21.07.2008 · So ungelöst, wie oft behauptet werde, sei die Endlagerfrage in Deutschland nicht, schreibt Robert von Lucius im Artikel "Viel zu entsorgen, nichts zu verbergen" (F.A.Z. vom 11. Juli). Denn: für neunzig Prozent aller Abfälle gebe es einen genehmigten Standort, nämlich Schacht Konrad bei Salzgitter.
So ungelöst, wie oft behauptet werde, sei die Endlagerfrage in Deutschland nicht, schreibt Robert von Lucius im Artikel "Viel zu entsorgen, nichts zu verbergen" (F.A.Z. vom 11. Juli). Denn: für neunzig Prozent aller Abfälle gebe es einen genehmigten Standort, nämlich Schacht Konrad bei Salzgitter. Das mag so sein, aber dass damit mitnichten die Frage der Endlagerung gelöst ist, wird gegen Ende des Berichts selbst deutlich: zwar umfassen die Abfälle, die in den Schacht ab 2013 eingebracht werden sollen, neunzig Prozent des Volumens aller radioaktiven Abfälle, diese machen aber - so wörtlich - "nur 0,1 Prozent des radioaktiven Inventars" aus. Mit anderen Worten: für das hochaktive Material wie Brennstäbe und so weiter, also für 99,9 Prozent des radioaktiven Inventars, gibt es nach wie vor überhaupt keine Lösung. Denn dies darf nicht in Schacht Konrad eingebracht werden. Eine zweite Anmerkung erlaube ich mir aus Sicht eines Bewohners der Region. Der Ansicht, dass im Atommüllager Asse II (ebenfalls nahe Braunschweig) "viel schiefgelaufen" sei, kann ich mich nur anschließen. Die Einschätzung aber, dass die öffentliche Aufmerksamkeit während der Einlagerung des Atommülls gering gewesen sei, trifft meines Erachtens ganz und gar nicht zu. Im Gegenteil meldeten sich sofort nach Bekanntwerden der Pläne zur Einlagerung kritische Stimmen, die genau die Gefahren nannten, die inzwischen tatsächlich eingetreten sind. Schon 1964 forderte auch der Wolfenbüttler Kreistag einstimmig, keinen Atommüll ins Salzbergwerk Asse II zu verbringen. Das war drei Jahre vor Beginn der Einlagerung.
Andreas Matthies, Braunschweig