Home
http://www.faz.net/-g9y-shje
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Berliner Amoklauf „Er hat in Sekundenfolge zugestochen“

30.05.2006 ·  Vier Tage nach dem Amoklauf eines betrunkenen 16jährigen in Berlin ist die Zahl der Opfer auf 41 gestiegen. Die Beweise seien erdrückend, sagt die Mordkommission. Auf ein Geständnis sei man nicht angewiesen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Vier Tage nach dem Amoklauf eines betrunkenen 16 Jahre alten Jugendlichen in Berlin ist nach Angaben der Ermittler die Zahl der Opfer auf 41 gestiegen. 33 Menschen trugen Schnitt- und Stichverletzungen von dem Messerangriff davon, acht wurden von dem Täter in die Kleidung gestochen oder mit der Faust geschlagen, sagte am Dienstag der Leiter der Mordkommission, Klaus Ruckschnat.

Die Beweise für die Schuld des Jugendlichen seien erdrückend, so Ruckschnat. „Er ist von sehr vielen Opfern und Zeugen gesehen worden.“ Die Ermittler seien daher nicht auf ein Geständnis des Jugendlichen angewiesen.

Noch immer kein Geständnis

Der Hauptschüler, der die Tat bisher nicht zugegeben hat, soll am späten Freitag abend am Rande der Feierlichkeiten zur Eröffnung des neuen Berliner Hauptbahnhofs wahllos auf Besucher eingestochen haben. Einige konnten nur durch Notoperationen gerettet werden. „Er hat zum Teil in Sekundenfolge zugestochen“, sagte Ruckschnat. Der Jugendliche sitzt in Untersuchungshaft in einer Jugendstrafanstalt.

Für die Opfer wäre eine genaue Schilderung des Tathergangs durch den mutmaßlichen Täter wichtig, sagte Ruckschnat. Er hoffe deshalb, daß der Anwalt auf den Jungen einwirke, ein Geständnis abzulegen. Seit Sonntag schwebt zwar keines der Opfer mehr in Lebensgefahr. Allerdings bangen viele Betroffene weiter: Einer der ersten Verletzten war mit dem Aids-Erreger infiziert.

Haftbefehl wegen Mordes in 24 Fällen

Die Ergebnisse der Blutuntersuchung auf Alkohol und Drogen des mutmaßlichen Messerstechers werden noch für diese Woche erwartet, sagte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Wann der jugendliche Verdächtige wieder vernommen werde, stehe noch nicht fest. Gegen ihn war Haftbefehl wegen versuchten Mordes in 24 Fällen und Körperverletzung erlassen worden.

Noch immer melden sich laut Mordkommission weitere mögliche Opfer, das bislang letzte am Dienstag morgen. „Viele sind erst aufgeschreckt worden, als bekannt wurde, daß einer der mit dem Messer Verletzten HIV-positiv war“, sagte Ruckschnat.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen