19.10.2007 · Spitzenforschung an der Technischen Hochschule Aachen, der FU Berlin, den Universitäten Göttingen, Heidelberg, Freiburg und Konstanz soll künftig besonders gefördert werden. 2006 waren bereits zwei Münchner Hochschulen sowie die TH Karlsruhe Elite-Unis geworden.
Im Rahmen der zweiten Runde der Exzellenzinitiative hat der zuständige Bewilligungsausschuss am Freitag in Bonn sechs weitere Hochschulen als Elite-Unis ausgewählt. Dabei handelt es sich nach Teilnehmerangaben um die RWTH Aachen, die FU Berlin sowie die Universitäten von Heidelberg, Konstanz, Göttingen und Freiburg. Nicht berücksichtigt wurden demnach die Humboldt-Uni in Berlin und die Universität Bochum.
In einer ersten Auswahlrunde waren im Oktober 2006 schon drei Elite-Universitäten gekürt worden: die TH München, die Ludwig-Maximilians-Universität-München und die TH Karlsruhe.
Ostdeutschland geht wieder leer aus
Auch dieses Mal ist keine ostdeutsche Hochschule unter ihnen. Im Unterschied zur ersten Runde der Exzellenzinitiative, bei der es erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Wissenschaftsvertretern und Politikern gab, wurden die sechs Elite-Hochschulen in der zweiten Runde einstimmig beschlossen. Darüberhinaus wurden 21 Graduiertenschulen sowie 20 Exzellenzcluster bewilligt.
Die Exzellenzinitiative schreibe Wissenschaftsgeschichte, sagte Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) in einer ersten Reaktion. Die Forschung an den deutschen Universitäten befindet sich auf einem internationalen Erfolgskurs. Sie sei davon überzeugt, dass mit diesen beiden Runden der Exzellenzinitiative ein großer Schritt in der Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems ermöglicht worden sei. Die Exzellenzinitiative solle keine Episode bleiben, sondern langfristig bestehen. Bund und Länder würden die Exzellenzinitiative gemeinsam weiterentwickeln und über eine Verstetigung dieses Förderinstruments entscheiden, kündigte Frau Schavan an.
Bessere Lehre gefordert
Auch die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) plädierte nach der Bekanntgabe der Ergebnisse abermals dafür, die Exzellenzinitiative zu einem festen Bestandteil der Forschungsförderung in Deutschland zu machen. Die Finanzierung solle daher möglichst schnell gesichert werden. Die Hochschulen, die nicht erfolgreich abgeschnitten hätten, sollten möglichst andere Fördermöglichkeiten nutzen, um ihre Projekte doch zu realisieren.
Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft warnte davor, die Forschungszentriertheit des deutschen Wissenschaftssystems weiter zu zementieren. Die Lehre werde systematisch vernachlässigt. Er forderte die Wettbewerbssieger auf, ihren Handlungsspielraum für Verbesserungen in der Lehre zu nutzen.
Baden-Württemberg ist spitze
Vorgaben für die Gesamtzahl der Eliteuniversitäten gab es nicht, ursprünglich waren zehn Elite-Hochschulen geplant, es sind jetzt insgesamt neun. Vier der acht Elite-Universitäten befinden sich in Baden-Württemberg, das insgesamt mit einer Förderung von 621 Millionen Euro des Gesamtvolumens der Exzellenzinitiative (1,9 Milliarden) nach Baden-Württemberg. „Wir sind eindeutig das universitäre Spitzenland“, sagte der baden-württembergische Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU).
Allein in Heidelberg wurden insgesamt drei Graduiertenschulen und zwei Exzellenzcluster bewilligt, so dass die Ruprecht-Karls-Universität in der Spitzengruppe der deutschen Hochschulen mit der TU in München, der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie der RWTH Aachen steht.
Konstanz mit der kleinen Elite-Uni
Aber auch weitere Universitäten in Baden-Württemberg haben bei Exzellenzclustern und Graduiertenschulen gut abgeschnitten. Zwölf Bewilligungen von 47 erfolgreichen Anträgen gingen in den Südwesten. So wurde den Universitäten in Stuttgart und Ulm je eine Graduiertenschule bewilligt und den Universitäten in Tübingen (Neurowissenschaften) und Stuttgart je ein Exzellenzcluster.
Die Universität in Konstanz ist die kleinste im Elite-Wettbewerb. Sie wurde 1966 als Reformuniversität gegründet und war zunächst nur für 3000 Studenten geplant, inzwischen sind es 10.000. Sie war die erste Universität, die ihre Bibliothek auch nachts öffnete. Eine medizinische oder ingenieurwissenschaftliche Fakultät gibt es nicht, der größte Studiengang sind die Rechtswissenschaften. Statt Instituten gibt es fächerübergreifende Sektionen.
Nur ein Bruchteil des Harvard-Etats
Die Exzellenzinitiative soll die Spitzenforschung fördern und die Qualität des Hochschul- und Wissenschaftsstandortes Deutschland in der Breite verbessern. Insgesamt stehen für die Förderung für fünf Jahre bis 2011 insgesamt 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung. 75 Prozent übernimmt der Bund und 25 Prozent die Länder.
Das Geld wird für drei Förderrichtlinien eingesetzt: Für Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie für Spitzenforschungszentren (Exzellenzcluster) und Zukunftskonzepte für Elite-Universitäten. Im Vergleich mit amerikanischen Ländern handelt es sich um kleine Fördersummen. Allein die Harvard-Universität verfügt über ein Vermögen von 36 Milliarden Dollar.
Diesmal einvernehmliche Entscheidung
Das Auswahlverfahren verlief zweistufig. Zunächst wurde von der Gemeinsamen Kommission, bestehend aus einer Fachkommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und einer Strategiekommission des Wissenschaftsrats, eine Auswahl aus den eingereichten Antragsskizzen getroffen.
Die Universitäten, aus denen die bewilligten Antragsskizzen stammten, wurden dann aufgefordert, einen Vollantrag einzureichen und ihr Vorhaben zu konkretisieren. Auch die Vollanträge wurden wiederum von einer Jury bewertet. Die Gutachter wurden nach Qualifikation und fachlicher Nähe zum Antragsthema bestimmt. Da deutsche Wissenschaftler häufig selbst in das Bewerbungsverfahren involviert waren, stammten viele Gutachter aus dem Ausland.
Die Endauswahl trafen die Gemeinsame Kommission aus DFG und Wissenschaftsrat und Politiker aus Bund und Ländern. Die Stimmenmehrheit lag bei der wissenschaftlichen Seite, doch auch die politische Seite hatte mitzuentscheiden. Im Unterschied zur ersten Runde der Exzellenzinitiative, als es zu einem Eklat unter den Politikern gekommen war, weil ihnen keine Entscheidungsspielräume blieben, verlief die Entscheidung in der zweiten Runde einstimmig und einvernehmlich.
Ausgerechnet die FU Berlin
TOBIAS RÜGER (t.ruger)
- 19.10.2007, 16:02 Uhr
Sicher eine positive Entwicklung
W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)
- 19.10.2007, 16:51 Uhr
Nur wissentschaftliche Kriterien?
Robin von Eltz (robinvoneltz)
- 19.10.2007, 17:31 Uhr
Chapeau Rudolf Steinberg!
Ingo Knitto (krugo)
- 19.10.2007, 19:20 Uhr
Ost/West?
Rene Meyer (matrix1329)
- 19.10.2007, 20:26 Uhr