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Bildungsgipfel Professoren kritisieren Bund und Länder

20.10.2008 ·  Kurz vor dem „Bildungsgipfel“ von Bund und Ländern hat der Hochschulverband kritisiert, „die Rettung unseres wissenschaftlichen Systems“ werde gar nicht in den Blick genommen. Auch ist offenbar nicht geplant, eine Gesamthöhe für Bildungsinvestitionen festzulegen.

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Vor dem „Bildungsgipfel“ der Bundeskanzlerin mit den Kultusministern der Länder am Mittwoch in Dresden hat der Deutsche Hochschulverband scharfe Kritik an den Regierungen von Bund und Ländern geäußert. Diese hätten „die Rettung unseres wissenschaftlichen Systems überhaupt nicht im Blick“, sagte der Präsident des Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, dem „Hamburger Abendblatt“. Schon das im CDU-Präsidium beschlossene Bildungspapier sei „völlig unausgewogen“, da die Hochschulen darin „nur eine unscheinbare Nebenrolle“ spielten, kritisierte der Präsident der Berufsvertretung von mehr als 23.000 Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern.

Das Dokument sei ein „geradezu ungeheuerliches Armutszeugnis“, sagte Kempen. Es reiche nicht, sich auf dem Gipfel ausschließlich dem „Modethema Lebenslanges Lernen“ zu widmen, sagte Kempen. Er habe zwar Sympathien für die Forderung, den Hochschulzugang für Techniker und Meister zu erleichtern, aber die Möglichkeiten dazu gebe es jetzt schon. Kempen warnte davor, sich von derartigen Maßnahmen zu viel zu versprechen. Kempen forderte die Teilnehmer des Bildungsgipfels auf, eine Prioritätendiskussion mit Blick auf die wirtschaftliche Zukunft des Landes zu führen. Zentrale Themen müssten dabei die überfüllten Hörsäle sein, in denen oftmals der Putz von den Wänden bröckele, außerdem die Immobilität der Studierenden, „die nach der Umstellung auf das Bachelor/Master-System kaum noch von Bonn nach Köln wechseln können“, sowie der Schwund des wissenschaftlichen Personals an den Hochschulen.

„Keine Festlegung auf Bildungsinvestitionen“

Wie der Berliner „Tagesspiegel“ berichtete, werden sich Bund und Länder aller Voraussicht nach nicht auf eine Gesamthöhe für künftige Bildungsinvestitionen festlegen. Im Konzeptentwurf der zuständigen Arbeitsgruppe von Bund und Ländern werde kein Ziel benannt, schreibt das Blatt. Der Entwurf ist die Grundlage für die Beratungen am Mittwoch. Konkret wollen sich Bund und Länder unter anderem darauf verpflichten, die Zahl der Schul- und Ausbildungsabbrecher zu halbieren. Die Zahl junger Leute ohne Schulabschluss soll dem Entwurf nach bis zum Jahr 2015 von acht auf vier Prozent, die der Jugendlichen ohne abgeschlossene Berufsausbildung von 16 auf acht Prozent gesenkt werden.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne, forderte indessen eine deutliche Erhöhung der Bildungsausgaben. Er sagte am Montag im Deutschlandradio Kultur, Deutschland gebe wesentlich weniger Geld als der Durchshnitt der OECD-Länder für Bildung aus. Wenn man sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Kindergärten, Schulen und Hochschulen bereitstellen wolle, müssten 43 Milliarden Euro mehr als derzeit investiert werden. Thöne forderte, in einem ersten Schritt rund 30 Milliarden Euro mehr für die Bildung auszugeben und das Geld vor allem für mehr Personal in den Bildungseinrichtungen einzusetzen.

Wirtschaft: Großen Wurf wagen

Zugleich sprach sich der GEW-Vorsitzende für eine „national koordinierte“ Bildungsstrategie aus. Bildung in Deutschland müsse endlich als gesellschaftliche Aufgabe begriffen werden. Aber nicht nur das bereitgestellte Geld sei entscheidend, sagte Thöne. Wenn die Politik beispielsweise die Zahl der Schulabbrecher von 80.000 auf 40.000 halbieren wolle, müsse sie auch über die Schulstruktur nachdenken. „Und das ist keine Geldfrage, das ist vor allem eine Mentalitätsfrage“, sagte Thöne.

Die Spitzenverbände der Wirtschaft riefen Bund und Länder zu einem großen Wurf auf. Das Treffen sei eine einmalige Chance, die nötigen Reformen im Bildungssystem voranzutreiben, erklärten die Spitzenverbände Deutscher Industrie- und Handelskammertag, der Bundesverband der Deutschen Industrie, der Arbeitgeberverband BDA und der Zentralverband des Deutschen Handwerks gemeinsam in Berlin. Die Reformen nach dem Schock der schlechten Ergebnisse in der Bildungsstudie Pisa hätten das Rad in der Bildungspolitik noch nicht herumreißen können, kritisierten die Verbände. Weil die Zahl der Schüler deutlich sinken werde, werde es schon 2012 einen finanziellen Spielraum von acht bis zehn Milliarden Euro jährlich geben. „Dieses Geld muss unbedingt für eine Qualitätssteigerung in der Bildung genutzt werden.“

Bundeselternrat fordert klare Aussagen

Der Bundeselternrat begrüßt die Initiative, sich mit den aktuellen Problemen der Bildung in Deutschland auseinanderzusetzen. „Wir erhoffen uns vom Bildungsgipfel eine klare Aussage, wie es in Deutschland konkret weitergehen soll. Die einzelnen Schwerpunkte wie frühzeitige und kontinuierliche Förderung aller Kinder, längeres gemeinsames Lernen, elementare Bildung und Betreuung, Ganztagsangebote, ein gute und zukunftsweisende Berufs- beziehungsweise Studienorientierung sowie die besondere Förderung der Kinder und Familien mit Migrationshintergrund“ seien vom Bundeselternrat schon oft gefordert worden, hieß es in einer Mitteilung.

Der Bildungsgipfel müsse klare Aussagen treffen, „wann und wie mit einer Umsetzung einer besseren Bildungspolitik in Deutschland begonnen wird und wie die Kultusministerkonferenz diese Politik auch in den Ländern durch kurzfristige Maßnahmen umsetzen kann. Nur durch schnelles Handeln haben die Kinder und Jugendlichen unseres Landes die Möglichkeit, sich den veränderten Erfordernissen zu stellen, um später einen Platz in der Gesellschaft zu finden.“

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