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Wegen sinkender Schülerzahlen Rheinland-Pfalz schafft Hauptschule ab

30.10.2007 ·  Vom Schuljahr 2009/10 an soll der Hauptschulabschluss in Rheinland-Pfalz nur noch unter dem Dach der Realschule angeboten werden. Bildungsministerin Ahnen (SPD) bestätigte entsprechende Medienberichte. Die neue „Realschule plus“ kann bis zur Fachhochschulreife nach der zwölften Klasse führen.

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Rheinland-Pfalz schafft schrittweise die Hauptschule ab. Der Hauptschulabschluss wird vom Schuljahr 2009/10 an unter dem Dach der Realschule angeboten, die es in zwei Ausprägungen gibt, sagte Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) am Dienstag in Mainz. Daneben existieren wie bisher die Gesamtschule und das Gymnasium.

„Unser Ziel ist, möglichst viele Schülerinnen und Schüler zu guten und höheren Bildungsabschlüssen zu führen, um den zukünftigen Fachkräftebedarf zu decken“, sagte sie. Zum Schuljahr 2013/14 soll es keine eigenständigen Hauptschulen mehr in dem Bundesland geben. Die neue „Realschule plus“ kann bis zur Fachhochschulreife nach der zwölften Klasse führen.

Wichtiges Signal an die Eltern

In dieser neuen Schulform sollen die Schüler sowohl den Hauptschulabschluss als auch die Mittlere Reife erwerben können. Nach Ahnens Worten wird es in der „Realschule plus“ eine Orientierungsstufe bis zur Klasse sieben geben, in der die Schüler zunächst gemeinsam lernen. Daran anschließend sei je nach Schule die Trennung der Bildungsgänge in einen Haupt- und einen Realschulzweig oder ein weiterer gemeinsamer Unterricht aller Schüler möglich. Die Klassengröße werde in der Orientierungsstufe auf 25 Schüler begrenzt.

Dies sei ein wichtiges Signal an die Eltern, dass die „Realschule plus“ hervorragende Perspektiven für ihre Kinder biete. Die Ministerin kündigte eine baldige Novellierung des rheinland-pfälzischen Schulgesetzes an. Die Schulreform soll dann 2009 beginnen. Das Land reagiert damit auf sinkende Schülerzahlen an den Hauptschulen, die zudem mit einem Imageproblem zu kämpfen haben.

Kritik von Lehrern

Lehrerverbände reagierten kritisch auf den Reformplan. So erklärte der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, mit der Abschaffung der Hauptschule ließen sich nicht die Hauptschüler und deren individuelle Bedürfnisse auf Förderung abschaffen: „Im Endeffekt werden die Verlierer die bisherigen Hauptschüler, aber auch die bisherigen Realschüler sein.“ Kraus warf der Mainzer Landesregierung vor, die Hauptschulen seit 1991 gezielt vernachlässigt zu haben.

Dagegen kritisierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Reform als nicht weitgehend genug. „Das Konzept der Landesregierung ändert nichts daran, dass Schülerinnen und Schüler nach wie vor mit zehn Jahren, und damit viel zu früh, auf unterschiedliche Schularten aufgeteilt werden“, kritisierte der Landesvorsitzende Tilman Boehlkau. Dass die „Realschule plus“ auch den Hauptschulabschluss vergeben soll, sei ein falsches Signal.

Doch nicht nur in Rheinland-Pfalz wird die Hauptschule abgeschafft. Auch in anderen Bundesländern, so im unionsgeführten Hamburg und in Schleswig-Holstein, ist auf Grund aktueller Beschlüsse das Ende dieser vor fast 40 Jahren eingeführten Schulform absehbar. In Bremen und fast im gesamten Ostdeutschland gibt es schon lange keine eigenständigen Hauptschulen mehr.

Wolff: „Das löst die Probleme der Hauptschüler nicht“

Bundesweit besuchen derzeit nur noch 23 Prozent eines Jahrganges Hauptschul-Bildungsgänge. Oft werden diese - vor allem in den neuen Bundesländern - in sogenannten Sekundar- oder Regelschulen angeboten. Dies sind meist integrierte Haupt- und Realschulen, in denen alle Bildungsabschlüsse bis Klasse zehn angeboten werden. In Großstädten wie Berlin, aber auch zum Teil im Ruhrgebiet, besuchen weniger als zehn Prozent eines Jahrganges die Hauptschule. Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen setzen dagegen weiter auf eigenständige Hauptschulen.

Im Unterschied zu Rheinland-Pfalz will Hessen seine Hauptschulen erhalten. Kultusministerin Karin Wolff (CDU) sagte am Dienstag in Wiesbaden: „Das Abschaffen der Hauptschule löst die Probleme der Hauptschüler nicht.“ Um diesen Jugendlichen eine Chance auf Ausbildung und Arbeit zu bieten, müsse die Hauptschule gestärkt und stärker praktisch ausgerichtet werden. „Unser Ziel ist es, dass Hauptschüler nach dem Abschluss Anschluss finden, anstatt nur frustriert in der Arbeitswelt zu scheitern“, sagte Wolff.

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