Nach der lockeren Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen war Trainer Luis Aragones mit seinen Reservisten zwar nicht zufrieden, dennoch glaubt der Coach an den ganz großen Wurf. „Wir haben leider unser Niveau nicht erreicht. Aber dennoch ist unsere Zeit gekommen. Wir haben einen Traum, und zur Verwirklichung wollen wir alle Spiele gewinnen“, sagte der spanische Fußball-Nationaltrainer nach dem 1:0-Erfolg seiner B-Elf am für die „Seleccion“ bedeutungslosen letzten Spieltag der WM-Gruppe H gegen Saudi-Arabien.
Aragones hatte sich den Luxus gegönnt, nicht einen seiner Stammspieler von Beginn an gegen die Araber auflaufen zu lassen. Dennoch sicherte die Ersatzbank der Iberer, die schon vor der Partie mit zwei Siegen gegen die Ukraine (4:0) und Tunesien (3:1) den Einzug ins Achtelfinale geschafft hatten, den Gruppensieg und schickte den Gegner mit nur einem Punkt nach Hause. „Wir gehen Schritt für Schritt in Richtung Berlin. Wir wollten den Gruppensieg, und den Leuten aus der zweiten Reihe die Chance zum Einsatz geben. Beides hat ganz wunderbar geklappt“, erklärte der überragende Mittelfeldspieler Joaquin nach der durch den Treffer von Juanito (36.) entschiedenen Partie vor 46.000 Zuschauern im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion.
Der zweite Anzug paßte nicht
Unter den Augen von König Juan Carlos und Königin Sophia paßte der zweite Anzug der Iberer aber nicht so gut, wie es Joaquin den Beobachtern glauben machen wollte. Die Fans erlebten über weite Strecken lustlos agierende Spanier, die sich mit Ausnahme von Joaquin nicht für die Startelf empfehlen konnten. Auch der mittlerweile ins zweite Glied gerückte Starstürmer Raul konnte nicht überzeugen. Der erfolgreichste Torjäger der Champions League wurde in der Pause ausgewechselt und muß weiter auf seinen sechsten WM-Treffer warten, der ihn zum alleinigen WM-Rekordtorschützen seines Landes machen würde.
Spanien gegen Saudi-Arabien: Knapper 1:0-Sieg
Allzu harsche Kritik an der Vorstellung der Reservisten wollten aber weder Aragones noch die Spieler selbst aufkommen lassen. „Ich bin mit der kompletten Vorrunde voll zufrieden. Drei Spiele, drei Siege: Mehr kann man wirklich nicht verlangen“, sagte der Coach, der in seiner Zuversicht von Mittelfeldstar Xavi unterstützt wird. „Wir wissen natürlich, daß es schwer wird. Aber wir haben ein großes Selbstvertrauen und wir wissen auch, daß wir mit jedem Gegner mithalten können. Wir können alle Mannschaften schlagen“, sagte der Champions-League-Sieger vom FC Barcelona.
Keine Mannschaft schlagen konnte Saudi-Arabien. Dennoch fährt das Team des brasilianischen Trainers Marcos Paqueta erhobenen Kopfes nach Hause. „Die WM wird uns in toller Erinnerung bleiben. Wir haben durch die Spiele gegen Klasse-Teams viel Erfahrung gesammelt. Das wird uns weiterbringen“, meinte der Coach. Sein letztes Turnier bestritt Stürmer Sami Al-Jaber. Der 33jährige erklärte nach vier WM-Teilnahmen und dem 163. Länderspiel, in dem er in der 68. Minute ausgewechselt worden war, seinen Rücktritt aus dem Nationalteam.
