23.04.2010 · Die Rettung der insolventen Kaufhausgruppe rückt näher. Der deutsch-skandinavische Finanzinvestor sei an einer Übernahme interessiert. Insolvenzverwalter Görg betätigte den Eingang einer Offerte, ohne freilich Namen zu nennen.
Von Brigitte Koch und Georg MeckDie rund 25.000 Mitarbeiter des insolventen Warenhausunternehmens Karstadt dürfen auf eine Rettung hoffen. So hat der deutsch-skandinavische Finanzinvestor Triton eigenen Angaben zufolge ein Angebot vorgelegt. Der Investor sei an einer Übernahme der Warenhauskette als Ganzes interessiert und plane ein Restrukturierungsprogramm, hieß es am späten Freitagnachmittag. Bis Freitag um 17 Uhr hatten mögliche Interessenten Gelegenheit, ihre Angebote für das im Juni vergangenen Jahres in die Pleite gerutschte Unternehmen abzugeben. Der Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg betätigte am Abend den Eingang einer Offerte, ohne freilich einen Namen zu nennen.
Zuletzt hatten laut Görg mehrere Interessenten in die Bücher von Karstadt geschaut und intensive Gespräche mit der Insolvenzverwaltung und dem Management geführt. Die Angebotsunterlagen sollen nun so zügig wie möglich und intensiv wie möglich geprüft werden. Ziel sei, sobald als möglich einen Kaufvertrag zu unterzeichnen, so Görg. Offenbar stehen schon am Wochenende weitere Verhandlungen an. Nach seinem Zeitplan soll schon bis Ende April ein Vertrag geschlossen sein. Allerdings hat sich Görg von der Gläubigerversammlung vor zwei Wochen die Option eines zeitlichen Aufschubs genehmigen lassen.
Forderungen nach schmerzlichen Zugeständnissen befürchtet
Für einen Verkauf ist auch die Zustimmung des Gläubigerausschusses erforderlich. Daher wird es stark auf die Bedingungen ankommen, die der Investor im Einzelnen stellt. Sollten sie am Ende inakzeptabel sein, steht offenbar alternativ das Highstreet-Konsortium mit der Investmentbank Goldman Sachs bereit, um das Unternehmen zumindest für eine gewisse Zeit weiterzuführen.
Diesem Konsortium, hinter dem neben Goldman Sachs auch der Deutsche-Bank-Fonds Rreef sowie Pirelli Real Estate und der italienische Kaufhausbesitzer Maurizio Borletti stehen, gehört ein Großteil der insgesamt 120 Karstadt-Warenhäuser. Im Umfeld von Highstreet wurde zuletzt bezweifelt, dass die von Triton gebotenen Konditionen den Hauptgläubigergruppen passen werden. So fürchten allen voran die Vermieter und die Arbeitnehmer, dass von einem möglichen neuen Karstadt-Eigentümer weitergehende Forderungen nach erneuten schmerzlichen Zugeständnissen gestellt werden.
Am liebsten würde Metro die eigene Warenhaus-Sparte loswerden
Den Gläubigern kommt es mehr auf ein plausibles Fortführungskonzept an als auf den gebotenen Kaufpreis, aus dem einer der angekündigten Besserungsscheine gespeist werden könnte. Highstreet hatte die Karstadt-Filialen 2006 gekauft und dafür in zwei Tranchen 4,3 Milliarden Euro gezahlt. Der Preis war auf der Basis sehr hoher Mieten kalkuliert worden. Die Finanzierung des Fonds wurde seinerzeit auf zahlreiche internationale Anleger weiterverteilt, die heute eine entsprechende Verzinsung einfordern. Goldman Sachs gehört zwar nicht zu den Kandidaten, die in die Karstadt-Bücher geschaut haben, um ein Angebot abzugeben. Aber ehe die Immobilieninvestoren weiteren Verzicht leisten müssen oder dem Unternehmen beim Ausbleiben eines akzeptablen Gebotes das völlige Aus und damit die Zerschlagung droht, dürfte die Investmentbank um Schadensbegrenzung bemüht sein.
Auf der Basis der bereits gesenkten Mieten und der Zustimmung der Belegschaft zu einem drei Jahre laufenden Sanierungstarifvertrag sei eine Fortführung des operativen Geschäftes darstellbar, heißt es. Damit könnten sich die Beteiligten auch Luft für Verhandlungen mit der Kaufhof-Muttergesellschaft Metro über die Zusammenlegung der beiden Warenhausgesellschaften verschaffen. Das Interesse des Metro-Vorstandsvorsitzenden Eckhard Cordes, Karstadt-Filialen zu übernehmen, ist ständig gesunken. Am liebsten würde Metro die eigene Warenhaus-Sparte loswerden an einen Dritten, der dann einen nationalen Champion aus Karstadt und Kaufhof bilden könnte. „Wenn mehrere Investoren solche Pläne vorantreiben, ist das wunderbar für uns“, ist im Umfeld des Metro-Aufsichtsrates zu hören.