27.08.2008 · Die Internationale Funkausstellung ist tot. Es lebe die IFA - auf der jetzt auch Waschmaschinen und Kühlschränke gezeigt werden. Die sollen genauso sexy sein wie flache Fernseher. Mal schauen.
Von Johannes WinkelhageWenn die Internationale Funkausstellung (Ifa) in Berlin an diesem Freitag ihre Tore öffnet, werden sich manche Besucher verwundert die Augen reiben. Die Chancen, statt auf die Scheibe eines Flachbildschirms in die Trommel eine Waschmaschine zu schauen, stehen nicht schlecht. Zum ersten Mal werden auch Haushaltsgeräte, früher als „weiße Ware“ bezeichnet, präsentiert. Und aus diesem Grund vermeiden die Veranstalter inzwischen den Begriff Funkausstellung. Die Ifa soll künftig beides unter einem Dach und dem Namen aus drei Buchstaben vereinen.
„Von den zehn wichtigsten elektrischen Geräten im Alltag sind jeweils fünf den Bereichen Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik zugeordnet“, erklärt Christian Göke, der Geschäftsführer der Messe Berlin, die Überlegungen hinter dem neuen Konzept.
Zwei Hallen bleiben wahrscheinlich leer
Mit diesem Schritt will die Ifa aber nicht nur dem Verbraucher eine bessere Möglichkeit geben, sich über sämtliche Neuheiten im Haushalt zu informieren. Die Ifa war immer auch eine Ordermesse, auf der eine Vielzahl von Händlern ihr künftiges Sortiment zusammenstellen können. Von diesen Händlern führen mindestens die Hälfte beide Produktkreise in ihren Läden, heißt es in der Branche. Auch in den Läden stehen Kühlschränke neben Fernsehern. Die neue Ifa setzt darauf, dies in der Messe abzubilden - und ist damit bisher offenbar recht erfolgreich.
So sind die meisten großen Haushaltsgerätehersteller der Einladung nach Berlin gefolgt und belegen rund 30.000 Quadratmeter in der neustrukturierten Ausstellung. Das Ziel, insgesamt sechs Hallen mit der „weißen Ware“ zu füllen, ist allerdings nicht erreicht - zwei Hallen bleiben wahrscheinlich leer.
Neben den deutschen Herstellern Miele oder Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) sind auch internationale Größen wie Elektrolux in Berlin vertreten. Zudem versuchen asiatische Hersteller - allen voran Samsung -, im deutschen Handel mit Haushaltsgeräten Fuß zu fassen, und nutzen die Ifa, auf der sie mit ihrer Unterhaltungselektronik schon lange vertreten sind, auch als Plattform für die Haushaltsgeräte. Vom kommenden Jahr an wird auch Panasonic mit Haushaltsgeräten auf dem deutschen Markt starten, ist in diesem Jahr in Berlin aber noch nicht vertreten.
Sparsame Geschirrspüler, Öfen und Herde
Ein weiterer Grund für den Schritt nach Berlin ist die Unzufriedenheit der Haushaltsgerätehersteller mit der Kölner Messe Domotechnika. Die Klagen wurden von Jahr zu Jahr lauter, was unter anderem an den hohen Hotelpreisen lag, die in Köln von den Messegästen gefordert wurden. So fand in diesem Jahr zwar noch eine Domotechnika in Köln statt, viele in der Branche glauben allerdings, dass die erweiterte Ifa der Kölner Schau den Garaus machen wird.
„Mit der Integration der Elektrohaushaltsgeräte erwarten wir noch mehr Popularität für die Produkte bei der Branche und ein gesteigertes Interesse der internationalen Fachbesucher“, erklärt darüber hinaus Rainer Hecker, der Vorsitzende des Ifa-Mitveranstalters Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (GfU). Die Idee dahinter ist simpel: Die Anbieter von Backöfen und Kühlschränken sind sich klar darüber, dass ihre Produkte in Sachen Öffentlichkeitswirkung kaum mit den superflachen Fernsehern mithalten können. Was liegt also näher, als beide Produkte gemeinsam zu präsentieren und zu hoffen, dass vom Glanz der Unterhaltungselektronik etwas auf die Haushaltsgeräte abfärbt.
Das Konzept scheint schon jetzt aufzugehen. So berichtet zum Beispiel Miele von Anrufen der Medien, ob es nicht „schicke High-Tech-Öfen“ gebe, die man mit den anderen Ifa-Produkten präsentieren könne. Solche Öfen gibt es natürlich, und die Hersteller der Haushaltsgeräte weisen immer wieder darauf hin, dass sie sich in Sachen Innovation nicht hinter der Unterhaltungselektronik verstecken müssen. So stehen in der Branche zur Ifa vor allem die Themen Einfachheit und Energieeffizienz im Vordergrund. Sparsame Geschirrspüler, Öfen und Herde ergänzen den stromsparenden Kühlschrank.
Die Zahl der angebotenen Titel steigt von Tag zu Tag
Aber auch auf der Seite der Unterhaltungselektronik bringt die Messe eine Fülle von Innovationen. Zwar sind die Fernseher mit einem Minimalmaß von inzwischen 3,5 Zentimetern seit der vergangenen Veranstaltung nur unwesentlich flacher geworden, die Tendenz geht aber zu erheblich größeren Formaten. Gleichzeitig setzt sich der Preisverfall fort, und der Verbraucher bekommt immer mehr für sein Geld - entweder in Form größerer Bildschirme oder mit einer inzwischen gängigen „Full-HD“-Auflösung, die für sehr klare Bilder, für High Definition (HD), sorgt.
Diese Auflösung kann darüber hinaus von immer mehr Abspielgeräten ausgegeben werden. Seit sich der Formatstreit um den Nachfolger der DVD zugunsten der neuen Bluray-Scheiben entschieden hat, kommen immer mehr Abspielgeräte auf den Markt, die die hochauflösenden Filme auf die Fernseher bringen.
Auch steigt die Zahl der angebotenen Titel von Tag zu Tag. Parallel dazu fallen die Preise für diese Geräte deutlich, was die Nachfrage zusätzlich in Schwung bringt. Auf der anderen Seite landet immer mehr selbst produzierter Inhalt der Verbraucher auf dem Fernseher, da inzwischen immer mehr HD-Kamerarekorder auf dem Markt sind, mit denen die eigenen Filme in HD-Qualität gedreht werden können.
Interessanter
Hans-Helge Hansen (Nordmensch)
- 27.08.2008, 14:27 Uhr