06.02.2009 · Ausgerechnet in ihrer Spezialdisziplin, dem Slalom, verspielt Maria Riesch die Chance auf eine WM-Kombinationsmedaille. Dass es Platz vier wurde, schmerzt sie besonders: „Das ist jetzt noch mal so wie mit dem Hammer obendrauf.“
Von Peter Penders, Val d'IséreWar das tatsächlich Maria Riesch, die da im Kombinationsslalom den Berg hinuntergewedelt ist? Die Führende im Slalom-Weltcup, die in dieser Saison bereits vier Rennen in dieser Disziplin gewonnen hat und zuletzt beim abschließenden Test vor diesen Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen auf dem zweiten Platz gelandet war, hat ausgerechnet mit einer überaus fehlerhaften Fahrt in ihrer stärksten Disziplin ihre Chance auf die erste Medaille bei alpinen Weltmeisterschaften vergeben.
Nach dem vierten Platz in der Kombinations-Abfahrt erreichte die beste Slalomfahrerin des Winters in der Zickzackfahrt nur die insgesamt siebtbeste Laufzeit und konnte sich so nicht mehr verbessern. Selbst der Torfehler ihrer nach der Abfahrt führenden Freundin Lindsey Vonn, die als zunächst Zweite disqualifiziert wurde, verhalf ihr nicht mehr zu einer Medaille.
Vorerst bleiben nur Außenseiterchancen
So erreichten überraschenderweise weder die hoch eingeschätzte Deutsche, noch die im Slalom-Weltcup auf Platz zwei plazierte Amerikanerin trotz hervorragender Ausgangspositionen nach der Abfahrt am Ende das Siegerpodest. Als Kombinations-Weltmeisterin feiern lassen durfte sich die Österreicherin Katrin Zettel, die in der Gesamtzeit von 2:20,13 Minuten von Platz fünf in der Abfahrt noch nach ganz vorne fuhr und mit 0,56 Sekunden vor der Überraschungszweiten Lara Gut aus der Schweiz und mit 0,88 Sekunden vor ihrer Landsmännin Elisabeth Görgl siegte.
„Ich bin im Endeffekt selber schuld, ich brauche es auf nichts anderes zu schieben“, sagte Maria Riesch, die nach ihrem Trainingssturz vom Mittwoch allerdings gehandikapt in den Wettbewerb gegangen war. Ihr unerwartet schlechtes Abschneiden im Slalom wollte sie aber nicht auf die Prellungen im Wirbelsäulenbereich und eine Innenbandzerrung im linken Knie zurückführen „Das wäre total blöd“, sagte die 24 Jahre alte Partenkirchnerin, die wohl viel eher der nervlichen Anspannung nicht gewachsen war. „Ich was das erste Mal in der Situation, dass ich nur noch einen Schritt bis zur Medaille machen musste“, sagte sie. Heraus kam schließlich der totale Frust, erst recht, nachdem die Mitfavoritin Lindsey Vonn disqualifiziert worden war und sie eine Bronzemedaille um 0,66 Sekunden verpasst hatte.
„Platz vier ist wie mit dem Hammer obendrauf“
Trotz ihrer misslungenen Fahrt war sie in der Zickzackfahrt zwar immer noch schneller gewesen als Lara Gut und Elisabeth Görgl, aber eben nicht schnell genug. „Mit der Slalomleistung habe ich es auch nicht verdient, auf dem Podium zu stehen“, sagte Maria Riesch gleichzeitig selbstkritisch und enttäuscht. „Aber Platz vier ist jetzt noch mal so wie mit dem Hammer obendrauf.“
Nach der Abfahrt und Platz vier im Zwischenergebnis waren die Ziele groß gewesen, zumal mit der Schwedin Anja Pärson eine wichtige Konkurrentin nach einem Torfehler schon ausgeschieden war. Zu imponierend waren schließlich die vorangegangenen Slalomleistungen der Partenkirchnerin gewesen, so dass trotz 1,43 Sekunden Rückstand auf die führende Lindsey Vonn selbst ein Titelgewinn nicht im Bereich des Utopischen schien. Dass es möglich gewesen wäre, bewies schließlich die Österreicherin Katrin Zettel, die in der Abfahrt noch um fünf weitere Hundertstelsekunden hinter der Deutschen gelegen hatte.
Schon nach drei Toren war es mit der Sicherheit vorbei
„Die Chance auf eine Medaille war groß. Ich wollte voll attackieren, weil ich wusste, dass ich mit Herunterbremsen nichts gewinnen würde“, sagte Maria Riesch. Doch die vermeintliche Attacke und der Versuch, dem nach der Schussfahrt vor ihr plazierten Trio mit einer exzellenten Fahrt eine schwer zu lösende Aufgabe mit auf den Weg zwischen die Stangen zu geben, scheiterte früh.
Schon nach drei Toren hatte sich in diesem Slalom angedeutet, dass sie diesmal nicht mit der gewohnten Sicherheit auf den Brettern stehen würde. Der große Patzer gleich zu Beginn sorgte dafür, dass sie nie in den Rhythmus fand und schließlich Fehler an Fehler reihte. „Ich habe total daneben gestanden“, sagte sie.
„Abhaken und cool bleiben“
Ihre weitere Ausgangsposition bei diesen Weltmeisterschaften wird nun vor allem durch diese Enttäuschung in ihrer stärksten Disziplin getrübt. Schließlich galt Maria Riesch angesichts der bisherigen Saisonergebnisse als die große Favoritin im abschließenden Slalom am Samstag kommender Woche, hat aber bis dahin dummerweise genügend Zeit, wegen ihrer Fehler nervös zu werden.
„Abhaken und cool bleiben“, sagte sie nach einem Tag, an dem sie letzteres gerade nicht bewiesen hatte. Die Chance, wieder etwas Zuversicht zurück zu gewinnen, bietet sich zwar schon an diesem Sonntag. In der Abfahrt aber heißt die Favoritin wieder Lindsey Vonn, die schon den Superriesenslalom gewonnen hat. Für Maria Riesch bleiben vorerst nur Außenseiterchancen.