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WM 2006 Katerstimmung in den WM-Luxuslogen

07.12.2005 ·  Die Edelfans zögern: Der Vorverkauf der teuersten Karten für die Fußball-Weltmeisterschaft läuft schleppend. Die Sportrechteagentur ISE gibt sich trotzdem optimistisch.

Von Marcus Theurer, München
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Für Andreas Hacker ist der Freitag ein Tag der Hoffnung. Wenn morgen in Leipzig mit Pomp, Glanz, Heidi Klum und Franz Beckenbauer die Vorrundengruppen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ausgelost werden, soll für Hacker, Vizevorstandschef der Sportrechteagentur ISE Hospitality, endlich der Knoten platzen.

Denn ISE hat ein Problem: Das Unternehmen hat den Vertrieb der teuersten WM-Karten in den Luxuslogen der Stadien übernommen. Doch der Vorverkauf der bis zu 15.000 Euro teuren „Rundumwohlfühlpakete“ (Hacker) für mehrere Spiele einschließlich Getränken und Essen läuft offenbar ziemlich bescheiden.

Fachleute sind skeptisch

ISE soll im Auftrag des Weltfußballverbandes Fifa mehr als 300.000 Edeltickets unters betuchte Fußballvolk bringen, rund ein Zehntel des gesamten Kartenkontingents. Verkauft hat ISE nach eigenen Angaben bisher nur etwa die Hälfte.

Hacker gibt sich eisern optimistisch. Nach der WM-Auslosung am Freitag rechne er mit einer „Tsunamiwelle an Nachfrage“, trommelte der Marketingmann kürzlich in eigenwilliger Diktion vor Journalisten. Wenn erst die Vorrundengruppen feststehen, so hofft Hacker, werden die Leute schon kaufen.

Doch Fachleute sind skeptisch. „Der ISE-Vorverkauf ist eine Katastrophe, die Lage ist sehr schwierig“, heißt es im Umfeld der WM-Organisatoren. Vor allem in den Stadien abseits der großen Metropolen wie München oder Berlin müsse ISE kämpfen.

ISE schweigt zu Finanzzahlen

Hacker will davon nichts wissen. „Wir sind sehr optimistisch, daß wir am Ende ausverkauft sind“, sagt er. Doch daß hinter den Kulissen auch bei ISE die Nervosität wächst, zeigt eine jetzt anlaufende großangelegte Werbekampagne, die den Verkauf ankurbeln soll. „ISE hatte nicht damit gerechnet, daß das nötig werden würde“, berichten Kenner.

In den Fernsehspots zeigen die WM-Vermarkter heulende Männer, die mit einer Edel-WM-Karte getröstet werden. Zu einer „Don't cry“-Party lud ISE Ende November rund tausend potentielle Kunden zu Schampus und Häppchen nach München. Die Werbeanstrengungen haben gute Gründe.

ISE, ein Gemeinschaftsunternehmen der beiden Werbeagenturen Dentsu und Publicis, schweigt sich zu Finanzzahlen aus. Doch in Branchenkreisen heißt es, die forschen Ticketverkäufer hätten allein für die Vertriebsrechte mehr als 200 Millionen Franken (rund 130 Millionen Euro) bezahlt. Der Einkaufspreis für die Tickets bei der Fifa ist darin freilich noch gar nicht enthalten.

Luxuskarten im normalen Vorverkauf?

Auch der Aufwand, den ISE vor Ort für die Edelfußballfans treiben will, ist enorm. Im Berliner Olympiastadion will das Unternehmen während der WM eigens eine 25 000 Quadratmeter große Zeltstadt für die standesgemäße Verpflegung und Unterhaltung der verwöhnten Kundschaft errichten. 4000 Hostessen sollen sich um das Wohl der Gäste kümmern.

Pessimisten unken dennoch bereits, daß die Luxuskarten am Ende mit Preisabschlägen gar in den normalen Vorverkauf für das gemeine WM-Publikum gelangen könnten. Denn leere Logensitze darf es laut Vereinbarung mit der Fifa in den WM-Stadien nicht geben, weil die sich im Fernsehen gar nicht gut machen würden.

Wird ISE, um eine solche Blamage abzuwenden, möglicherweise selbst die Preise senken? Vorstandschef George Taylor antwortet ausweichend: „Wir sind absolut sicher, daß wir die richtigen Preise haben.“ Vergleichbare andere Karten für sportliche Großereignisse seien zudem meist deutlich teurer. Taylor will jedenfalls bis zuletzt kämpfen: „Wir können noch neunzig Minuten vor Anpfiff Karten verkaufen und sie den Kunden rechtzeitig zustellen.“

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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