25.04.2010 · „Weitere Konzessionen“ bei den Karstadt-Mitarbeitern und den Vermietern verlangt der Kaufinteressent Triton - und bindet so sein Angebot an Bedingungen. Doch was heißt das jetzt genau? Gerüchteweise ist vom Abbau von 4000 Stellen die Rede.
Sollte der Finanzinvestor Triton bei dem insolventen Warenhausunternehmen Karstadt zum Zuge kommen, werden die Arbeitnehmer und die Vermieter nochmals erhebliche Zugeständnisse machen müssen. Das verlautete nach einem ersten Treffen zwischen Triton und Vertretern des Gläubigerausschusses aus Kreisen des Unternehmens. Der deutsch-skandinavische Investor war der einzige Interessent, der am Freitagnachmittag vor Ablauf der von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gesetzten Frist ein Gebot abgegeben hatte (Finanzinvestor Triton bietet für Karstadt). Man vertraue auf die Kooperation aller Beteiligten, um Karstadt als eigenständiges Unternehmen als Ganzes erhalten und in eine erfolgreiche Zukunft führen zu können, sagte der Sprecher von Triton am Sonntag der F.A.Z. „Wir bauen auf ein tragfähiges Konzept und glauben, das in Karstadt steckende Potential heben zu können.“
In den nächsten Tagen soll es weitere Einzelgespräche mit den Arbeitnehmervertretern, den Vermietern und dem Karstadt-Management geben, in denen Görg die Rolle des Moderators übernehmen dürfte. Der Insolvenzverwalter strebt möglichst bis Ende dieser Woche einen Vertragsabschluß an. Der Vertrag muss die Zustimmung des Gläubigerausschusses finden. Dieser hat die Offerte immerhin „wohlwollend zur Kenntnis genommen“, wie der Sprecher Görgs am Wochenende sagte. Ein recht detaillierter Vertragsentwurf lag den Interessenten schon in dem seit Februar geöffneten Datenraum vor.
Rund 4000 Arbeitsplätze weniger
Wie am Wochenende durchsickerte, soll Triton unter anderem mit rund 4000 Arbeitsplätzen weniger planen und auf eine deutlich stärkere Flexibilisierung der Tarife abzielen. Derzeit sind rund 25.000 Mitarbeiter in den 120 Filialen beschäftigt. In einem mit der Insolvenzverwaltung ausgehandelten, drei Jahre laufenden Sanierungstarifvertrag haben Arbeitnehmer bereits Zugeständnisse im Umfang von rund 150 Millionen Euro gemacht. Eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi hatte am Freitag gesagt, dass man eine Gesamtlösung anstrebe, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Allerdings müssen entsprechende Zugeständnisse durch die große Tarifkommission, so dass hier ein gewisser Zeitdruck besteht.
Auch bezüglich der Mieten sieht der vor zwei Wochen von den Gläubigern verabschiedete Insolvenzplan bereits beträchtliche Abstriche in Millionenhöhe vor. Auch hier soll noch einmal deutlich nachverhandelt werden, wobei es ebenfalls um mehr Flexibilisierung wie beispielsweise die Vermietung nicht rentabel zu betreibender Flächen an Dritte gehen soll. Hauptvermieter ist das sogenannte Highstreet-Konsortium, hinter dem unter anderem Goldman Sachs und der Deutsche-Bank-Fonds Rreef stehen. Dieses Konsortium hat bereits den Hut für den Fall in den Ring geworfen, dass sich kein Investor für Karstadt findet, der zur Zahlung auskömmlicher Mieten bereit ist. Ob es zu einer eigenen Offerte kommt, dürfte also davon abhängen, welche Variante langfristig die wirtschaftlich günstigere ist. Sollte Goldman einsteigen, wird in Branchenkreisen mit einem baldigen Zusammengehen von Karstadt mit der ebenfalls zum Verkauf stehenden Kaufhof-Gruppe gerechnet.
Weiter investieren, um das Unternehmen zu sanieren
Maßgeblicher Partner des Karstadt-Interessenten Triton ist Johannes Maret, ehedem Deutschland-Chef von Arthur Andersen und 2002 wegen unterschiedlicher Auffassung über die Geschäftspolitik ausgeschiedener Gesellschafter des Bankhauses Sal. Oppenheim, also der Bank, die im Strudel der Karstadt- und Arcandor-Pleite selbst in Schieflage geraten ist. Angeblich soll er damals gegen Kredite votiert haben, die Oppenheim Madeleine Schickedanz zum Erwerb von Karstadt-Quelle-Aktien gewährt hatte. Maret soll am Samstag die Grundzüge eines Sanierungskonzeptes für Karstadt sehr engagiert vorgetragen haben. Zahlen wie den von „Bild am Sonntag“ genannten Kaufpreis von 30 Millionen Euro sowie eine Kapitalstärkung um 60 Millionen Euro wollte der Triton-Sprecher nicht kommentieren. Es sei allerdings klares Ziel, weiteres Kapital zu investieren, um das Unternehmen zu sanieren.
Die 1998 gegründete Beteiligungsgesellschaft hat sich eigenen Angaben zufolge seit ihrer Gründung an 27 Unternehmen beteiligt und für diese Unternehmen weitere rund 50 Firmen hinzugekauft. Man verfüge europaweit über umfangreiche Erfahrungen in der Restrukturierung und Refinanzierung von Unternehmen, heißt es. Von den bisher investierten rund 2 Milliarden Euro ist etwa die Hälfte nach Deutschland geflossen. Weitere 2,5 Milliarden Euro Fondsvermögen stehen derzeit für Investitionen bereit. Zu den Anlegern gehören institutionelle Investoren wie die KfW. Hierzulande hat das im Frankfurter Büro rund 20 Berater umfassende Team unter anderem den Automatisierer Dematic, den Logistiker Lehnkering, die ehedem zu Evonik gehörende Teer-Chemie oder die insolvente Kampa-Gruppe erworben.
Karstadt-Interessent stellt harte Forderungen
Hans-Ulrich Grefe (Ha_Ulrich)
- 25.04.2010, 16:21 Uhr