wie schon 2003 und 2005 das WM-Silber, diesmal vor Finnland. Sie erliefen es an diesem Freitag auf „sensationell guten Ski“, wie sie sagten. Jens Filbrich sprach sogar davon, es seien die besten seiner Karriere gewesen. Er hatte als Startläufer an erster Stelle an Tobias Angerer übergeben.
Der Bayer tat sich mit dem Finnen Sami Jauhojärvi zusammen, „und dann haben wir Helmeset gebrochen“, sagte er. Sie vergrößerten gemeinsam den Vorsprung auf den zweiten Norweger auf knapp 24 Sekunden. „Wir haben uns gut ergänzt, das hat geholfen“, sagte Angerer, während er auf der Videowand beobachtete, wie Franz Göhring ähnlich lief - im Doppelpack mit dem Finnen Teemu Kattilakoski.
„Deshalb schimmert das Silber auch ein bisschen golden“
Doch dieser 24 Jahre alte Franz Göhring, der Jüngste im Quartett, lief ein Rennen, das die mehr als 30.000 Zuschauer begeisterte und den Stadionsprecher sogar dazu veranlasste, allen Göhrings Adresse in Zella-Mehlis mit Straße und Hausnummer mitzuteilen. Es sei sicher eines seiner besten gewesen, sagte Göhring. „Sie haben mir gesagt, ich soll ein ganz normales Rennen laufen. Aber das ist leichter gesagt als getan.“ Auf der ersten Runde „geht es so leicht, da wird man von einer Euphorie getragen, und wenn man weiß, was die beiden Jungs vor dir machen, dann geht es noch leichter“, sagte er.
Wenn dann diese Minuten folgen, in denen man nicht mehr eingreifen, in denen man nur auf die Videowand sehen kann, läuft alles noch einmal vor dem inneren Auge ab. Doch immer gelten die Gedanken in einer Staffel auch drei anderen. „Ich bin so stolz auf meine Teamkollegen - und natürlich auch auf mich“, sagte Göhring. Und irgendwann möchte man den anderen dann nur noch anschieben. Angerer versuchte es mit mentaler Hilfe: „Der Axel ist stark genug“, sagte er, „das werden wir heute packen“. Teichmann war tatsächlich stark, doch Northug eben noch ein bisschen stärker. „Und deshalb schimmert das Silber auch ein bisschen golden für mich“, sagte Tobias Angerer.
