29.05.2010 · Am Freitag war die Bieterfrist für die insolvente Warenhauskette Karstadt verlängert worden. Nun gesellt sich ein vierter Interessent zu den bislang drei Bietern. Das hat der Insolvenzverwalter bestätigt. Wer der Bieter ist, bleibt unklar. Gerüchte über ein russisches Konsortium machen die Runde.
Im Ringen um die insolvente Warenhauskette Karstadt hat sich ein weiterer Interessent gemeldet. „Es ist ein Schreiben eingegangen. Es wurde an die Investmentbank zur Prüfung weitergeleitet“, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg am Samstag.
Wer zu den bisherigen Bietern Triton, Nicolas Berggruen und Highstreet hinzugekommen ist, wollte der Sprecher nicht sagen. Nach einem Bericht der Zeitschrift „Der Spiegel“ handelt es sich dabei um ein russisches Konsortium unter Führung des St. Petersburger Unternehmers Artur Pachomow. Dieses wolle für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag 100 Prozent der Geschäftsanteile erwerben. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf informierte Kreise meldet, umfasst das Schreiben des Interessenten lediglich fünf bis sechs Seiten. Zudem sei er nicht im Datenraum gewesen und habe damit keine Wirtschaftlichkeitsprüfung vorgenommen, hieß es in den Kreisen.
In der Zitterpartie um Karstadt hatte Insolvenzverwalter Görg am Freitag die eigentlich an diesem Tag auslaufende Frist für einen Bieter bis auf den 9. Juni verlängert. An diesem Termin sollen nun die Gläubiger des 25.000 Beschäftigte zählenden Warenhauskonzerns einen Kaufvertrag mit einem neuen Eigner unterzeichnen. Bis dahin müssen sie sich aber noch einig werden, welchem Bieter sie den Zuschlag geben.
Detaillierte Gebote von Triton und Highstreet seit Freitag
Die deutsch-schwedische Fondsgesellschaft Triton, der Investor Nicolas Berggruen und das Vermieterkonsortium Highstreet um die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs hatten am Freitag erst kurzfristig vor der Sitzung des elfköpfigen Gläubigerausschusses detaillierte Gebote vorgelegt.
Für den Vorsitzenden des Karstadt-Gesamtbetriebsrats, Hellmut Patzelt, gibt es noch keinen Favoriten unter den drei Bietern. Die Angebote müssten erst genau prüft werden, sagte Patzelt, der als Vertreter der Belegschaft auch im Gläubigerausschuss sitzt, im Deutschlandradio Kultur: „Der Investor, der Karstadt mittel- bis langfristig nachhaltig eine Zukunft bietet, und insbesondere natürlich den Arbeitsplätzen - ich glaube, das wird dann derjenige sein, der auch Karstadt haben soll.“
Das russische Konsortium will laut „Spiegel“ neben der Bereitstellung von Geld für die Finanzierung des Weihnachtsgeschäfts 2010 ab 2011 durch Investitionen von jährlich rund 80 Millionen Euro die Karstadt Warenhaus AG langfristig sichern. Zudem solle die wirtschaftliche Basis des Unternehmens „durch punktuelle Internationalisierung des Warenhaus-Geschäftes an attraktiven Standorten außerhalb Deutschlands“ verbreitert werden. Zu den Beratern der Investoren gehören dem Magazin zufolge mehrere ehemalige Karstadt-Manager, darunter der frühere Vorstandschef Helmut Merkel.
Berggruen trifft stellvertretende Verdi-Chefin
Unterdessen verstärkte der Investor Nicolas Berggruen sein Werben um die Arbeitnehmer noch einmal. Berggruen sei nach der Präsentation seiner Offerte in Essen am Freitagnachmittag in Berlin mit Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane zusammengekommen, sagte eine Verdi-Sprecherin. Er habe seine Pläne mit der Gewerkschafterin besprochen.
Nach dem Gläubigerbeschluss muss das zuständige Amtsgericht in Essen noch grünes Licht für eine Rettung von Karstadt geben. Es muss entscheiden, ob der Karstadt-Insolvenzplan in Kraft treten kann. Bedingungen dafür sind ein Kaufvertrag mit einem neuen Eigner sowie ein Verzicht von Kommunen mit Karstadt-Standorten auf Mehrwertsteuerzahlungen. Scheitert der Insolvenzplan, würde Karstadt mit seinen 120 Warenhäusern zerschlagen, zahlreiche Arbeitsplätze gingen verloren.