09.02.2009 · Der Norweger Aksel Svindal ist der vielseitige unter den Alpin-Ski-Fahrern. In der Super-Kombination aus Abfahrt und Slalom gewinnt er Gold - weil er klug genug ist zum Taktieren. Top-Favorit Bode Miller riskiert indes zu viel.
Von Peter Penders, Val d'IsèreMan kann Bode Miller ja vieles nachsagen, aber eines gehört sicher nicht zu: Ein Taktiker ist der Amerikaner gewiss nicht, eher einer, der immer so schnell wie möglich den Berg herunter kommen will. Am Montag lag für den Gesamt-Weltcupsieger der vergangenen Saison der Weltmeistertitel für den besten Kombinierer schon auf dem Silbertablett - aber einfach nur herunterfahren kann Miller eben nicht. Trotz der 2,89 Sekunden Vorsprung auf den Franzosen Julien Lizaroux, die er aus der Abfahrt mitgebracht hatte, attackierte er als vorletzter Starter im Slalom, als gelte es, einen Rückstand aufzuholen.
Prompt kam es, wie es kommen musste: Miller schied aus, und den WM-Titel schnappte sich Aksel Svindal. Der Norweger hatte die Abfahrt vier Hundertstelsekunden schneller als Miller bewältigt, war aber aus guten Gründen schlau genug, in der Zickzackfahrt nicht alles zu riskieren. „Das kann ich einfach nicht so gut“, sagte er. Platz zwei ging zur Freude der Zuschauer an den Franzosen Julien Lizaroux (0,90 Sekunden zurück), der von Platz 22 nach der Abfahrt noch weit nach vorne fuhr, Rang drei belegte der Kroate Natko Zrncic-Dim.
Slalom-Spezialisten fliegen raus
Können Slalom-Spezialisten eigentlich auch eine Abfahrt einigermaßen zügig herunter rasen? Können Sie, wie der Franzose Jean-Baptiste Grange bewies. Der Führende in der Slalom-Weltcupwertung hatte bei der Schussfahrt überraschend Platz vier mit nur 1,1 Sekunden Rückstand belegt und dabei auch den deutschen Abfahrtsspezialisten Stephan Keppler (3,12 Sekunden zurück) deutlich hinter sich gelassen. Einer, der schon bewiesen hatte, dass er ziemlich schnell sein kann, litt offenbar noch unter den Nachwirkungen seines großen Triumphes: Zwei Tage nach seinem Abfahrtssieg belegte der Kanadier John Kucera nur den 30. Platz in der Schussfahrt. (siehe: Abfahrt der Herren: Kucera gewinnt die Königsdisziplin)
„Ja, ich bin jetzt Favorit“, sagte Grange nach dem überraschenden Zwischenergebnis, was sich aber auch als Irrtum erweisen sollte. Auch der Franzose schied ausgerechnet in seiner Spezialdisziplin nach einem Einfädler aus. Weil der Österreicher Benjamin Raich, seit Jahren einer der vielseitigsten Fahrer überhaupt, in der Abfahrt nach einem Torfehler ausgeschieden war, kam es wie so oft in dieser Disziplin zu unerwarteten Medaillengewinnern und zu dem überraschenden Zwischenresultat, dass die österreichischen Männer weiter ohne Medaille bleiben.
Ganz sicher rechnen muss Val d'Isère in den nächsten Tagen mit überaus ergiebigen Schneefällen, die das Programm deutlich durcheinander bringen werden. Der für Mittwoch vorgesehene Teamwettbewerb wird nun doch wie ursprünglich geplant auf dem mittlerweile entschärften Männerberg stattfinden. Die Eispiste „Face de Bellevarde“ (siehe: Ski alpin: Volles Risiko! ) wurde aufgefräst und ist nun auch für die Frauen fahrbar. Nur wann es tatsächlich soweit sein wird, will derzeit lieber niemand vorhersagen. (siehe auch: Abfahrt der Damen: Blondinen bevorzugt)