18.02.2009 · Das Ende der medaillenlosen Zeit war für die Alpinen ein wichtiger Fingerzeig in Richtung WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen. Doch der Aufbau eines konkurrenzfähigen Männerteams steckt noch immer in ganz kleinen Kinderschuhen.
Von Peter Penders, Val d'IsèreAm Ende waren sie alle zufrieden. Alle? Nun ja, vielleicht mit Ausnahme der Ski-Nation Nummer eins, für die es in Val d’Isère eine „Watsch’n“ nach der anderen gegeben hatte. Keine Männermedaille in der Abfahrt, und im Superriesenslalom, das hatte es zuletzt 1989 in Vail gegeben, keine Fahrerin im Slalomfinale, verpasste Medaillen im Frauen-Riesenslalom, das alles war schwer zu ertragen für die Alpenrepublik, für die diese WM aber mit dem Slalomsieg von Manfred Pranger doch noch zumindest ein versöhnliches Ende nahm. Der große Gewinner aber war ausgerechnet der ewige Konkurrent, die Schweiz, die vier Jahre nach der Nullnummer von Bormio mit sechs Medaillen zur Ski-Nation Nummer eins aufstieg.
Vollauf zufrieden waren die WM-Organisatoren. Rund 200.000 Zuschauer brachte das Ein-Euro-Konzept mit Eintritt und Busfahrt in den kleinen WM-Austragungsort der kurzen Wege. Das ist viel mehr als erwartet angesichts der Zuschauerzahlen bei den jährlichen Weltcuprennen, bei denen in der Vergangenheit häufig jeder Besucher einzeln begrüßt werden konnte. Auch organisatorisch hat Val d’Isère die Anforderungen übererfüllt, was nach dem besorgniserregenden Chaos im Organisationskomitee vor zwei Jahren vielleicht die größte Überraschung war. Damals drohte wegen der schleppenden Vorbereitung sogar eine Verlegung der WM.
Das deutsche Männerteam fährt noch immer hinterher
Ins Gerede gekommen war zwischendurch die Männerstrecke „Face de Bellevarde“, von den einen wegen der Enge des Geländes als zu schwierig, zu kurvig kritisiert, von den anderen als die Zukunft des Skifahrens gepriesen. Diskussionen hatte es auch um die Pistenpräparierung durch Männer-Rennchef Günter Hujara gegeben, durch die die Strecke wegen der großen Belastung durch die vielen Rennen zum Eiskanal wurde. Letztlich erwies sich Hujaras Konzept als richtig – manchmal hatte man allerdings den Eindruck, er hätte auch die gesamte Fußgängerzone von Val d’Isère mit seinem Wasserbalken bearbeitet. Der Verzicht auf Streumittel jeglicher Art als eines der Zeichen der „grünen WM“ führte wie auf den Pisten zu manchen unbeabsichtigten und schmerzhaften Rutschpartien.
Der größte Sieger aber war ausgerechnet der Verband, um den sich Gian Franco Kasper, der Präsident des Internationalen Ski-Verbandes (FIS) in der Vergangenheit die größten Sorgen gemacht hatte. Mit weltmeisterlichen Erfolgen hatte der Deutsche Ski-Verband seit 2001 nicht mehr aufwarten können, gleichwohl aber bleibt Deutschland der wichtigste Werbemarkt für die FIS. Die Sorge, dass der alpine Skisport ausgerechnet dort immer weiter in den Hintergrund gedrängt werden könnte, war nach den WM-Titeln von Kathrin Hölzl und Maria Riesch beendet. Der DSV steht so erfolgreich da wie seit 1993 nicht mehr, was für grenzenlose Erleichterung im gesamten Trainerstab sorgte und den Präsidenten gleich zu der Äußerung hinriss, dies seien die wichtigsten Medaillen für den DSV seit Jahren.
Alfons Hörmanns Worte werden in den anderen, zuletzt viel erfolgreicheren Sparten keine Begeisterung auslösen, aber das Ende der medaillenlosen Zeit war für die Alpinen ein wichtiger Fingerzeig in Richtung WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen. Viel zu tun bleibt dennoch in jeder Hinsicht, denn während bei den Frauen die Richtung stimmt und es hinter den beiden großen Siegerinnen hoffnungsvolle Signale wie etwa durch Viktoria Rebensburg gab, steckt der Aufbau eines konkurrenzfähigen Männerteams immer noch in ganz kleinen Kinderschuhen. Es bleibt viel, sehr viel zu tun, aber durch diese beiden WM-Titel wird alles etwas leichter von der Hand gehen.