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WM-Auslosung „Weiterkommen ist Pflicht!“

10.12.2005 ·  Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielt in der Vorrunde der Weltmeisterschaft 2006 gegen Costa Rica, Polen, Ecuador. „Natürlich hätte es schlimmer kommen können“, sagte Bundestrainer Klinsmann.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel glaubt nach den Glückslosen für Gastgeber Deutschland an den vierten WM-Triumph am 9. Juli 2006 in Berlin.

„Natürlich können wir Weltmeister werden, der Heimvorteil könnte die entscheidende Rolle spielen“, sagte die Regierungschefin als Augenzeuge der WM-Gruppen-Auslosung in der Halle 1 der Neuen Messe Leipzig, wo die „Glücksfeen“ Pele, Johan Cruyff und Lothar Matthäus der Mannschaft von Bundestrainer Jürgen Klinsmann in der Vorrunde Costa Rica (9. Juni 2006 in München/Eröffnungsspiel), Polen (14. Juni 2006 in Dortmund) und Ecuador (20. Juni 2006 in Berlin) als Gegner und damit eine machbare Gruppe beschert hatten.

Der Erzrivale blieb erspart

Am Samstag morgen verließen die zahlreich vertreten Stars die sächsische Metropole, die für einen Tag zum Nabel der Fußball-Welt wurde und mit einer gigantischen Gala eine glänzende Einstimmung auf das Großereignis in einem halben Jahr lieferte. Fifa-Präsident Joseph S. Blatter spricht inzwischen ganz offen davon, daß er sich vorstellen kann, den deutschen Organisatoren durchaus noch die „1“ als Schulnote zu geben, nachdem er auf Grund der jüngsten negativen Vorkommnisse eine „2+“ Anfang der Woche verteilt hatte (Siehe auch: Reaktionen zur WM-Gruppenauslosung)

WM-Auslosung: Leichte Vorrunde für Deutschland

WM-OK-Präsident Franz Beckenbauer („Es ist alles zur Zufriedenheit verlaufen, wir sind mit Komplimenten überschüttet worden“) hat dies aufmerksam zur Kenntnis genommen. Der „Kaiser“ hatte unterdessen gerade einmal das Wochenende, um zu entspannen, denn bereits am Montag startet er zur nächsten Besuchsreise der 31 ausländischen WM-Starter. Der Trip führt ihn diesmal zu den fünf afrikanischen Teilnehmern.
Der 60jährige freute sich indes besonders für die Costa Ricaner als deutscher Gegner im Eröffnungsspiel, denn „wer hat schon einmal die Chance, vor einem Milliarden-Publikum zu spielen?“ Beckenbauer ist vom Weiterkommen der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) überzeugt, da ihr der Erzrivale Niederlande - in der Gruppe C mit Argentinien - erspart geblieben war (Siehe auch: Pressestimmen: „Wir sind schon für die nächste Runde qualifiziert“).

Es sollte keine Probleme geben

Auch die übrigen anwesenden Experten sahen es ähnlich. Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus forderte den Gruppensieg ein, DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder erklärte klipp und klar: „Weiterkommen ist Pflicht! Wenn wir in dieser Gruppe nicht bestehen, kann man sich sowieso alles abschminken.“ Günter Netzer setzte noch einen oben drauf: „Es gibt keine Entschuldigung für ein eventuelles Ausscheiden in dieser Gruppe. Es sollte kein Problem sein, in dieser Gruppe zu bestehen.“

Klinsmann wollte zwar nicht unbedingt in den Chor einstimmen, daß die Vorrunde ein Spaziergang für seine Truppe werden dürfte, aber gleichzeitig freute er sich, bei eventuellen Reisen nach Costa Rica oder Ecuador als Wahl-Kalifornier viel Zeit sparen zu können. Die Kritik an seinem Wohnort dürfte nach der Auslosung und auf Grund der erhaltenen Gruppengegner schnell abebben. In weiser Voraussicht hatte der Bundestrainer Costa Rica und Ecuador bereits in Augenschein genommen und sogar Videomaterial anfertigen lassen.

In weiser Voraussicht

Der 41jährige dürfte allerdings dem Spielplan auch entnommen haben, daß im Achtelfinale ein wirklich dicker Brocken droht. Sollte Deutschland als Erster der Gruppe A weiterkommen, wäre am 24. Juni 2006 in München der Zweitplatzierte der Gruppe B, in dem das Fußball-Mutterland England, Schweden, Paraguay und Trinidad/Tobago spielen, der Gegner. Als Gruppenzweiter würde Deutschland am 25. Juni 2006 in Stuttgart auf den Ersten der England-Gruppe treffen. Eine Neuauflage des WM-Finales von 1966 gegen England schon im Achtelfinale ist zumindest möglich.

Klinsmann war jedoch bedacht, in Leipzig nur an die Vorrunde zu denken. Der schwierigste Gegner dürfte Polen sein, der in der WM-Qualifikation zusammen mit England gespielt hatte. Bei der WM 1974 kam es in Frankfurt zum berühmten Regenspiel gegen die Polen in der zweiten Finalrunde. Deutschland siegte damals durch ein Tor von Gerd Müller mit 1:0 und zog ins WM-Endspiel gegen die Niederlande ein.

„Deutschland hat keine Stars mehr“

Starker Tobak kam von Polens Nationaltrainer Pawel Janas: „Deutschland hat keine Stars mehr wie früher, nur noch Ballack. Ich habe Klinsmann als Spieler sehr bewundert, was er als Trainer kann, wird sich zeigen“, sagte der Coach nach der Auslosung. Der Respekt vor dem WM-Gastgeber ist offenbar verloren gegangen. Janas meinte außerdem süffisant, daß die deutsche Nationalmannschaft ohne die aus Polen stammenden Miroslav Klose (Werder Bremen) und Lukas Podolski (1. FC Köln) noch schwächer einzuschätzen sei: „Die Deutschen können sich beglückwünschen, Podolski und Klose, die bekanntlich polnischer Abstammung sind, in ihren Reihen zu haben, sonst würde es für sie noch schwerer gegen uns“ (Siehe auch: Nach der WM-Auslosung: „Deutschland kann nur verlieren“).

Das beweist: Wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange wird Deutschlands europäischer Gegner in der Gruppe A vor der Klinsmann-Truppe nicht erstarren. Ähnlich sind auch die Aussagen der beiden anderen Trainer der deutschen Gruppen-Gegner, Alexandre Guimaraes (Costa Rica) und Luis Fernando Suarez (Ecuador), zu interpretieren. Guimaraes erklärte: „Deutschland hat zwar ein gutes Nationalteam. Aber wir haben nichts zu verlieren, alles zu gewinnen. Bei Deutschland ist es genau umgekehrt. Das ist unsere Chance.“ Suarez will mit Ecuador, das 2002 bei der WM in Südkorea und Japan nach der Vorrunde ausschied, dieses Mal mindestens das Achtelfinale erreichen: „Wenn es sein muß, lassen wir Deutschland hinter uns.“ Ecuador profitierte in der WM-Qualifikation im Übrigen wieder einmal vom Heimvorteil im 2850 Meter hoch gelegenen Quito, dort wurden immerhin Brasilien und Argentinien bezwungen.

Alle WM-Gruppen auf einen Blick

Gruppe A:
A1 - Deutschland, A2 - Costa Rica, A3 - Polen, A4 - Ecuador

Gruppe B:
B1 - England, B2 - Paraguay, B3 - Trinidad/Tobago, B4 - Schweden

Gruppe C:
C1 - Argentinien, C2 - Elfenbeinküste, C3 - Serbien und Montenegro, C4 - Niederlande

Gruppe D:
D1 - Mexiko, D2 - Iran, D3 - Angola, D4 - Portugal

Gruppe E:
E1 - Italien, E2 - Ghana, E3 - USA, E4 - Tschechien

Gruppe F:
F1 - Brasilien, F2 - Kroatien, F3 - Australien, F4 - Japan

Gruppe G:
G1 - Frankreich, G2 - Schweiz, G3 - Südkorea, G4 - Togo

Gruppe H:
H1 - Spanien, H2 - Ukraine, H3 - Tunesien, H4 - Saudi-Arabien

Quelle: FAZ.NET
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