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Biathlon-Kommentar Experiment misslungen

23.02.2009 ·  Die Theorie, dass Biathlon außerhalb Europas zum Volltreffer tauge, ist widerlegt. Das ist nicht die einzige negative Erkenntnis nach dem Ende der WM in Pyeongchang. Schuld daran trägt auch der Weltverband IBU.

Von Claus Dieterle, Pyeongchang
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Nennen wir es ein Experiment. Und Experimente sind dazu da, entweder eine Theorie zu bestätigen oder sie zu widerlegen. Nehmen wir das Ergebnis ruhig vorweg: Die mutige Theorie, dass Biathlon außerhalb Europas zum Volltreffer tauge, ist eindeutig widerlegt. Die Theorie, dass eine Weltmeisterschaft die ideale Plattform für Entwicklungshilfe sei, auch. Und die Theorie, dass ein Biathlon-Entwicklungsland ohne Veranstaltertradition über Nacht WM-Niveau erlangen könne, erst recht.

Pyeongchang, das war eine Zeitreise: zwanzig Jahre zurück – wenn das reicht. In Zeiten, als die Skijäger, kaum beachtet von der Öffentlichkeit, einsam ihre Runden drehten. So ähnlich wie jetzt in Koreas Wintersport-Mekka. In einem hochmodernen Stadion zwar, mit selektiven Strecken und windanfälligem Schießstand, mit einer einladenden Tribüne für 3500 Zuschauer zwar, aber ohne Aussicht, sie halbwegs zu füllen; dazu kam überfordertes Personal.

Eine WM lebt auch von der Atmosphäre. Ohne die koreanischen Trommler und die Hundertschaft lautstarker Russen wäre selbst das Finale trostlos gewesen. Nach Oberhof oder Ruhpolding kommen an einem Weltcup-Tag mehr Zuschauer als in Pyeongchang bei der ganzen Weltmeisterschaft. Zugegeben, ein unfairer Vergleich. Aber selbst beim zweitklassigen IBU-Cup schauen mehr Menschen zu.

Eine „Dorf-WM“ passt nicht zur Wachstumsbranche Biathlon, die anscheinend der Weltwirtschaftskrise trotzt. Sämtliche Weltcup-Stationen der Saison protzen mit Zuschauerrekorden, die Einschaltquoten in den europäischen Biathlon-Kernländern während der WM sind trotz der Morgenstunde überraschend gut, und die neuen Verträge bis 2014, die die Internationale Biathlon-Union in Pyeongchang mit ihren alten Partnern in den nächsten Wochen zur Unterschriftsreife bringen will, sprechen eine deutliche Sprache.

Der Marketingpartner APF zahlt 20 Prozent mehr, der Europäischen Rundfunk Union sind die Biathlon-Senderechte künftig 60 Prozent mehr wert als die bisherigen rund 30 Millionen Euro. Trotz der Dopingproblematik, die in Korea für heftige Turbulenzen innerhalb der Biathlon-Familie gesorgt hat. Der Imageverlust scheint sich bislang in Grenzen zu halten. Womöglich traut man Biathlon deutlich stärkere Selbstreinigungskräfte zu als dem Radsport.

Biathlon hat mittlerweile einen hohen Grad der Professionalisierung erreicht. Das gilt für die Sportler genauso wie für die Weltcup-Orte. Ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt auf Amateurniveau abzusinken wird weder Athleten und Sponsoren noch dem Ereignis gerecht. Die Koreaner waren engagiert. Doch wo sollen ihr Know-how, ihre Erfahrung herkommen? Woher die Begeisterung des heimischen Publikums? Da wäre der Verband mit entschlossener Entwicklungshilfe in der WM-Vorbereitung gefordert gewesen.

Das hätte zumindest das Chaos am Anfang verhindern können. Aber auch in der IBU geht es manchmal noch amateurhaft zu. Einen Kriterienkatalog für die WM-Vergabe gibt es nicht. Natürlich ist es sinnvoll, den Kreis der Ausrichter zu erweitern. Aber erst nach einem Dreistufenplan: Erstes Jahr: Bestandsaufnahme, zweites Jahr: deutliche Steigerung, drittes Jahr: Weltcup-Reife – oder auch nicht. Wenn man schon Experimente macht, dann muss man sie auch akribisch vorbereiten. Der IBU dürfte die Lust auf Experimente aber fürs Erste gründlich vergangen sein.

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