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Biathlon-WM Stark in der Loipe, abgezockt am Schießstand

19.02.2009 ·  Brennende Oberschenkel, elf Nachlader, eine Nominierung beim Frühstück und der Jüngste als Vater des Erfolgs: deutsche Mixed-Geschichten mit Andrea Henkel, Simone Hauswald, Arnd Peiffer und Michael Greis bei der Biathlon-WM.

Von Claus Dieterle, Pyeongchang
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Der Gedanke, der Michael Greis vor dem letzten Schuss durch den Kopf schoss, war ganz klar: „Fehler heißt Strafrunde, Treffer Bronze. Bitte lass es Bronze sein.“ Man soll zwar am Schießstand das Denken tunlichst vermeiden, aber das Stoßgebet des deutschen Schlussläufers wurde erhöht, und die deutsche Mixed-Staffel landete in der Besetzung Andrea Henkel, Simone Hauswald und Arnd Peiffer hinter Frankreich und Schweden auf Rang drei. Es hätte auch Gold sein können, das wusste Greis, aber er hatte sich eben einen Nachlader mehr als die Konkurrenz geleistet. „Natürlich habe ich mir mehr ausgerechnet, aber es hat das Quentchen Glück gefehlt“, sagte der Olympiasieger.

So eine Staffel ist natürlich immer ein Gemeinschaftswerk, und deshalb nahm Simone Hauswald ihren Allgäuer Kollegen in Schutz. „Er trägt doch nicht die Verantwortung allein, schließlich haben wir insgesamt elf Nachlader gehabt.“ Aber sie wusste auch, wer sich an diesem Tag als stärkstes Glied in der deutschen Viererkette hervorgetan hatte. „Der Arnd war der Wahnsinn“, sagte Simone Hauswald, froh darüber, dass der 21 Jahre alte Skijäger mit Nachnamen Peiffer ihre 47,5 Sekunden Rückstand auf viereinhalb reduziert und Greis in eine ideale Ausgangsposition gebracht hatte. Bundestrainer Frank Ullrich, der ansonsten selten jemanden hervorhebt, machte diesmal eine Ausnahme: „Der Arnd hat die Grundlage für die Medaille geliefert.“

„Dass er hier noch einen draufsetzt, hätte ich nicht gedacht“

Es war schon ein erstaunlicher Auftritt, den der Niedersachse aus dem Harz bei seinem vielleicht einzigen WM-Einsatz in den koreanischen Kunstschnee zauberte. Natürlich weiß Ullrich von den zwei Staffeleinsätzen im Weltcup, dass er sich auf den Newcomer der Saison verlassen kann: „Aber dass er hier noch einen draufsetzt, hätte ich nicht gedacht.“ Mit der drittbesten Laufleistung insgesamt und einer abgezockten Vorstellung am Schießstand.

Als Retter der Staffel fühlt sich der WM-Neuling Peiffer aber keineswegs. „Das wäre ein bisschen zu hoch gegriffen.“ Und er schob fast entschuldigend nach, dass er ja im Gegensatz zu den meisten Kollegen noch taufrisch sei. „Ich habe hier bislang ja nur trainiert.“ Aber immerhin war es sein WM-Debüt, und er bekannte, dass er trotz halbleerer Ränge und mäßiger Stimmung im Biathlonstadion schon dieses Kribbeln gespürt habe: „Das ist schon etwas anderes als sonst. Das ist schon WM-Feeling.“

„Peiffer kommt bei seinem WM-Debüt mit einer Medaille heim“

Da fragt man sich, wie einer, der im Januar zum ersten Mal im Weltcup aufgetaucht ist, es schafft, diesem Druck standzuhalten. Gerade am Schießstand. Wo er doch bekennt, dass „mir das Schießen nicht gerade zufliegt“. Da kommt es ihm zugute, dass er in Bad Endorf eine Ausbildung zum Poizeimeister macht: Schießen inbegriffen. „Ich habe mir die Stabilität hart erarbeitet und jeden Fehler analysiert.“ Die Insider-Tipps hat ihm allerdings sein Stützpunkttrainer, Olympiasieger Mark Kichner, gegeben. „Es geht darum, am Schießstand kausales Denken zu vermeiden, und jeden Schuss isoliert zu betrachten“, sagte Peiffer: „Das ist eine Strategie, die mir gut hilft.“

Vielleicht sollte sich das Michael Greis mal zu Herzen nehmen. Auch Alfons Hörmann, dem Präsidenten des Deutschen Skiverbandes, machte der junge Mann Spaß. Auch weil er ein weiterer lebender Beweis dafür ist, dass die Nachwuchsarbeit des DSV Früchte trägt. „Peiffer kommt bei seinem WM-Debüt mit einer Medaille heim. Das ist doch eine tolle Geschichte.“ Vielleicht kommt ja doch noch eine zweite hinzu. Am Samstag, wenn die Männerstaffel auf dem WM-Programm steht. „Da bin ich der falsche Ansprechpartner“, sagt Peiffer und winkt ab. „Ich bin ja froh, dass ich hier überhaupt einen Einsatz bekommen habe.“ Der richtige Ansprechpartner mag sich noch nicht festlegen, auch wenn er sagt: „Er hat sich der Staffel enorm genähert.“ Auf so einen Mann kann er schlecht verzichten.

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