28.05.2010 · Die Zitterpartie um die insolvente Warenhauskette Karstadt soll am 9. Juni ein Ende haben. Auf diesen Termin verschoben die Gläubiger des Unternehmens die Unterzeichnung eines Kaufvertrages mit einem neuen Eigner.
Weiter Bangen um Karstadt: Nach mehr als siebenstündigen Beratungen hinter verschlossenen Türen in der Essener Karstadt-Zentrale vertagte der Gläubigerausschuss sein Votum ein weiteres Mal auf den 7. Juni. Der Kaufvertrag soll nun am 9. Juni unterzeichnet werden, genau ein Jahr nach der Anmeldung der Insolvenz.
Zusammen mit Karstadt hatten damals auch die Muttergesellschaft Arcandor und die Arcandor-Versandhandelstochter Quelle Insolvenz beantragt. Während die Abwicklung der Muttergesellschaft mit dem seltsamen Kunstnamen relativ geräuschlos in Gang gesetzt wurde, scheiterten alle Bemühungen um eine Rettung des traditionsreichen Versandhändlers. Tausende Beschäftigte verloren ihre Jobs.
Kommunen signalisieren Einlenken
Für die Rettung von Karstadt stehen die Chancen dagegen derzeit deutlich besser: Sobald ein Investor den Kaufvertrag unterschreibt, ist eine wichtige Bedingung für das Inkrafttreten des Insolvenzplans erfüllt. Zweite wichtige Bedingung ist der Verzicht eines Großteils von bundesweit 94 Kommunen mit Karstadt-Standorten auf mögliche Gewerbesteuerforderungen von bis zu 140 Millionen Euro.
Obwohl vier Kommunen dem Verzicht eine Absage erteilt haben, zeigte sich Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Freitag zuversichtlich. Für das Inkrafttreten des Insolvenzplans reicht eine Zustimmungsquote von 98 Prozent der Forderungen, die trotz der Ablehnungen erreicht werden kann. Nach anfänglichen Widerständen hatte die große Mehrzahl der Kommunen mit Karstadt-Standorten ihre Meinung geändert. Auch elf weitere Kommunen, die ihre Zustimmung an Bedingungen geknüpft hatten, signalisierten bereits ein Einlenken.
Zum Umdenken vieler Kommunen dürfte auch ein Blick in die Zukunft der eigenen Innenstädte beigetragen haben. Mit dem Sterben der Warenhäuser drohe eine Verödung der Zentren, hatte es immer geheißen. Nun lag das Schicksal der Warenhauskette plötzlich in der Hand der Kommunalpolitiker.
Falls alles gut geht, könnte das Insolvenzverfahren noch im Sommer beendet werden. Doch auch dann bliebe für viele Karstadt-Mitarbeiter die Zukunft möglicherweise ungewiss. Die drei Karstadt-Interessenten Highstreet, Triton und Berggruen haben bislang ganz unterschiedliche Konzepte auf den Tisch gelegt. Zugeständnisse von den Beschäftigten fordern nach Angaben aus Branchenkreisen vor allem die Interessenten Triton und Highstreet, während Investor Berggruen darauf verzichten will. Bis zur endgültigen Sanierung von Karstadt bleibt in jedem Fall noch ein langer Weg.