18.06.2006 · Mit einer indiskutablen Vorstellung hat Italien seine gute Ausgangsposition im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale der Fußball-WM wieder aufs Spiel gesetzt. Der dreimalige Weltmeister kam über ein 1:1 gegen die Vereinigten Staaten nicht hinaus. Insgesamt gab es drei Platzverweise.
Mit einer indiskutablen Vorstellung hat Italien seine gute Ausgangsposition im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale der Fußball-WM wieder aufs Spiel gesetzt. Der dreimalige Weltmeister behauptete zwar am Samstag in Kaiserslautern mit dem 1:1 gegen die Vereinigten Staaten die Tabellenführung in der Gruppe E, versäumte es aber, aus der tschechischen Niederlage am Nachmittag gegen Ghana Kapital zu schlagen.
Vor 46.000 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion erzielte Alberto Gilardino (22.) die italienische Führung, die Cristian Zaccardo per Eigentor (27.) wieder zunichte machte. Mit dem Punktgewinn erhielten sich die Amerikaner die Chance, wie zuletzt vor vier Jahren die K.o.-Runde zu erreichen.
In einer bisweilen überhart geführten Begegnung sahen der Italiener Daniele De Rossi (28.) und der Amerikaner Pablo Mastroeni (44.) Rote Karten, Eddie Pope (47.) mußte mit Gelb-Rot vorzeitig in die Kabine. Zweimal Rot in der ersten Halbzeit eines WM-Spiels hatte es zuletzt im Achtelfinale 1990 in Mailand für Rudi Völler und Frank Rijkaard gegeben. „Das war ein verrücktes Spiel. Wir waren heute viel zu nervös. Das Eigentor und die Rote Karte gegen De Rossi haben die Nervosität weiter gesteigert. Natürlich bin ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden, zumal wir zum Schluß noch in Überzahl gespielt haben“, sagte Marcello Lippi, der Trainer der Italiener, hinterher.
Kein spielerischer Glanz
Gilardino hatte auf dem Betzenberg ein Torfestival seiner Mannschaft versprochen, doch von schwungvollem Offensiv-Fußball war bei den Italienern nichts zu sehen. Die Spielmacher Francesco Totti und Simone Perrotta, nach dem 2:0 gegen Ghana mit Lob überhäuft, bekamen gegen zweikampfstarke Amerikaner das Heft des Handelns im Mittelfeld nicht in die Hand. Da auch die wieder mit Gianluca Zambrotta verstärkte Defensiv-Abteilung mit wenig Übersicht agierte, lagen die Vorteile 45 Minuten lang klar auf Seiten des Außenseiters. Erst in Überzahl erkämpfte sich die Elf von Marcello Lippi Vorteile, ohne dabei spielerische Glanzlichter setzen zu können.
Völlig überraschend waren die „Azzurri“ Mitte der ersten Hälfte in Führung gegangen, als Gilardino einen Freistoß von Andrea Pirlo ungehindert an Kasey Keller vorbei einköpfte. Indiz für die Kopflosigkeit der italienischen Abwehr war wenig später der Ausgleich durch Außenverteidiger Zaccardo, der eine Freistoß-Flanke von Bobby Convey unbedrängt ins eigene Tor lenkte. 60 Sekunden später versetzte der als Raubein bekannte De Rossi dem Team mit seinem mit Rot geahndeten Ellbogenschlag gegen Brian McBride, der stark blutend am Spielfeldrand behandelt werden mußte, den nächsten Schlag. De Rossi entschuldigte sich hinterher bei McBride. „Er ist nach der Partie zu mir gekommen, und hat gesagt, daß es ihm Leid tut. Er meinte, daß es keine Absicht war. Das hatte Klasse und für mich ist die Sache damit erledigt“, erklärte McBride.
Schiedsrichter griff hart durch
Nach der Herunterstellung mußte Totti aus taktischen Gründen seinen Platz für den wieder genesenen Gennaro Gattuso räumen. Doch noch vor der Pause sorgte Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay wieder für ein Gleichgewicht der Kräfte, als er Mastroeni für eine rüde Attacke auf die Beine von Pirlo ebenfalls mit Rot vom Feld schickte.
Der Unparteiische aus Südamerika ging auch in der zweiten Hälfte rigoros gegen die Härte auf dem Rasen vor. Als dritter Spieler mußte Pope in die Kabine, der Gilardino unsanft von den Beinen geholt hatte. Danach hätte der amerikanische Verteidiger Carlos Bocanegra mit einer verunglückten Kopfball-Abwehr beinahe für das zweite Eigentor des Spiels gesorgt (51.). Auf der Gegenseite verhinderte die Abseitsposition von McBride das vermeintliche 2:1 von DeMarcus Beasley (65.). Anschließend bewahrte Keller sein Team gegen den eingewechselten Alessandro Del Piero (73.) vor dem abermaligen Rückstand.
„Ich bin stolz auf meine Mannschaft, sie hat alles gegeben. Wir waren das bessere Team. Zum Schluß in Unterzahl war es natürlich sehr schwer. Einige Schiedsrichterentscheidungen waren sehr hart, aber wir hatten trotzdem eine Menge Spaß da draußen. Jetzt werden wir sehen, was noch möglich ist“, lautete der Kommentar von Bruce Arena, dem Trainer der Amerikaner.