24.06.2009 · Das insolvente Versandhaus kann mit Hilfe eines sogenannten Massekredits vorerst überleben. Ein Bürgschaftsausschuss von Bund und Ländern stimmte Plänen zu, denen zufolge Quelle rund 50 Millionen Euro erhält. Die langfristige Perspektive aber bleibt ungewiss.
Von Rüdiger KöhnDas insolvente Versandhaus Quelle kann mit Hilfe eines sogenannten Massekredits vorerst überleben. Ein Bürgschaftsausschuss von Bund und Ländern stimmte am Mittwoch Plänen zu, denen zufolge Quelle rund 50 Millionen Euro vom Bund sowie den Ländern Bayern und Sachsen erhält. Eine Staatsbürgschaft ist dagegen vom Tisch.
Quelle wollte ursprünglich eine Staatsbürgschaft über 50 Millionen Euro, um unter anderem den Druck des Hauptkatalogs abzusichern. Die Länder Bayern und Sachsen hatten bereits zugesagt, sich zu beteiligen. Wegen des hohen Ausfallrisikos gab es im Bürgschaftsausschuss aber Bedenken. Peer Steinbrück (SPD) hatte am Mittwochmittag gesagt, Quelle bekomme keine Bürgschaft, weil das Unternehmen überschuldet sei. Vor dem Hintergrund dieser letzten Bemerkung ist es um so erstaunlicher, dass der Bürgschaftsausschuss nach langen Gesprächen am Mittwochabend beschlossen hatte, Quelle einen Massekredit in gleicher Höhe zur Verfügung zu stellen.
Die Absage der Bürgschaft und das Umlenken auf einen Massekredit als zweitbeste Lösung aus Quelle-Sicht zeigt, wie prekär die Lage trotz der staatlichen Bemühungen und der Hilfe der finanzierenden Banken für das Versandunternehmen nach wie vor ist. Damit bleibt die langfristige Perspektive für Quelle ungewiss. Etwa 3000 der insgesamt 8000 Mitarbeiter arbeiten in der Region Fürth, dem Sitz der Tochtergesellschaft der ebenfalls insolventen Arcandor AG.
Der Druck des Herbst/Winter-Katalogs kann nun fortgesetzt werden, nachdem die Druckereien noch Dienstag mit dem Stopp drohten, wenn nicht schnell eine rechtsverbindliche Auftragszusage vorliegen würde. Bislang erfolgten die Druckarbeiten auf Basis eines „bedingten Auftrages“. Ohne einen neuen Finanzplan hätte der Auftrag für den 20 bis 25 Millionen Euro teuren Druck und die Auslieferung von 8,7 Millionen Exemplaren nicht erteilt werden können. Damit wäre Quelle die Basis für das Versandgeschäft im Herbst entzogen worden.
Bislang sind nach Angaben der Druckereien mehr als die Hälfte der Kataloge bereits gedruckt worden. Die Druckerei Prinovis - ein Gemeinschaftsunternehmen von Bertelsmann, Gruner + Jahr sowie Axel Springer Verlag - soll rund 70 Prozent des Druckauftrages erledigen. Weitere Druckerei ist die Schlott AG, Freudenstadt.
Der Massekredit über 50 Millionen Euro wird so aufgeteilt werden, wie es ursprünglich mit der Bürgschaft geplant war. Er wird von den Förderbanken bereit gestellt. Danach sollen 25 Millionen Euro von der staatlichen KfW kommen, 21 Millionen Euro von der bayerischen LfA sowie 4 Millionen von der Sächsischen Aufbaubank (SAB).
Im Falle einer Pleite und einer Abwicklung wird ein Massekredit bevorrechtigt behandelt, womit sich das Risiko eines Totalausfalls verringern würde. Für die Banken Bayern LB, Commerzbank und Valovis als Factoringinstitut für Quelle gibt es keinen Unterschied zur Bürgschaft, ist aus Finanzkreisen zu hören.
Massekredit - Ein Instrument in der Insolvenz
Ein Massekredit ist ein Instrument, um den Geschäftsbetrieb insolventer Unternehmen in vollem Umfang zu erhalten. Bei einem Massekredit steht der Kreditgeber in der Liste der Gläubiger ganz weit oben. Dies bedeutet, dass diese Forderungen vorrangig bedient werden, der Geber hat als erster Zugriff auf die Insolvenzmasse, damit seine Forderungen mit der höchstmöglichen Garantie abgesichert sind.
Im Juni 2005 hatte beispielsweise die Drogeriekette „Ihr Platz“ kurz nach der Insolvenz einen Massekredit von 7,5 Millionen Euro erhalten, um weiterhin die Ladenmieten bezahlen zu können. Derzeit verhandelt unter anderem der Insolvenzverwalter der Wadan-Werften mit Banken über einen Massekredit.