26.02.2009 · Laut offizieller Zeitmessung betrug der Unterschied zwischen Japan und Deutschland nach viermal fünf Kilometern in der Nordischen Kombination 0,0 Sekunden. Das Zielfoto entschied: Gold für Japan, Silber für das deutsche Team bei der WM in Liberec.
Von Christiane Moravetz, LiberecNorihito Kobayashi, versteckte sein Gesicht in den Händen. Nein, auch ein Japaner muss sich nicht dafür entschuldigen, dass er den Favoriten die Goldmedaille wegschnappt. Kobayashi schämte sich nur ein wenig für die Fehler in seinem Englisch. „Dass wir gewonnen haben, darüber sind wir sehr glücklich“, sagte er, „und auch ein bisschen überrascht“. 0,0 Sekunden betrug laut offizieller Zeitmessung der Unterschied zwischen Japan und Deutschland nach viermal fünf Kilometern in der Nordischen Kombination.
Das Zielfoto zeigte jedoch Kobayashis Schuhspitze eine Winzigkeit vor der des Tino Edelmann auf der entscheidenden Linie. Nach 1993 und 1995 gewannen die Japaner nun bei den nordischen Skiweltmeisterschaften in Liberec (Reichenberg) in Tschechien ihren dritten Mannschaftstitel. Wieder einmal Silber also für die deutschen Kombinierer: es ist das sechste jeweils für die beiden „Alten“ im Team, für Ronny Ackermann und Björn Kircheisen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Sie hatten mit ihren guten Sprungleistungen am Vormittag die Basis gelegt.
„Japan und Deutschland waren heute besser“
Nachdem Ackermann an erster Stelle des Quartetts ein wenig zurückgefallen war, und Eric Frenzel auf den Ski von Staffel-Silbermedaillengewinnerin Miriam Gössner wieder aufgeschlossen hatte, brachte Kircheisen als dritter Läufer die Mannschaft an die Spitze, mit einem Vorsprung von 12,1 Sekunden. Norwegen hatten die Deutschen als wohl gefährlichste Konkurrenten im Kampf um den Titel ausgemacht. So war auch Tino Edelmann nicht überrascht, als Magnus Moan, der überragende Langläufer in der Kombinierer-Weltklasse, schnell aufgeschlossen hatte. „Ich habe auch gedacht, ich könnte das gewinnen“, sagte Moan, „aber Japan und Deutschland waren heute besser“.
Norwegen kam nur 3,6 Sekunden später ins Ziel. Die ebenfalls favorisierten Finnen mussten auf den Führenden im Gesamtweltcup, Anssi Koivuranta, wegen Krankheit verzichten und wurden Achte. „Es ist gut für unseren Sport, dass Japan zurück ist“, sagte Moan. Er selbst sei „nicht sehr glücklich“. Sein Ziel sei es gewesen, „für mich und für das Team zu gewinnen“. Eric Frenzel sah das ähnlich: „Na ja, man kann nicht sagen, wir sind enttäuscht, aber wir haben schon gehofft und alles gegeben dafür, zu gewinnen. Deshalb ist es ein bisschen schade.“ Aber da es seine erste Silbermedaille bei einem Großereignis sei, „bin ich schon zufrieden und glücklich, es hätte auch gut und gerne ganz anders ausgehen können heute“.
Keine Startnummer, kein Sprung
Denn die hohen Favoriten auf den Team-Titel hatten sich selbst ein Bein gestellt - und traten zum Langlauf nicht mehr an. Ausgerechnet Bill Demong war es, der die Amerikaner in Wut und Enttäuschung stürzte. „Meine zweite Goldmedaille ist noch viel mehr wert, weil ich sie mit ihm teilen kann“, hatte Doppel-Weltmeister Todd Lodwick noch zwei Tage zuvor gesagt mit Blick auf den neben ihm sitzenden Bronzemedaillengewinner Demong, und dem Mannschaftskollegen dabei vor Freude mehrmals auf den Oberschenkel geschlagen.
Es hätte Lodwicks dritte Goldmedaille werden können, wenn nicht eben dieser Bill Demong so unachtsam gewesen wäre. Seine Startnummer, unabdingbare Legitimation für einen Wettkämpfer, fand Demong nach dem Probesprung plötzlich nicht mehr. Er wurde nicht zugelassen zum Wettkampfsprung, null Punkte standen für ihn zu Buche. Und es waren keine freundlichen Worte mehr, die Lodwick für den Kollegen fand, als er ihn an der Schanze zur Rede stellte. Zumal, als es zu spät war, Demong die Startnummer unter seinem Springeranzug fand.