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Abfahrt der Damen Blondinen bevorzugt

09.02.2009 ·  Ein Podium wie ein Model-Casting: Lindsey Vonn und Lara Gut gewannen bei der alpinen Ski-WM Gold und Silber in der Abfahrt und ließen die blonden Mähnen wehen. Maria Riesch musste als Zehnte eine neue Enttäuschung hinnehmen und steht nun ziemlich unter Druck.

Von Peter Penders, Val d'Isère
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Es ist ein weiter, mühsamer Weg für die Fahrerinnen, bis sie nach einem Rennen wieder ihre Ruhe haben. Denen, die sich die Medaillen geschnappt haben, fällt er leicht, für die anderen wird der Gang mit jedem Meter, mit jedem Interview, mit jeder lästigen Frage schwerer und schwerer. Lindsey Vonn beispielsweise konnte am Montag nach der Abfahrt wieder ihr strahlendes Lächeln aufsetzen - das dritte Rennen, der zweite Titel, so machen Weltmeisterschaften Spaß.

Das dritte Rennen aber und wieder nichts, was man als Erinnerung um den Hals hängen kann - da vergeht einem langsam die Freude. Und so langsam bekommt die Partenkirchenerin Maria Riesch, vor Beginn dieser Titelkämpfe als eine der aussichtsreichsten Starterinnen gehandelt, eine Ahnung, dass dies vielleicht nicht ihre WM wird. Da hilft auf die Schnelle nur ein wenig Fatalismus weiter: „Und wenn ich ohne Medaille heimfahre, wird die Welt trotzdem nicht untergehen und die Sonne jeden Tag wieder aufgehen“, sagte sie enttäuscht und frustriert nach ihrem zehnten Platz. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Befürchtung wahr wird, ist ziemlich groß.

„Der Druck nimmt zu“, sagt Maria Riesch

Wer erst einmal eine Medaille hat, dem fällt danach alles leichter - wer ihr aber verzweifelt hinterherfährt, der tut sich von Mal zu Mal schwerer. Diese nicht ganz neue WM-Erkenntnis bestätigte sich auch in der Abfahrt, denn während die große Favoritin Lindsey Vonn ihre herausragende Stellung eindrucksvoll bestätigte, belegte die erst 17 Jahre alte Schweizerin Lara Gut (0,52 Sekunden zurück) nach ihrem überraschenden zweiten Platz in der Kombination schon wieder Rang zwei. Angesichts der bisherigen Trainingsergebnisse war dahinter Platz drei für die Italienerin Nadia Fanchini (0,57 Sekunden) ebenso keine Überraschung wie das Abschneiden jener beiden, die noch vor einer Woche als die großen Gegenspielerinnen von Lindsey Vonn gehandelt worden waren. Aber so richtig in Tritt kommen weder Maria Riesch noch Anja Pärson bei dieser WM.

Wie das ist, wenn bei einem Großereignis alles plötzlich von allein läuft, hatte die Schwedin ja vor zwei Jahren bei ihrer Heim-WM in Åre ausgiebig erlebt. Mit drei Titeln und einem dritten Platz wurde sie zur Königin der WM, zwei Jahre später steht sie wie Maria Riesch mit leeren Händen da. Ausgeschieden im Superriesenslalom, ausgeschieden bei der Abfahrt im ersten Teil der Superkombination und nun nach überragender Zwischenbestzeit durch einen Fahrfehler weit zurückgeworfen - auch die Schwedin konnte mit dem Berg „Solaise“ nichts anfangen. Nach sieben WM-Titeln in ihrer Karriere aber kann sie das eher verschmerzen als ihre deutsche Kollegin.

Wer unbedingt eine Medaille will, droht zu verkrampfen

Vielleicht hilft es ja, dass alle weiteren Wettbewerbe nun doch auf de „Face de Bellevarde“ ausgetragen werden. „Der Druck nimmt zu“, sagt Maria Riesch, dabei hat er doch jetzt schon gereicht. Es ist vor allem der Druck, den sie sich selber macht, den ihre Ergebnisse erzeugt haben. Im Riesenslalom startet sie am Donnerstag nur als krasse Außenseiterin, aber das abschließende Frauenrennen am Samstag ist ein Slalom - und da hat ihr in dieser Saison selten jemand etwas vorgemacht. In sieben Rennen stand sie sechsmal auf dem Siegerpodium, und nach einem zweiten und einem dritten Rang stehen vier erste Plätze zu Buche. Das ist die Bilanz einer Medaillenfavoritin, die selbstbewusst an den Start gehen könnte. „Aber man muss es auch immer noch runterbringen“, sagte die Partenkirchnerin.

Die Leistung abrufen heißt das in der Sportler- und Trainersprache, aber die Rufe von Maria Riesch bei dieser WM blieben bislang ungehört. „Ich ärgere mich, dass ich hier nicht zeige, was ich eigentlich kann“, sagt sie. Am Montag erwischte sie sogar perfekte Sichtverhältnisse, weil kurz vor ihrem Start die Sonne hervorgekommen war. Doch im Bestreben, einen kleinen Fehler im mittleren Streckenteil wiedergutzumachen, wollte sie zu viel. So aber geht die Geschichte dann fast immer aus: Wer unbedingt eine Medaille will, droht zu verkrampfen, dabei wissen sie doch alle, dass sie locker bleiben sollen. Das aber sagt sich nur so leicht.

Für Silber war Gut gut genug

Die Ausgangsposition für die Deutsche war dabei doch nahezu ideal. Nach den bisherigen Rennen auf der Strecke „Rhône Alpes“ hatte sie sich allenfalls Außenseiterchancen ausrechnen dürfen, die Favoritinnen hießen Lara Gut und Lindsey Vonn - aber beide schien diese Rolle nicht weiter zu belasten. Mit Startnummer sechs legte der Schweizer Teenager eine Zeit vor, an die zunächst niemand herankam, und trotzdem war Lara Gut nicht zufrieden. „Ich wusste, dass ich zu wenig gut gefahren war, um zu gewinnen“, sagte sie, als wollte sie ein Wortspiel mit ihrem eigenen Namen machen. Zumindest für Silber war genug Gut in ihrer Fahrt, und alles andere als die zweite Goldmedaille für Lindsey Vonn wäre auch eine dicke Überraschung gewesen.

Ihre Leistung abzurufen, damit hat die Amerikanerin offenbar keine Schwierigkeiten, und auch kleine Unannehmlichkeiten können sie nicht weiter verunsichern. In der Superkombination am Freitag war sie zunächst als WM-Zweite gefeiert, dann aber wegen eines Torfehlers nachträglich disqualifiziert worden. „Das war sehr bitter“, sagt sie. Als Führende im Gesamt-Weltcup war sie als große Favoritin nach Val d'Isère gekommen und hat im Gegensatz zu ihren Konkurrentinnen auch die WM zu ihrer Bühne gemacht. Vielleicht ist sie so nett und verrät ihrer Freundin noch ein paar Tricks.

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