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Arcandor Die Regierung muss standhaft bleiben

08.06.2009 ·  Der Bund verweigert Arcandor nicht nur eine Bürgschaft, sondern auch einen Restrukturierungskredit. Das ist eine gute Nachricht. Da soll noch einer sagen, Europawahlen hätten keine Bedeutung.

Von Carsten Knop
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Da soll noch einer sagen, Europawahlen hätten keine Bedeutung: Nachdem die Wähler am Sonntag eindeutig gesagt hatten, dass es für immer neue Rettungsaktionen von zahlungsunfähigen Unternehmen aus Steuergeldern keine zusätzlichen Stimmen gibt, war das Schicksal der bisherigen Anträge für staatliche Hilfen von Arcandor am Montag besiegelt. Was vor einer Woche wohl nur wenige ehrbare Kaufleute zu hoffen gewagt hätten, ist eingetreten: Der Bund verweigert dem maroden Handels- und Touristikkonzern nicht nur eine Bürgschaft, sondern auch einen Restrukturierungskredit, auf den das Management und die Belegschaft bis zuletzt gehofft hatten. Das ist eine gute Nachricht, auch wenn sie bei den Mitarbeitern zunächst als Katastrophe empfunden werden wird.

In Wahrheit kann diese ordnungspolitisch vernünftige Entwicklung auch für sie die Chance zu einem Neubeginn sein. Denn Arcandor hat mit seinen Sorgenkindern Karstadt und Quelle in der derzeitigen Struktur keine Zukunft mehr. Selbst die wesentlichen Anteilseigener, also die Familien Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, sowie die Vermieter und die Banken waren bisher nicht zu Zugeständnissen bereit, die ein überzeugendes Bekenntnis in den Glauben an die Überlebensfähigkeit von Arcandor abgelegt hätten.

Das Signal dieser Gruppe an den Steuerzahler war eindeutig: Gebt uns Geld, damit wir mit mehr Zeit die Teile des Unternehmens im eigenen Interesse so teuer wie möglich verkaufen können. Aber die Zeit des Taktierens und Geschäftemachens, die unter dem ehemaligen Arcandor-Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff zur größten Blüte gelangte, ist für Arcandor abgelaufen. Das Geld ist weg. Auf Wertsteigerungen muss hier niemand mehr setzen. Jetzt gilt es, endlich den geschundenen Mitarbeitern eine Perspektive zu eröffnen. Das ist möglich. Denn viele von ihnen werden künftig für Kaufhof, Otto, Rewe und andere Wettbewerber tätig sein. Möglicherweise erleben sie dann auch einmal, was gute Unternehmensführung ist.

Ihr heutiger Arbeitgeber hat nach dem ersten Nein aus Berlin nur noch eine - kurze - Fristverlängerung bekommen. Jetzt müssen Eigentümer, Vermieter und Banken endgültig zeigen, ob sie die Insolvenz wirklich vermeiden wollen. Und wenn ihr Angebot wieder nicht reicht, muss die Regierung standhaft bleiben. Dann wird der Insolvenzverwalter der Mehrheit der Arcandor-Mitarbeiter gewiss eine Brücke in die Zukunft bauen können.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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