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Nordische Ski-WM Amerikanische Isolation

25.02.2009 ·  Das „US Ski Team“ ist bei der Nordischen Ski-WM im Höhenrausch: Die Athleten um Lindsey Van und Todd Lodwick haben in einer Woche die amerikanische Medaillen-Bilanz aus 83 WM-Jahren übertroffen. Leider bekommt das in der Heimat niemand mit.

Von Christiane Moravetz, Liberec
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Torin Koos war noch keine zwanzig Meter weit gekommen, da stolperte er über seine Ski und lag auf dem Bauch im Schnee. 1,6 Kilometer sind keine Streckenlänge, auf der man so ein Missgeschick aufholen könnte. Doch Koos rappelte sich auf, rannte den fünf Konkurrenten im Sprint-Prolog hinterher. Vergebens, als 42. verpasste er das Viertelfinale, die Chance auf eine Medaille. Dabei, so sagt sein Trainer, sei er in Höchstform, „es war ein Drama“. Trotz des Missgeschicks von Koos feierte seine Mannschaft an diesem Abend. Sie feierte die Silbermedaille für eine Langlauf-Kollegin. Sie feierte auch die Tatsache, erfolgreichste Mannschaft nach zehn von zwanzig Entscheidungen bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Liberec (Reichenberg) zu sein.

Torin Koos – ein Norweger, ein Finne, ein Österreicher? Koos ist Amerikaner, und die Großmächte des nordischen Skisports reiben sich verwundert die Augen, wenn sie auf den Medaillenspiegel schauen. „USA“ steht da mit dreimal Gold, einmal Silber, einmal Bronze. Amerikanische Athleten haben in einer Woche in Tschechien ihre gesamte Bilanz aus 46 Weltmeisterschaften weit übertroffen.

„US Ski Team“ im Höhenrausch

Denn in den vergangenen 83 Jahren ihrer Teilnahme holten nordische Skisportler aus den Vereinigten Staaten erst einen einzigen Titel, durch Johnny Spillane in der Nordischen Kombination 2003. In Liberec hat allein Todd Lodwick schon zwei gewonnen – einen dritten an diesem Donnerstag im Kombinations-Wettbewerb von der Großschanze und den vierten mit dem Team am Samstag hält nicht nur er für realistisch (siehe: Todd Lodwick: Der ewige Weltmeister).

Die Enttäuschung über seinen Sturz vergaß Koos im Jubel über den zweiten Platz von Kikkan Randall – der ersten Medaille für eine amerikanische Langläuferin überhaupt. Die 26 Jahre alte Athletin aus Alaska stand vor einem Jahr bei einem Weltcuprennen in Rybinsk in Russland schon einmal auf der obersten Stufe eines Siegespodests. „Ich habe bei der Siegerehrung am vergangenen Freitag unsere Nationalhymne zweimal gehört, und da habe ich beschlossen, dass ich das auch erleben will“, sagte sie. Lindsey Van, die Skispringerin, und Lodwick hatten gleich zu Beginn der Titelkämpfe das „US Ski Team“ in einen Höhenrausch versetzt.

Typen wie Lodwick gibt es selten

Mit dem bitteren Beigeschmack, dass zu Hause kaum einer Notiz davon nimmt. Denn Skisport als Wettkampf in den Vereinigten Staaten heißt alpin oder Freestyle. Live-Berichterstattung von nordischen Wettbewerben gibt es nicht, höchstens bei Olympischen Spielen, nur dann oder zu einer WM erscheinen Langläufer, Kombinierer und Springer überhaupt auch einmal in der einen oder anderen überregionalen Zeitung.

„Dabei haben wir Tausende von Langläufern, sicherlich mehr als manches europäische Land“, sagt Sprint-Trainer Chris Grover, „wir haben genügend Orte mit Schnee in Neuengland, im Mittleren Westen, im Nordwesten, in Alaska.“ Die Schwierigkeit bestehe darin, Talente in Schul- oder Collegemannschaften zu entdecken und sie „in die Pipeline der Förderung zu bekommen“. Man müsse ihnen erst einmal nahebringen, hart zu trainieren und Leistungssport zu ihrem Lebensinhalt zu machen, sagen Grover und der Weltcup-Trainer der Amerikaner, Justin Wadsworth.

Zu groß sei die Verlockung, mit Starts für College- und Universitätsmannschaften leichter den Lebensunterhalt zu verdienen. Und da der Weltcup-Zirkus überwiegend in Europa Gastspiele gibt, „sind wir in Nordamerika praktisch isoliert“, sagt Grover.

Lindsey Van ist die erste Weltmeisterin im Skispringen

Typen wie der Familienvater Todd Lodwick, der nach knapp drei Jahren Pause sein Comeback mit den beiden Siegen gab, oder Lindsey Van, die den historischen ersten Weltmeistertitel im Frauenskispringen gewann, sollen zu größerer Popularität verhelfen. Bis auf die männlichen Skispringer – Anders Johnson wurde als einziger Amerikaner im Normalspringen Drittletzter – fühlen sich die nordischen Sparten allerdings gut behandelt.

Auch die Skispringerinnen bekommen alle Hilfe, die sie benötigen. „Wir haben genügend gute Trainer“, sagt Grover über die Langläufer, „und vor allem haben wir hervorragende Techniker“. Die Serviceleute hätten die Langlaufski so gut vorbereitet, „dass alle unsere Athleten ihre optimalen Leistungen bringen konnten und viele hier die besten Rennen ihrer Karriere liefen“.

„Wenn du Feuer gefangen hast, musst du es schüren“

Auch jene aus dem „Entwicklungskader“, der das Weltcup-Team, bestehend aus vier Männern und Kikkan Randall, in Liberec ergänzt. Zwölf Frauen und ein Mann bilden diese Nachwuchsmannschaft. „Wir haben beschlossen, irgendwann die Besten der Welt zu sein“, sagte Kikkan Randall.

Auch der Blick von Grover geht auf die Olympischen Spiele nächstes Jahr im benachbarten Vancouver. „Denn jedes Mal, wenn wir erfolgreich sind, geht es auch in der Anerkennung einen kleinen Schritt vorwärts.“ John Farra, der nordische Direktor, hofft, in Zukunft den anderen Nationen „noch die eine oder andere Medaille stehlen zu können“. Mit dem Motto von Lodwick sollte es gelingen: „Wenn du Feuer gefangen hast, musst du es weiter schüren.“

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