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Trainer-Tohuwabohu bei Togo Otto Pfisters Rolle rückwärts

13.06.2006 ·  Überraschende Wende in der Trainerfrage bei Togos Fußball-Nationalmannschaft. Der zurückgetretene Otto Pfister bleibt nun doch Trainer des Teams. Auch der Prämienstreit sei beigelegt. An diesem Dienstag geht es gegen Südkorea.

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Kurz bevor Winfried Schäfer die Wasserkästen in sein Haus in Ettlingen bei Karlsruhe getragen hatte, erreichte die Trainerposse bei WM-Teilnehmer Togo einen neuen Höhepunkt. Draußen vor der Tür hatte das ZDF einen Ü-Wagen geparkt, um ein Interview mit Schäfer zu führen, weil er möglicherweise neuer Trainer Togos für die Dauer der WM und Nachfolger des vergangenen Freitag unter Tränen zurückgetretenen Otto Pfister werden sollte.

Um kurz nach 16 Uhr dann sagte eben jener Otto Pfister den Nachrichtenagenturen „Reuters“ und „sid“: „Ich komme zurück, ich werde beim ersten Spiel am Dienstag auf der Bank sitzen. Ich weiß nicht, wie lange. Viele Spieler haben mich angerufen und mich gebeten, zurückzukommen. Ich habe auf ein Fax des Verbandspräsidenten Gnassingbe bestanden, das dann kam.“

Groteske Geschichte

Damit gehen turbulente Wochen zu Ende, wobei allerdings niemand genau sagen kann, wie die groteske Geschichte weitergeht. Am späten Montag vormittag wartete Winfried Schäfer noch auf einen Anruf des togolesischen Verbandes. „Ich gehe jetzt erst einmal zum Bäcker.“ Darüber berichtete Sekunden später so ziemlich jede Rundfunkanstalt in Deutschland. Dazu wurde bekannt, daß sein Hund mitdurfte, weil den ein bestimmtes Bedürfnis ins Freie drängte. „Und jetzt“, sagte der 56jährige Schäfer, ehemaliger Trainer von Kamerun bei der WM 2002 und derzeit als Klubtrainer bei Landesmeister Al Ahali Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten angestellt, „frühstücke ich“.

Nachdem man am Sonntag in Wangen im Allgäu mehrere Stunden erfolglos mit Schäfer über einen Vertrag für die Dauer der WM verhandelt hatte, drangen im Laufe des Tages immer wieder Kommentare Schäfers nach außen, die zunehmende Verärgerung erahnen ließen. Gestern, also einen Tag vor dem ersten Gruppenspiel gegen Südkorea, wollte der togolesische Verband eine Entscheidung treffen. „Wenn die sich nicht bis 15 Uhr melden, dann will ich nicht mehr“, sagte Schäfer. Ein Teil der Verbandsfunktionäre hätte den „Afrika-Experten“ (Verbandssprecher Messan Attolou) gerne als Nachfolger des 68jährigen Otto Pfister gesehen, der vergangenen Freitag regelrecht flüchtete, weil seine Spieler dreimal das Training verweigerten, da der Verband zugesagte WM-Prämien nicht zahlte. Es gebe kein Zurück mehr hatte Pfister noch am Wochenende betont. Nun die plötzliche Rolle rückwärts.

Spielerboykott vom Tisch

Pfister war selbst erst im Februar 2006 als Nationaltrainer Togos berufen worden. Der dritte Assistenztrainer, ein gewisser Kodjovi Mawuena, aber fühlte sich als neuer Nationaltrainer. Er sei sicher, am Dienstag auf der Bank zu sitzen, als Cheftrainer. Verbandssprecher Attolou sagte, er sei Nationaltrainer, bis ein Neuer komme und weigerte sich trotz mehrfacher Bitten hartnäckig, Englisch zu sprechen. „Wir haben am Sonntag nicht vier Stunden verhandelt. Zwei vielleicht. Dann haben wir Fußball geschaut“, berichtete Schäfer, der Bedingungen stellte, die zwar für alle anderen nachvollziehbar klingen, aber bei manchen Verbandsfunktionär nicht so gut ankamen. So wollte Schäfer alle drei WM-Spiele machen und Cheftrainer mit allen Befugnissen werden. Mit den Gedanken war er am Sonntag aus seinem Urlaubsort in Tonbach im Schwarzwald vom Skattisch („Ich habe dort sechs Euro gewonnen bevor ich gehen mußte, sonst wären es sicher zehn geworden“) aufgebrochen.

Wegen der Trainerposse ist das Sportliche völlig in den Hintergrund geraten. Weil unklar ist, wer die Mannschaft aufstellt, stehen taktische Ausrichtung und Aufstellung der Mannschaft nicht fest. Immerhin ist der Boykott des ersten WM-Spiels durch Starspieler Emmanuel Adebayor vom FC Arsenal und seinen Kollegen vom Tisch. Südkorea hingegen kann sich voll und ganz auf das sportliche Geschehen konzentrieren. „Alle sind fit. Das ist das wichtigste“, sagte Coach Dick Advocaat. Das Theater beim Gegner müsse kein Vorteil sein. Ein Team könne durch so etwas ja noch enger zusammenwachsen. Und Winfried Schäfer? „Ich bin so froh, daß es vorbei ist. Ich gehe wieder mit dem Hund spazieren.“

Quelle: F.A.Z. vom 13. Juni 2006.
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