20.11.2007 · Das Wort des Landtagspräsidenten Alois Glück, dem Vorsitzenden der CSU-Grundsatzkommission, hat Gewicht bei den Christsozialen. Nun plädiert er in der F.A.Z. für eine verstärkte Öffnung zum Euro-Islam, um die CSU als eine Partei profilieren, in der auch Muslime einen Platz haben.
Von Albert Schäffer, MünchenEs ist mehr als eine beliebige Wortmeldung, wenn Alois Glück, der Vorsitzender der Grundsatzkommission der CSU ist, in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für eine verstärkte Öffnung zum Islam plädiert. Der bayerische Landtagspräsident gehört nicht zu den Laut- und Vielsprechern in der CSU. Doch sein Wort hat Gewicht in seiner Partei.
Glück, der im Januar 68 Jahre alt wird, hat einflussreiche Ämter – darunter den Vorsitz der CSU-Landtagsfraktion, den er von 1988 bis 2003 innehatte – immer zu einem Zeitpunkt aufgegeben, in dem das Bedauern über den Rückzug nicht auf seinen engsten Freundeskreis beschränkt war.
Durch diese eher selten praktizierte Kunst des rechtzeitigen Abschieds ist seine innerparteiliche Autorität nicht geschmälert worden, im Gegenteil. Nach den Worten Glücks darf die notwendige Wachsamkeit und Entschiedenheit gegen Islamisten und andere radikale Kräfte nicht zu einem Klima eines allgemeinen Misstrauens gegenüber Muslimen in der Bundesrepublik führen. Wenn Muslime die deutsche Politik und Gesellschaft nur abwehrend erlebten, drohe eine Konfrontation und Polarisierung, warnt Glück.
Differenzierende Sichtweise auf den Islam
Er hält es für „schicksalhaft“, ob der Islam in Europa eine Entwicklung nimmt, die sich unter dem Schlagwort „Euro-Islam“ zusammenfassen lässt. Glück versteht darunter eine Form des Islams, in der die grundlegenden Werte der europäischen Verfassungen nicht nur geduldet, sondern aktiv bejaht werden.
Als Beispiele nennt der CSU-Politiker die Trennung von Kirche und Staat, die Religionsfreiheit und die Gleichberechtigung von Mann und Frau. „Wir müssen versuchen, uns mit konstruktiven Kräften im Islam zu verbünden, die mit uns einen gemeinsamen Weg finden wollen“, sagt Glück. Dazu gehöre die Bereitschaft zu einer differenzierenden Sichtweise auf den Islam.
Aufmerksam verfolgt Glück den Plan, in München ein „Zentrum für Islam in Europa“ zu errichten. Als Initiator tritt Benjamin Idriz auf, der Imam einer kleinen islamischen Gemeinde in der oberbayerischen Stadt Penzberg. In den vergangenen Monaten hatte es Irritationen gegeben über Hinweise, dass zumindest in der Vergangenheit personelle Verbindungen zwischen der Penzberger Gemeinde und der „Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs“ bestanden hätten, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Im Innenausschuss des Landtags ist kürzlich erörtert worden, dass die Verantwortlichen der Penzberger Gemeinde bemüht seien, nachzuweisen, dass diese Verbindungen nicht mehr bestünden.
„Absolute Transparenz“ bei den Planungen
Bei dem „Zentrum für Islam in Europa“ handelt es sich um ein ehrgeiziges Vorhaben; auf einer Fläche von rund achttausend Quadratmetern sollen ein Gemeindehaus, eine Akademie für Imame, ein Museum und ein Gebetsraum entstehen. Glück hält die Zielsetzung des Zentrums für sehr bedenkenswert. Er teilt die Einschätzung, dass es nicht der Integration dient, dass gegenwärtig Imame nach Deutschland kommen, die aus anderen Kulturen stammen und das Land nach einigen Jahren wieder verlassen.
Allerdings hält Glück bei dem Münchner Vorhaben noch viele Fragen für ungeklärt, etwa die Akzeptanz einer solchen Akademie für Imame bei den in Deutschland lebenden Muslimen. Bei den Planungen sei „absolute Transparenz“ notwendig, fordert Glück. Er betrachtet es auch als einen falschen Weg, gleich ein Großprojekt auf den Weg bringen zu wollen; ein solches Zentrum müsse organisatorisch und inhaltlich wachsen.
Islam, der die europäischen Werte bejaht
Als maßgeblicher finanzieller Unterstützer ist der Emir von Sharjah im Gespräch, das zu den Vereinigten Arabischen Emiraten gehört. Der Emir, zweifach promoviert an englischen Universitäten, ist dem Austausch mit dem Westen aufgeschlossen; er ist schon der Geldgeber für den architektonisch anspruchsvollen Neubau des Gemeindezentrums der Penzberger Muslime gewesen, bei dem religiöse Traditionen in eine moderne Formensprache übersetzt worden sind.
Glück hat mit dem Emir vor kurzem während eines Besuches in den Vereinigten Emiraten in einem längeren Gespräch auch das geplante Münchner „Zentrum für Islam in Europa“ erörtert. Dabei habe der Emir hervorgehoben, dass er das Vorhaben nur fördern wolle, wenn es von den deutschen Instanzen unterstützt werde.
Glücks Feststellung, ein solches Zentrum müsse für einen Islam stehen, der die europäischen Werte bejahe, habe der Emir beigepflichtet. Glück ist bei seinem Besuch in Sharjah auch mit Vertretern christlicher Kirchen zusammengetroffen, die ihm bestätigt hätten, dass im Emirat die freie Ausübung ihrer Religion gewährleistet sei.
Glück wird im nächsten Jahr nicht mehr für den Landtag kandidieren. Es könnte zu einem der spannendsten Teile seiner politischen Biographie werden, wenn es ihm gelingt, die CSU als eine Partei zu profilieren, in der gerade wegen des „C“ ein aufgeklärter Euro-Islam seinen Platz hat und in der sich auch Muslime heimisch fühlen.