21.06.2006 · Zwei Tore von Klose und ein Treffer von Podolski sicherten der deutschen Mannschaft im letzten Vorrundenspiel einen lockeren 3:0-Sieg gegen Ecuador. Damit zieht Deutschland als Gruppensieger ins WM-Achtelfinale ein und trifft nun auf Schweden, das am 2:2 gegen England spielte.
Von Michael Horeni, BerlinDie Zuschauer konnten einfach nicht genug bekommen von ihrer Nationalmannschaft. Nach einer dreiviertel Ehrenrunde hatten die Party-Gastgeber nach vielen stimmungsvollen Minuten den Ausgang zu den Katakomben des Olympiastadions gerade erreicht, da forderte auch die vergessene Kurve lautstark ihren Anteil an der deutschen Feierstunde. Die Mannschaft machte unverzüglich auf dem Absatz kehrt und beglückte auch noch den letzten Rest des Publikums mit einer geschlossenen Mannschaftsverneigung.
Nun durften die Gruppensieger nach einem souveränen 3:0-Sieg gegen Ecuador endlich gehen - und das Achtelfinale am Samstag gegen die Schweden (2:2 gegen England, 2:2 reicht England: Aber Aus für Owen ) ruhig kommen. „Wir sind sehr zufrieden. Jetzt geht's erst richtig los. Meine Mannschaft wird immer hungriger“, sagte der in Berlin persönlich gefeierte Bundestrainer Jürgen Klinsmann.
Ein weiteres Fest
Drei Spiele, drei Siege - die Nationalelf beendete die WM-Vorrunde optimal und bescherte ihren Fans als Zugabe am Ende sogar noch ein weiteres kleines Fußballfest. Im zweifachen Torschützen Miroslav Klose (4. und 44. Minute) besitzen die Deutschen einen Torjäger von internationaler Klasse und konnte sich mit Bernd Schneider zudem an einem äußerst spielklugen Gestalter auf der rechten Seite erfreuen. Den dritten Treffer erzielte zur Feier des Tages Lukas Podolski (57.), der sich damit endlich sein Erfolgserlebnis bei der WM ermöglichte. Mit neun Punkten und einem Torverhältnis von 8:2 aus den Spielen gegen Costa Rica (4:2), Polen (1:0) und Ecuador hat der Gastgeber die beste WM-Vorrunde seit 1970 abgeliefert.
Beim letzten Auftritt vor den K.-o.-Spielen kam Klinsmanns Team jedoch zur Hilfe, daß Ecuador seine bessere Hälfte für das Achtelfinale schonte. Unter diesen günstigen Umständen machten sich die Deutschen mit dem 1:0 von Klose nach vier Minuten unverzüglich daran, ihre Fans weiter in Feierlaune zu versetzen. Der Bremer bewies seine Torjägerqualitäten als er nach einem Zuspiel Schweinsteigers von der Grundlinie den Ball aus der Drehung direkt in die linke Torecke beförderte. Mit diesem Treffer hatten die WM-Gastgeber eigentlich schon die Tagesarbeit verrichtet. Das 1:0 machte sie zu diesem Zeitpunkt zum Tabellenführer, und das war das Ziel von Klinsmann (Siehe auch: FAZ.NET-Traumelf).
Konfliktvermeidungsstrategie
Doch was nun? Die Hitze war nicht gerade allzu verlockend, um eine Energieleistung abzuliefern, zumal die Qualifikation ja schon festgestanden hatte. Außerdem erweckte Ecuador mit seiner Aufstellung nicht den Eindruck, als wollte das Team mit aller Macht um den Gruppensieg mit dem dreimaligen Weltmeister kämpfen. Sie verzichteten auf fünf Stammspieler, darunter die zweimaligen Torschützen Delgado und Carlos Tenorio. Die Deutschen versuchten nach der Führung eine Spielmischung zu finden, die weiter Angriffsschwung erkennen ließ, ohne allzu große persönliche Risiken in Kauf zu nehmen (Siehe auch: Einzelkritik: Klose klasse - Schneider glänzend).
So war es nicht zuletzt Kapitän Ballack, der diese Symbiose in der ersten Halbzeit stellvertretend demonstrierte. Der latent von einer Gelb-Sperre für das Achtelfinale bedrohte Kapitän versuchte es mit einer Konfliktvermeidungsstrategie. Bei Zweikämpfen hielt er sich erkennbar zurück, um dem Schiedsrichter nicht den Hauch einer Fehlentscheidung mit schweren Folgen zu erlauben. Das Spiel der Deutschen entwickelte unter diesen ganz besonderen Umständen auch nicht die Dynamik der Partie gegen Polen: „Das war eine Klasse schlechter“, sagte Klinsmann, „zwischen Abwehr und Mittelfeld wurden die Räume teilweise zu groß.“
Impulsgeber Schneider
Seine Elf war aber immer noch stark genug, die Partie zu dominieren. Schneider lieferte dazu regelmäßig kreative Impulse von der rechten Seite. Die Abwehr geriet dank der soliden Defensivleistung des Mittelfelds nie in ausweglose Situationen - und im Sturm konnte das Team vor allem auf Klose vertrauen. Der Bremer hinterließ einen exzellenten Eindruck, sein Antritt war explosiv und seine Zielstrebigkeit zum Tor in jedem Moment erkennbar.
Der weitere Lohn für einen Auftritt, wie ihn Klose von sich selbst als Führungsspieler verlangte, ließ auch nicht allzu lange auf sich warten. In der 44. Minute erzielte der Bremer das 2:0, wobei die Vorarbeit von Ballack die Extraklasse eines Weltklassespielers verriet. Es war nun, angesichts der fünf Treffer vor vier Jahren in Japan und Südkorea, schon der insgesamt neunte WM-Treffer von Klose. Damit schloß der Bremer zu Uwe Seeler und Karl-Heinz Rummenigge auf. Rudi Völler hat er bereits hinter sich gelassen - zum Rekordtorjäger Gerd Müller fehlen allerdings noch vier WM-Tore. Das war Klose einen Salto wert, seinem Ziel, seine Marke der letzten WM zu übertreffen, kommt er auch immer näher.
Erlösender Jubel
Und was machte Podolski im Schatten des überragenden Bremers? Der Fan-Liebling bewegte sich von Beginn an besser als in den ersten beiden Partien, er war öfter anspielbar, doch was ihm zunächst fehlte, war unerschütterliches Selbstvertrauen und auch ein bißchen Glück. In der 53. Minute machte der Liebling der Fans nach einem wunderbaren Zuspiel von Lahm schon alles richtig, doch sein Schuß verfehlte das Tor knapp. Aber Podolski ließ sich nicht entmutigen - und nur vier Minuten später belohnte sich der Kölner selbst. Schneider lieferte bei einem schnellen Konter den perfekten Paß in den Strafraum, und Podolski vollendete den Angriff perfekt. Der Jubel um den in diesen Tagen erstmals ein bißchen kritisierten Jungstar glich einer Erlösung. Die Fans waren aus dem Häuschen, Podolski ohnehin, und auch die gesamte Mannschaft und Klinsmann feierten die Befreiung ihres Muntermachers. „Unsere Stürmer sind sehr gut drauf. Jetzt werden sie durch Tore belohnt“, sagte der Bundestrainer, der Podolski besonders innig herzte.
Was danach kam, war Party (Siehe auch: WM-Feste in Deutschland: Neue Rekorde auf den Fanmeilen). Die Zuschauer sangen vom Finale, und die deutsche Mannschaft machte mit dem ziemlich willen- und hilflosen ecuadorianischen B-Team, was sie wollte. Doch in der Leichtigkeit des Feierabends mischten sich dann auch ein paar Unkonzentriertheiten, die einen noch höheren Sieg verhinderten. Die deutsche Party störte das aber nicht weiter - sie soll ja auch noch ein bißchen weitergehen: Am Samstag gegen Schweden.