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Felix Neureuther im Gespräch „Slalom ist die größte Liebe und das größte Luder“

 ·  Der kleinste Fehler, und alles kann schon vorbei sein. So ist er, der Slalom. Ski-Rennfahrer Felix Neureuther spricht im Interview über seine aktuelle Minusserie, die Suche nach dem richtigen Ski und das „irre Rennen“ bei der WM in Val d'Isère an diesem Sonntag.

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Der kleinste Fehler, und alles kann vorbei sein. So ist er, der Slalom. Felix Neureuther spricht im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über seine aktuelle Minusserie, die Suche nach dem richtigen Ski und das „irre Rennen“ bei der WM an diesem Sonntag (10.00 Uhr / Live beim ZDF und bei Eurosport).

Der kleinste Fehler, und alles kann vorbei sein: Haben Sie es schon einmal verflucht, Slalomfahrer geworden zu sein?

Nein, der Slalom ist die größte Liebe und das größte Luder gleichzeitig. Wenn es gut läuft, dann kann man machen, was man mag, dann ist man immer schnell. Alles geht leicht von der Hand, und man weiß gar nicht, warum. Aber wenn du die Seuche hast, dann denkst du dauernd darüber nach, und Slalom ist eine extreme Kopfsache. Bei jedem Tor kommt es auf Millimeter an. Man muss die richtige Balance finden. Aber das macht den Slalom aus, das liebt man auch.

Sie sind zuletzt viermal hintereinander ausgeschieden, in der vergangenen Saison nie. Gibt es eine Erklärung für solche Serien, für die guten wie die schlechten?

Nein, das ist ein Phänomen, das ist unglaublich. Aber richtig erklären kann man es nicht. Es wäre schön, wenn man es wüsste.

Ist Ihr Fahrstil vielleicht zu riskant?

Ich bin mit demselben Fahrstil in der vergangenen Saison ja immer ins Ziel gekommen. Da ging alles wie von selber und man wusste eigentlich gar nicht, wie man hätte ausscheiden können. Da fährt man einfach runter und ist – zack – im Ziel und fragt sich: Wieso bin ich so schnell?

Als Slalomfahrer steht man schnell in der Kritik. Scheidet man aus, hat man zu viel riskiert, verspielt man nach einem guten ersten Lauf eine Podiumsplazierung und wird Sechster, heißt es, man habe es verbremst . . .

Speziell wenn es nicht gut läuft, sollte man als Slalomfahrer keine Zeitung anfassen. Aber ärgern tut es einen schon, denn Sechster ist ja auch ein Topergebnis. Natürlich will man jedes Rennen gewinnen und ganz oben stehen. Das sagt man natürlich nicht vorher. Zu gewinnen ist nicht immer so ganz einfach.

Lagen Ihre Probleme auch am Material?

Das war sicher nicht einfach in dieser Saison. Wir haben extrem viel getüftelt, hier habe ich jetzt wieder einen neuen Ski. Der ist absolut super. Ich glaube, ich bin jetzt wieder absolut konkurrenzfähig.

Wie findet man den richtigen Ski?

Testen, testen. Ich habe circa 50 Paar Slalomski dieses Jahr gefahren, dazu viel mit den Schuhen probiert. Ich habe sechs oder sieben unterschiedliche Paar. Speziell wenn es nicht läuft, sucht man Fehler, und die sucht man zuallererst beim Material. Alles muss perfekt aufeinander abgestimmt sein, so wie bei der Formel 1.

Ist das auch eine Kopfsache?

Natürlich kann man sich Materialprobleme auch einreden. Ich bin letztes Jahr in Kranjska Gora mit Nummer zwei an den Start gegangen, ein Jahr vorher hatte ich mir dort mit Nummer zwei die Schulter ausgekugelt. Ich bin da noch nie gut gefahren. Und dann wieder Nummer zwei, habe ich gedacht und bin total verkrampft im ersten Lauf runter. Danach habe ich zu meinem Servicemann gesagt: „Die Ski sind extrem schwer gegangen.“ Er hat geantwortet: „Du spinnst, die Ski sind genau richtig heute.“ Ich wollte aber, dass er mir das Paar herrichtet, mit dem ich in Kitzbühel gut gefahren war. Auf den Ski stehen immer Nummern drauf. Im ersten Lauf hatte ich das Paar mit der Nummer zwei, und nun wollte ich die 21. Also hat er mir die 21 gegeben für den zweiten Lauf. Ich bin super gefahren und noch Sechster geworden. „Ein super Ski“, habe ich ihm gesagt. Und er hat geantwortet: „Trottel, das war derselbe wie im ersten Lauf, ich habe nur eine 1 hinter die 2 geschrieben.“

Täuscht es, oder ist der Zusammenhalt unter den Slalomfahrern extrem groß? Als Sie in Garmisch-Partenkirchen ausschieden, kamen mehrere, um Sie zu trösten. Sind das Gegner oder Leidensgenossen?

Beides. Das ist wie eine Familie, das macht so viel Spaß, diesen Sport auszuüben. Ich bin einer der glücklichsten Menschen, weil ich so etwas machen darf. Ich komme in der Welt rum, treffe unglaubliche Menschen, habe so nette Kollegen oder auch Leidensgenossen. Da haben sich extreme Freundschaften gebildet, innige Freundschaften, trotz der ganzen Rivalität. Das zählt oben am Starthaus nicht, aber im Ziel gratuliert man sich und respektiert sich. In dem Ausmaß gibt es das nicht in so vielen Sportarten wie bei uns Slalomfahrern.

Trotzdem gibt es im Slalom die größte Konkurrenz . . .

Auf alle Fälle. Ich mache mir jetzt überhaupt keinen Druck, ich kann nach der Minusserie ja nur gewinnen. Das wird ein irres Rennen. Es können ungefähr 30 Fahrer in Val d’Isère eine Medaille holen.

Die Fragen stellte Peter Penders

Quelle: F.A.Z.
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