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WM-Slalom der Herren Felix Neureuther freut sich für die anderen

15.02.2009 ·  Die Favoriten patzten: Nach starkem zweitem Durchgang belegte Felix Neureuther den vierten Platz im WM-Slalom von Val d'Isère. 0,19 Sekunden fehlten zu Bronze, doch Neureuther gab zu: „Ich hatte die Medaille einfach nicht verdient.“

Von Peter Penders, Val d'Isère
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Er wird doch nicht etwa auch noch eine Medaille holen? Viel hätte nicht gefehlt, und diese alpinen Weltmeisterschaften wäre endgültig zu einem Märchen für den Deutschen Ski-Verband geworden. Kathrin Hölzl und Maria Riesch hatten jeweils bei ihren Siegen bange Momente überstehen müssen, doch sowohl im Riesenslalom als auch im Slalom war das Trio, das nach ihnen noch an den Start gegangen war, entweder ausgeschieden oder weit zurückgefallen.

Das Déjà-vu aber schien sich endgültig anzubahnen, als Neureuther, auf dem zwischenzeitlichen dritten Rang platziert, mit ansehen musste oder durfte, wie der Franzose Jean Baptiste Grange und der Schwede Johan Brolenius ausschieden. Plötzlich war die Bronzemedaille zum Greifen nahe - doch dann war sie endgültig weg. Der Österreicher Manfred Pranger rettete die Skiehre seines Landes und siegte schließlich vor dem Franzosen Julien Lizeroux (0,31 Sekunden zurück) und dem Kanadier Michael Janyk (1,53 Sekunden zurück). Und für Neureuther (1,72 Sekunden zurück) blieb der undankbarste aller Plätze - der vierte Rang.

Der Konjunktiv hatte Hochkonjunktur

Pech gehabt? Von wegen, befand Neureuther, eher ein klarer Fall von selber schuld. Schließlich hatte er nach dem ersten Durchgang beinahe aussichtslos mit 2,49 Sekunden Rückstand hinter dem führenden Pranger zurückgelegen, auch die Bronzemedaille war respektable 2,22 Sekunden entfernt und damit realistisch nicht mehr möglich. Über das Material, mit dem er keinen Halt auf dieser mal vereisten, mal griffigen Piste besessen hätte, schimpfte der Garmischer, besann sich aber später eines Besseren. „Das war einfach dumm von mir, ich bin einfach zu ungestüm raus “, sagte er.

Ein dicker Fahrfehler im oberen Teil, bei dem er fast zum Stillstand gekommen war, raubte ihm vermeintlich alle Chancen. „Ohne den wäre ich hier um die Goldmedaille mitgefahren“, sagte Neureuther frustriert und gleichzeitig erleichtert. Denn die zweitbeste Laufzeit im zweiten Durchgang habe gezeigt, was möglich gewesen wäre. „Ich bin froh, dass ich allen Leuten, die schon an mir gezweifelt haben, zeigen konnte, was ich wirklich drauf habe.“

Pranger wollte nur nicht der Depp sein - und gewann Gold

Hätte, wäre, könnte - beim abschließenden Slalom hatte der Konjunktiv allerdings Hochkonjunktur. Reihenweise waren mögliche Medaillenkandidaten ausgeschieden, schon im ersten Durchgang hatte es Könner wie den Österreicher Reinfried Herbst, den Italiener Giorgio Rocca oder den österreichischen Titelverteidiger Mario Matt erwischt. Von Platz 14 aus startete Neureuther schließlich den Versuch, noch ein einigermaßen akzeptables Ergebnis zu erzielen, das nach seiner fast fehlerfreien Fahrt aber von Starter zu Starter immer besser wurde. Der Österreicher Benjamin Raich fädelte wie der Schwede Jens Byggmark ein, dann schieden nacheinander der Italiener Manfred Mölgg, der Amerikaner Ted Ligety und der Franzose Jean-Baptiste Grange, der Führende im Slalom-Weltcup, aus.

Pech für Neureuther, dass Pranger schließlich vor allem Wert auf eine Medaille legte und nicht alles riskierte. „Es war sehr schwierig, nachdem so viele ausgeschieden vor mir ausgeschieden. Ich habe mir gedacht: Hauptsache eine Medaille. Wenn ich das wieder in den Sand setze, bin ich Depp der Nation“, sagte Pranger, der schon oft in wichtigen Rennen ausgeschieden war. „Ich freue mich für Manni, ich freue mich für die anderen. Das sind alles Freunde von mir. Schön, dass das Rennen so ausgegangen ist“, sagte Neureuther, dem letztlich zwar nur 19 Hundertstelsekunden zur ersten Medaille seiner Karriere fehlten, der aber selbstkritisch blieb: „Heute hätte ich es nicht verdient. Ich glaube nicht, dass ich mich so über Bronze hätte freuen können.“

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