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Handel Berggruen erhält Zuschlag für Karstadt

07.06.2010 ·  Privatinvestor Nicolas Berggruen wird neuer Eigentümer der insolventen Kaufhauskette Karstadt. Der Kaufvertrag soll „umgehend“ unterzeichnet werden, sagte Insolvenzverwalter Görg - der Poker um die Warenhausmieten geht aber weiter.

Von Brigitte Koch, Düsseldorf
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Das Bieterrennen um die Kaufhausgruppe Karstadt ist entschieden. Der Privatinvestor Nicolas Berggruen hat vom Gläubigerausschuss am Montagabend den Zuschlag für den Kauf des vor genau einem Jahr in die Insolvenz gegangenen Unternehmens erhalten. „Wir werden mit Nicolas Berggruen einen notariellen Vertrag schließen“, vermeldete der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg im Anschluss an die mehr als achtstündige Sitzung des Gläubigerausschusses.

Der Beschluss wurde mit deutlicher Mehrheit gefasst. Wie allerdings zu hören war, soll es zwei Stimmenenthaltungen gegeben haben, und zwar vom Hauptvermieter Highstreet, der ebenfalls eine Offerte für Karstadt abgegeben hatte, sowie vom Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Hellmut Patzelt.

Harte Verhandlungen über die Mieten stehen bevor

Nach den Planungen Görgs soll bis zu diesem Mittwoch der Kaufvertrag für Karstadt endgültig unterzeichnet sein. Vollzogen werden soll er nach dem Eintritt verschiedener Bedingungen, etwa der kartellrechtlichen Genehmigung, dann voraussichtlich im August. Am Donnerstag will das Amtsgericht Essen den Insolvenzplan für Karstadt auch formal bestätigen. Von den drei Bietern standen gestern im Verlauf der angeblich sehr lebhaft und auch kontrovers geführten Diskussion zuletzt nur noch Berggruen und der deutsch-skandinavische Finanzinvestor Triton in der engeren Wahl. Hingegen soll recht früh im Sitzungsverlauf fest gestanden haben, dass Highstreet das Rennen nicht machen wird. „Wir blieben unverändert bei den Konditionen unseres Angebots“, sagte der Highstreet-Sprecher am Abend zum Ausgang des Verfahrens.

Schon am Vormittag hatte sich als einziger Sitzungsteilnehmer die Gewerkschaft Verdi öffentlich geäußert und trotz anfänglicher Ablehnung für eine Unterstützung des Berggruen-Konzeptes geworben. Der Sohn des vor drei Jahren verstorbenen Kunstsammlers und Mäzens Heinz Berggruen hat in seiner Offerte keine weiteren Zugeständnisse der Mitarbeiter verlangt, sondern dafür weitere Abstriche bei den Mieten gefordert. Darüber muss nun allerdings noch mit Highstreet hart verhandelt werden. Die Entscheidung sei zugunsten des Investors ausgefallen, der zügig stabile Rahmenbedingungen für alle Beteiligten, insbesondere die Lieferanten, sicherstellen solle, hieß es in einer Mitteilung Görgs.

„Kultmarke Karstadt“

Die Triton-Offerte hatte wegen der Forderung nach abermaligen Zugeständnissen der Mitarbeiter zumindest bei den beiden Arbeitnehmervertretern zunächst wenig Gefallen gefunden. Triton-Sprecher John Mengers zeigte sich zwar enttäuscht über den Ausgang. Berggruen sei offensichtlich kompromissbereiter gewesen, sagte er dieser Zeitung. „Wir wünschen dem neuen Karstadt-Partner ein gutes Gelingen bei der Umsetzung der nun anstehenden Aufgaben“, fügte er hinzu. Berggruen will nach eigenem Bekunden die „Kultmarke Karstadt“ langfristig retten.

Am Montagabend bedankte er sich bei den 25.000 Mitarbeitern für ihren Einsatz und ihre Geduld und bei den Karstadt-Kunden für ihre Treue. Der in Paris aufgewachsene und überwiegend in Amerika lebende Unternehmer bietet dem Vernehmen nach 70 Millionen Euro als Kaufpreis und verspricht Investitionen von mehr als 240 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren. Als Partner mit Einzelhandelsexpertise hat er die Modekette BCBG Max Azria Group im Boot.

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